Hier finden Sie Texte über Christi Himmelfahrte

Texte von Wilhelm Weber





Texte von Wilhelm Weber






Auftrag und Vollmacht Wilhelm Weber

Liebe Christen!

Wie geht es nach Ostern weiter? Das war die große Frage der Jünger, nachdem Jesus gekreuzigt worden war. Als Auferstandener erschien Jesus den Seinen eine Zeit lang und vermittelte so den Eindruck, dass er nicht tot ist, sondern lebt. Aber ein oder zwei Generationen später brauchten die Jünger eine weiter reichende Zukunftsperspektive. Und darauf geben die einzelnen Evangelien unterschiedliche Antworten. - Lukas, der Theologe des Heiligen Geistes, erzählt, wie Jesus in den Himmel auffährt, um den Zurückbleibenden den Heiligen Geist zu senden. - Das ältere Markusevangelium wird später um die Himmelfahrtserzählung nach dem lukanischen Muster ergänzt, damit das Evangelium nicht so trostlos endet. (Der ursprüngliche Schluss lautete nämlich: "Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich." Mk 16,8). - Das Matthäusevangelium, dessen letzte Verse wir heute gehört haben, hat eine ganz andere Version: Jesus bestellt seine Jünger auf den Berg; dann spricht der Herr von sich als dem Bevollmächtigten im Himmel und auf der Erde (das ist der Ausdruck für die Erhöhung beim himmlischen Vater), dann erteilt er den universellen Missions- und Taufbefehl und endet mit den Worten: "Seid gewiss; ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Keine Himmelfahrt also, aber die Zusage der bleibenden Anwesenheit bei den Jüngern.

Es ist unwahrscheinlich, dass Matthäus selber den Missions- und Taufbefehl überliefert hat. Denn Matthäus war ein Judenchrist und schrieb für jüdische Christen. Den Juden aber war der Missionsgedanke völlig fremd. Außerdem gab es zur Zeit Jesu mit Sicherheit noch keine Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes. Darum sagt man wohl zu Recht, dass es sich um eine Ergänzung in späterer Zeit handelt. Die Kirche hatte sich da längst etabliert, und das theologische Denken hatte bereits fest gefügte Glaubensformeln hervorgebracht. Aus all dem ist ersichtlich: bis zum Tod und der Auferstehung Jesu ist die Überlieferung ziemlich einheitlich, doch dann gibt es unterschiedliche Zukunftsvisionen.

Nach der Vorstellung des Matthäusevangeliums soll die Frohbotschaft von der Liebe Gottes allen Völkern der Erde verkündet werden. Und auch die Taufe ist für alle vorgesehen - natürlich nicht zwangsweise, wie es dann später oft gemacht wurde. Die Inhalte der Verkündigung sollen dem Geist Jesu entsprechen; denn er selber wird der Garant sein für die Richtigkeit der Verkündigung, weil er alle Tage bei ihnen bleibt. An verbindliche Glaubensbekenntnisse ist noch nicht gedacht, auch nicht an eine unfehlbare Lehrautorität im Kreis der Jünger. Die spätere Engführung in den sich entwickelnden Kirchenstrukturen der katholischen Kirche ist unverkennbar.

Facit: Die Evangelien haben sehr unterschiedliche Visionen davon, wie es mit der Sache Jesu nach Ostern weitergehen kann. Die katholische Kirche hat sich auf einen Weg festgelegt, hat eine Kirchenstruktur aufgebaut, hat ein theologisches System favorisiert. Das ist alles legitim. Was nicht legitim ist: andere Kirchenstrukturen, andere Theologien und andere Formen der Christusnachfolge zu verteufeln. Die katholische Kirche darf nicht kleinlicher sein, als die Bibel ist. Und die eröffnet eine große Vielfalt an Formen der Christusnachfolge. Der mangelnde Fortschritt in der Ökumene heute liegt an uns und nicht nur an den Anderen. Denn Gott ist viel größer und toleranter und vor allem vielfältiger, als wir es in unserem Denken zulassen.

