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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Weltjugendtag  ›  Eindrücke Moderatoren: Weber
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Eindrücke  Dieses Thema wurde bisher 5.702 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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lehmundstroh
01 September 2005, 09:55 Einem Moderator melden Einem Moderator melden

0 - 25 Beiträge
Beiträge: 5
Moin,

hat denn niemand eine Meinung zum Weltjugendtag? Ist beim WJT "alles paletti" gewesen oder eher "sch...egal"?

Nicht dass ich dort gewesen wäre, nö. Erstens bin ich nicht mehr im angepeilten Altersbereich (selbst meine Kinder, so ich denn welche hätte, wären wohl schon hart an der Altersgrenze). Zweitens würde ich mich in solchen Menschenmassen überhaupt nicht wohlfühlen. Und drittens hatte ich schon in den Siebzigerjahren meine Schwierigkeiten mit allem, was unter dem Begriff "happy Jesus feeling" umschrieben war.
Meine Anteilnahme beschränkte sich auf einige Berichterstattungen im Radio und Fernsehen (einschließlich der Übertragung des Abschlussgottesdienstes). Manches ließ mich dabei stutzig werden: angefangen bei der "Papst-Botschaft an die Jugend der Welt" ausgerechnet in der BLÖD-Zeitung (!?), über den BRAVO-Starschnitt des Papstes bis hin zum Superstarrummel um Benedikt. Sehr enttäuscht hat mich im Abschlussgottesdienst der ausführliche und eindringliche Hinweis, dass alle Teilnehmer vom gemeinsamen Mahl ausgeschlossen sind, die nicht 100%ig katholisch sind. Wäre Frère Roger, so er denn am WJT teilgenommen hätte, die Kommunion verweigert worden? Und ist nicht gerade ein solches Fest der Jugend der Welt, auf dem die einmalig gute Gemeinschaft immer wieder sehr betont wurde, eine Gelegenheit, die "communio" im Wortsinn zu feiern?

Es gibt aber auch andere Eindrücke. So hat mich positiv überrascht, dass diese begeisterte Jugend es geschafft hat, dem ehemaligen Kardinal Ratzinger weiche, ja gütige und seinerseits begeisterte Züge ins Gesicht zu zaubern, die wohl kaum jemand erwartet hätte, der den Leiter der Glaubenskongregation als strengen (um nicht zu sagen: ausgesprochen harten) Nachfolger der "Heiligen Römischen Inquisition" erlebt hat. Hoffentlich hält diese Wandlung von Ratzinger zu Benedikt weiter an und entwickelt sich fort (wenn es denn wirklich eine Wandlung ist und nicht nur eine Stimmung).

Am meisten erstaunt aber hat mich das Verhalten der Jugendlichen. So richtig einordnen kann ich's noch nicht. Einerseits der überschwängliche Starrummel mit Be-ne-detto-Rufen etc., andererseits ganz viel Gebet und öffentliches Bekenntnis. Vielleicht zeigt sich hier eine ganz neue Leichtigkeit im Umgang mit Glauben und Kirche. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass all diese jungen Leute ihren Alltag ausschließlich "streng katholisch" leben. Vielmehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier endlich eine Generation heranwächst, der es gelingen könnte, sich von der Kirche zu emanzipieren, ohne ihr den Rücken zu kehren. Nicht im Sinne von Beliebigkeit. Vielmehr gemäß dem Grundtenor der "Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland" vor über 30 Jahren: verantwortete Gewissensentscheidung statt Buchstabengehorsam. Daraus, denke ich, kann eine solche offene Glaubensfreude erwachsen, die keiner Leidensmine mit schief gehaltenem Kopf bedarf.
Eine schöne Hoffnung.

so long
lus
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Malachit
01 September 2005, 10:29 Einem Moderator melden Einem Moderator melden

Administrator
Beiträge: 3
Hallo Lehmundstroh,

zu Deiner Anmerkung:
Zitierter Text
Manches ließ mich dabei stutzig werden: angefangen bei der "Papst-Botschaft an die Jugend der Welt" ausgerechnet in der BLÖD-Zeitung (!?), über den BRAVO-Starschnitt des Papstes bis hin zum Superstarrummel um Benedikt.


würde ich sagen, daß der Papst selbst da schon die richtige Antwort bei seinem Abflug gegeben hat: "In eurem Alter seit ihr leicht zu begeistern". Daher denke ich sprang die "Jugendzeitschrift" BRAVO nur auf das Thema Welt"jugend"tag auf um ein wenig vom Kuchen zu bekommen.

Zitierter Text
...diese begeisterte Jugend es geschafft hat, dem ehemaligen Kardinal Ratzinger weiche, ja gütige und seinerseits begeisterte Züge ins Gesicht zu zaubern, die wohl kaum jemand erwartet hätte...

Das mit den weichen Zügen ist mir nicht aufgefallen. Das was in meiner Erinnerung hängen blieb ist, ist ein Satz des Co-Moderators der ARD: "Der Papst hat einige Dinge abgeschafft, unter anderem das die Kardinäle seinen Fischerring küssen müssen." Und bei jeder Einstellung sieht man einen gebückten und küssenden Kölner Kardinal. Da fällt mir dann eher ein anderes Wort als gütig ein

Zitierter Text
Vielleicht zeigt sich hier eine ganz neue Leichtigkeit im Umgang mit Glauben und Kirche.

Die jungen Pilger bemängelten, daß bei der Katechese nur Vorträge gehalten wurden, in denen Bischöfe die Dogmen der Kirche dargelegten. Ein echter Austausch zwischen Jugend und der Obrigkeit fand nicht statt. Themen wie Kirche und Umwelt fanden nur am Rande statt. Bezweifelt werden darf auch die Themenauswahl der Diskussionsrunden. Hat der Papst alle Themen angesprochen, wie es Bundespräsident Horst Köhler in seiner Verabschiedung gesagt hat. Oder hat er alle kritischen Themen am Weltjugendtag ausgespart, um der Jugend ein Gefühl der Zuneigung zu geben und die Möglichkeit, sich an Ihn zu gewöhnen?
Ich denke schon, daß es eine Leichtigkeit unter den Jugendlichen gab. Sie haben sich aber auch kritisch mit der Kirche auseinandergesetzt. Nur ob die Jugend mit ihrer Meinung und Begeisterung die Kirche zu einer offeneren Haltung bringen kann, wird sich zeigen.
Gruß

Malachit
geloggt Offline
PrivatnachrichtPrivatnachricht Antwort: 1 - 2
lehmundstroh
01 September 2005, 10:55 Einem Moderator melden Einem Moderator melden

0 - 25 Beiträge
Beiträge: 5
Hi Malachit,

die "weichen Züge" meine ich nicht generell. Während des Abschlussgottesdienstes fiel mir auf, dass der Papst ab und an einen gänzlich anderen Gesichtsausdruck bekam, als ich ihn vom Kardinal gewohnt war.

Zum Ringkuss: von den alten Männern um den Papst herum erwarte ich nicht wirklich eine Erneuerung oder grundlegende Änderung des Verhaltens....

Und ob die Organisatoren heikle Themen aussparten oder nicht: meine Hoffnung ist, dass die Jugendlichen sich das selbständige Denken nicht abnehmen oder gar verbieten lassen. Und (trotzdem?) weiter ihren Weg innerhalb der Kirche suchen und gehen.

Tschüß
lus
geloggt Offline
PrivatnachrichtPrivatnachricht Antwort: 2 - 2
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