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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Buchempfehlungen    Bücher über Religion  ›  Scholl, Norbert: Mein Zweifelglaube Moderatoren: Weber
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Scholl, Norbert: Mein Zweifelglaube  Dieses Thema wurde bisher 1.283 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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Weber
06 Dezember 2008, 18:05 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
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Beiträge: 201
Kritik:

Es ist ein Buch gegen die falsche Sicherheit im Glauben. Flott geschrieben – für Menschen, die Christ sein möchten und sich kirchlich engagieren wollen, aber ihre Schwierigkeiten haben mit der Unbeweglichkeit der kirchlichen Institution.

Im Einzelnen:
Es werden einige Artikel des Glaubensbekenntnisses unter die Lupe genommen und auf ihre Aussagekraft für unsere Zeit hinterfragt. Zum Beispiel: „Ich glaube an Gott“. Der kirchliche Umgang mit diesem Begriff ist so selbstsicher, inhaltlich abgeschlossen und über jede Unsicherheit und jeden Zweifel erhaben, dass einem kritisch denkenden Menschen die Lust auf Gott vergehen kann. Der Autor plädiert daher für ein Recht auf Zweifel und bringt dafür auch gleich biblische Beispiele. Scholl möchte Gott seiner Allerweltsbedeutung entziehen und empfiehlt einen sehr vorsichtigen Umgang mit dem Gottesbegriff. Treffende Zitate von bedeutenden Philosophen, Theologen und Dichtern veranschaulichen, wie man respektvoll und zweifelnd gläubig über Gott sprechen kann. Das Kapitel über Gott ist meines Erachtens eines der stärksten im ganzen Buch. Allerdings ist der Umgang mit dem Gottesbegriff in den weiteren Kapiteln nicht mehr so zurückhaltend wie empfohlen, sondern wie fast allgemein üblich formelhaft. Was ich in diesem Zusammenhang vermisse, ist eine etwas ausführlichere Verständnishilfe des Betens für den modernen Menschen.

Weitere Kapitel handeln von der Offenbarung, von den Zehn Geboten (beide etwas kurz geraten) und dann über Jesus von Nazaret. Letzteres enthält eine ausgezeichnete Zusammenfassung der historisch-kritischen Exegese und deren Konsequenzen für das moderne Jesus-Verständnis. Das macht jungen Menschen Mut, sich auch heute auf Jesus einzulassen. Schade, dass das folgende Kapitel über den Geist und die Begeisterung so knapp ausgefallen ist.

Richtig spannend sind später die Kapitel über die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, über Kirchenstrukturen und die Schwierigkeiten eines kirchlichen Aggiornamentos. Ganz locker packt der emeritierte Professor für Religionspädagogik diese heißen Eisen klerikaler Selbstgefälligkeit an und darf sich der Zustimmung (und des Beifalls) angehender Religionslehrer und Religionslehrerinnen sicher sein. Nicht verschwiegen werden sollte, dass manche Ansichten, wenn sie denn von Lehramtskandidaten öffentlich vertreten würden, beim späteren kirchlichen Arbeitgeber Irritationen hervorrufen könnten (vorsichtig ausgedrückt). Das liegt dann allerdings weniger an der Plausibilität der vom Zweifelgläubigen Scholl geäußerten Verständnishilfen als vielmehr am Wahrnehmungsdefizit bischöflicher Ordinariate, was den tatsächlichen Zustand der Kirche, der Glaubensbereitschaft ihrer Mitglieder und deren geistig-geistlicher Situation überhaupt anbetrifft.

Ein Buch, in populärem Stil geschrieben, das die Probleme beim Namen nennt und in vielen Fragen gute Verstehenshilfen gibt. Es hätte ruhig doppelt so dick sein dürfen. Ich empfehle die Lektüre allen, die ihre Zweifel an Glaube und Kirche haben und an letzterer noch nicht verzweifelt sind.

Buchdaten:
Autor(en): Scholl, Norbert
Titel: Mein Zweifelglaube
Verlag; Paulusverlag, Freiburg / Schweiz
ISBN Nummer: 978-3-7228-0725-6

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