Amen.


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Erfahrungen der Gottesferne Wilhelm Weber

Liebe Christen!

Es ist sicher überflüssig zu sagen, dass Christi Himmelfahrt mit Weltraumfahrt nichts zu tun hat. Der Weltraum oder das Universum ist das Forschungsobjekt der Naturwissenschaftler; der Himmel, in den Jesus eingeht, meint Gott selber. Denn der Himmel ist in der Sprache der Bibel der verborgene Gott: kein Ort im üblichen Sinne, sondern das oder der ganz Andere - eben Gott. Christi Himmelfahrt meint den Eintritt oder das Verschwinden Jesu in die Verborgenheit Gottes. Es ist ein Bild des Abschieds. - Übrigens hat nur Lukas die Himmelfahrt Jesu überliefert und das gleich zwei Mal: im Evangelium und in der Apostelgeschichte. Von daher darf man annehmen, dass es sich nicht um ein historisches Ereignis handelt, sondern eher um eine kunstvolle Erzählung, die die Erfahrung der Gottesferne der frühen Jüngergemeinde aufgreift.

Die Bibel kennt ja durchaus die Tatsache, dass gerade gerechte, gläubige, gottesfürchtige Menschen unter der Erfahrung der Gottesferne leiden. Das Paradebeispiel dafür ist der am Kreuz hängende Jesus, der an den bisher so vertrauten Vater-Gott die quälende Frage richtet: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mt 27, 46). Wenn es nicht in der Bibel stünde, würde man eine solche Behauptung als Blasphemie (Gotteslästerung) zurückweisen. Jesus, der Sohn Gottes, erfährt Gottes Abwesenheit!

Ein anderes Beispiel ist in der Bibel Ijob, der Gerechte und Gottesfürchtige der Vorzeit. Ihn trifft ein Schicksalsschlag nach dem anderen, und verzweifelt versucht er, seine Leiderfahrungen mit seiner Gottesvorstellung in Einklang zu bringen. Vergebens. Gott ist der ganz Andere. Trotzdem kündigt Ijob seinem Gott die Freundschaft nicht. Er bleibt Gott treu. - Übrigens: Es fällt uns allen nicht schwer, in Zeiten der Gesundheit, des Wohlstands, des Erfolgs und des persönlichen Lebensglücks an einen lieben Gott zu glauben. Aber wie schnell wird der "liebe" Gott zur Makulatur, wenn das alles zusammenbricht! Und eigentlich beginnt erst dann der wirkliche Glaube, das Vertrauen wider die eigene Erfahrung.

Und so muss es auch den Jüngern ergangen sein nach dem Tod ihres Leitbildes Jesus. Zwar mochten sie sich eine Zeit lang mit vermeintlichen oder wirklichen Erscheinungen des Auferstandenen getröstet haben, doch irgendwann war es vorbei mit diesen Durchhalteparolen. Sie mussten sich damit abfinden, dass es diesen Jesus, mit dem sie gelebt hatten, nicht mehr gibt. Lukas nimmt diese Erfahrung der Jünger auf, verarbeitet sie literarisch mit vielen tröstlichen Worten und Verheißungen für die Zukunft. Er sagt: Jesus wird wiederkommen; er wird die Gabe, die der Vater verheißen hat, zu euch herab senden; die Kraft des Heiligen Geistes wird auf euch herab kommen. Und so kehren die Jünger getröstet und in großer Freude nach Jerusalem zurück.

