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Forum www.religion-und-spiritualitaet.de    Religion und Spiritualität    Ehe und Scheidung  ›  Et bliev nix wie et wor, z.B. „Ehe für alle“ Moderatoren: Weber
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Et bliev nix wie et wor, z.B. „Ehe für alle“  Dieses Thema wurde bisher 58 mal gelesen. Thema ausdrucken Thema ausdrucken
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Weber
19 Oktober 2017, 17:08 Einem Moderator melden Einem Moderator melden
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Beiträge: 200
Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer!

Wir leben in einer interessanten Zeit. Der fünfte Paragraph des Kölschen Grundgesetzes sagt: „Et bliev nix wie et wor.“ (Es bleibt nichts, wie es war.) Wie richtig diese Feststellung ist, haben wir vor einigen Wochen in der Politik erleben können. Die Linke, die Grünen und die SPD hatten im Bundesrat einen Gesetzentwurf eingebracht unter dem Stichwort „Ehe für alle“. Nach diesem Gesetzentwurf sollten künftig auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Noch vor dem Ende der Legislaturperiode sollte dieser Gesetzentwurf auch noch im Bundestag verabschiedet werden. Es gab eine zum Teil emotionale Debatte im Deutschen Bundestag. Alle Fraktionsführungen gaben die Abstimmung frei, so dass die Abgeordneten nicht der Fraktionslinie, sondern nur ihrem Gewissen folgen sollten. Und dann kam die Abstimmung: Die SPD, die Linke, und die Grünen stimmten geschlossen für das Gesetz, die CDU / CSU zu einem Viertel. Damit heißt es künftig im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB): „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Damit ist die Ehe neu definiert. Was hat sich geändert mit dem Gesetz vom 20. Juli 2017? Am 1. Oktober dieses Jahres endet das Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001, und es gibt nur noch die Heirat für alle. –
Geht jetzt die Welt unter? Nein, sie geht nicht unter. Es ist interessant, dass seit diesem neuen Gesetz konservative Gruppen, zu denen auch die katholische Kirche zählt, nicht mehr über gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften lamentieren, sondern über die Neudefinition der Ehe und die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Paare auch Kinder adoptieren dürfen. Die Konservativen haben ein neues Fressen gefunden. So sagt der Berliner Erzbischof Heiner Koch, zuständig in der Deutschen Bischofskonferenz für Familienfragen, in einem Interview mit Spiegel online: „Dass der Staat auch andere Beziehungen stärken, schützen und klären muss, ist mir klar. Warum man das aber Ehe nennen muss, verstehe ich nicht.“ Die Diskussion hat sich verlagert.
Warum behandele ich das so ausführlich? Dass dieses Thema zum jetzigen Zeitpunkt so öffentlich verhandelt wird, ist sicher auch Wahlkampfgetöse (gewesen). Aber vom Wahlkampf mal abgesehen, stecken doch Anliegen dahinter, die die Menschen heute bewegen:
1.     In den letzten Jahrzehnten hat sich mehr und mehr die Einsicht durchgesetzt, dass es nicht gerecht ist, dass der Mann im öffentlichen Leben immer die Hauptrolle spielt. Man spricht hier von Genderungerechtigkeit. Das wird zum Beispiel in der Sprache deutlich, indem oft die männliche Sprachform gebraucht und die weibliche Variante unterschlagen wird. Z. B.: „die Schüler“, „die Lehrer“, „die Touristen“, „die Arbeiter“. Nachdem man nun entdeckt hat, dass die Menschheit nicht nur aus Männern, sondern auch aus Frauen besteht, bemüht man sich, auch sprachlich zu differenzieren. Z. B. sagt man: „liebe Zuhörerinnen und Zuhörer“. Es sind nicht nur Frauenrechtlerinnen, die auf die Gleichberechtigung der Geschlechter dringen, sondern alle jene, die mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern einfordern. Z. B. die Gewerkschaften und Politiker und Politikerinnen, die gleichen Lohn für Männer und Frauen fordern.

2.     Nun gibt es Dinge, die Männer und Frauen gemeinsam tun: z. B. heiraten, Kinder kriegen, Kinder erziehen. Als größte Gruppe in der Gesellschaft haben Ehepaare eine Machtposition. Sie meinen nämlich, alle Menschen müssten so leben wie sie. Wer nicht nach diesem Muster lebt, wird verachtet, diskriminiert. Die Kirche hat´s vorgemacht. und wer´s nachmacht, gilt als gut katholisch. Minderheiten haben´s immer schwer, anerkannt zu werden.

3.     Nun gibt es aber Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben: also Schwule und Lesben. Noch im Jahre 1957 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass gleichgeschlechtliche Betätigung eindeutig gegen das Sittengesetz verstößt. Erst 1973 wurde Homosexualität entkriminalisiert, und 1994 wurde der berühmte § 175 des Strafgesetzbuches endgültig gestrichen. Seit 2001 dürfen gleichgeschlechtliche Paare eine Lebenspartnerschaft eingehen, und nun ab 1. Oktober dieses Jahres heiraten. „Ehe für alle“ heißt nun, dass gleichgeschlechtliche Paare auch Kinder adoptieren können. – Die Kirche argumentiert immer, dass Kinder Vater und Mutter brauchen. Gut so. Aber was geschieht, wenn der liebe Gott einen Ehepartner aus dem Spiel nimmt, also sterben lässt oder wenn ein Elternteil die Familie freiwillig verlässt? Dann gibt es nur noch den Vater oder nur noch die Mutter, und die müssen dann allein erziehen. Das geht, auch wenn die Bischöfe dagegen sind. Mütter sind dazu öfter gezwungen als Väter. – Warum sollten das Kümmern um Kinder nicht auch lesbische oder schwule Paare können? Oder steckt dahinter immer noch die Angst, diese sexuelle Orientierung sei ansteckend? Das wäre ein archaischer Mythos.

4.     Schwule und Lesben gelten als Abweichler gegenüber den heterosexuellen Paaren; immerhin sind sie die größten Gruppen der Abweichler. Es gibt auch Menschen, die sich anders definieren als Mann und Frau. Und auch die möchten nicht diskriminiert werden, sondern geachtet und sich nach ihrer Orientierung entfalten dürfen. Darauf haben sie sogar ein Recht.
Und was sagt die Kirche dazu? Die Kirche ist damit zurzeit wohl noch etwas überfordert. Aber wenn wir in die Bibel schauen, dann hat der liebe Gott jeden einzelnen Menschen erschaffen, er hat ihn gewollt - so und nicht anders. Und der Schöpfergott hat sein Werk mit allen Einzelheiten als „sehr gut“ bewertet. Haben wir das Recht, sein Werk anders zu beurteilen?
Wenn ich ein Kind taufe, dann orientiere ich mich gern an der Taufe Jesu. Da sagt die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“. Und dann sage ich den Eltern: „Genau dieselbe Botschaft gibt Gott ihrem Kind heute mit auf den Lebensweg. „Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich meine Freude habe.“ Diese Botschaft gilt ohne Einschränkung – für jeden Menschen(!) – egal welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, welcher Religion oder Weltanschauung. Wir in unserer christlichen Religion lesen diese Botschaft aus der Bibel, andere Religionen haben andere Quellen, aber die Liebe Gottes leugnet keine Religion.
Amen.
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