Sollte es uns anders ergehen als den Jüngern damals oder dem alten Ijob? Der "liebe" Gott entgleitet uns so schnell, wenn er sich nicht als der erweist, als den wir ihn uns ausgedacht haben oder wenn er nicht auf unsere Anweisungen, die wir ihm im Gebet vorgeben, eingeht oder reagiert. Gott ist anders. Und keiner braucht sich zu schämen, wenn er keinen Zugang oder keinen Zugang mehr zu Gott hat. Glauben heißt: auf Gott vertrauen, auch wenn so vieles (oder alles) dagegen spricht. Im Glauben liegt eine ungeahnte Kraft. Das hat Jesus, das hat Ijob, das haben die Jünger uns gezeigt. Jesus sagt einmal zu dem Vater eines besessenen Jungen: "Alles kann, wer glaubt" (Mk 9, 23). Darauf der Vater: "Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!" (9, 24).

Amen.


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Christi Himmelfahrt 2016 Wilhelm Weber

Liebe Christen!

Was bedeutet Christi Himmelfahrt? Es ist ein schwieriges Fest, das immer wieder neu erklärt werden muss. Im Laufe des Kirchenjahres gibt es noch ein zweites Himmelfahrtsfest, nämlich Mariä Himmelfahrt am 15. August. Vielleicht kann uns dieses Fest ein wenig helfen, den Sinn von Himmelfahrt zu verstehen. In der Ostkirche, die bekanntlich ganz besonders von der Marienfrömmigkeit geprägt ist, wurde das Fest Mariä Himmelfahrt früher als Fest der Beweinung Mariens bezeichnet. Die Ikone des Festes stellt entsprechend Maria auf dem Sterbebett dar und drum herum Personen, die den Tod Mariens beweinen.
Himmelfahrt hat also etwas mit Sterben und Tod zu tun. Wenn ein Mensch stirbt, ist er es wert, dass man um ihn trauert. Warum? Weil all das Gute, das dieser Mensch getan hat, die Liebe, die von ihm ausgegangen ist, die Freude, die man mit ihm geteilt hat, nun vorbei sind. Das macht traurig. Gleichzeitig kann man sich aber auch nicht vorstellen, dass alles das vergeblich gewesen sein soll. Es muss doch einen Ort geben oder -wenn wir den Ort nicht wörtlich nehmen - ein Herz, wo all das Positive eines Menschenlebens eingeht, aufgehoben wird, nach Hause kommt. Das ist Himmel, wenn man so will: der Ort, an dem wir alle unsere Sehnsüchte verorten, die es im Leben gibt: Sehnsucht nach Leben, nach Liebe, nach Freude, nach Frieden, nach Gesundheit, nach Glück, nach Erfüllung, nach Heimat, nach Sinn. Natürlich ist das kein Ort, aber wir können es so vielleicht am besten ausdrücken. Vielleicht ist es auch ein Herz, in dem alles zur Ruhe kommt. Der Himmel ist ja ein verhüllendes Bild für Gott selbst. Der Tod hat mit Gott zu tun. Die Trauer, die Beweinung geht davon aus, dass Gott sich kümmert und alles das, was wir nur bruchstückhaft leben und erleben können, bei ihm gut aufgehoben ist.
Christi Himmelfahrt ist nichts Anderes. Da wurde ein Mensch gekreuzigt; ein Mensch, der Kranke geheilt, für Sünder Verständnis gehabt und ihnen vergeben hat, der Benachteiligte aufgerichtet, der Ungerechtigkeiten beim Namen genannt, Pharisäertum entlarvt und nur Gutes getan hat, er wurde gekreuzigt. Kein Wunder, dass seine Freunde um ihn trauern. Aber es setzt sich bei ihnen die Gewissheit durch, dass das nicht sein endgültiges Schicksal sein kann. Vielmehr sind sie davon überzeugt, dass Gott ihn rehabilitiert, seine Güte zu schätzen weiß, sein Leben rettet. - Lukas gebraucht dafür das Bild von der Himmelfahrt, er allein übrigens. Jesus verschwindet nicht einfach im Wolkenkuckucksheim, sondern sein Leben wird in Gott gerettet. Himmelfahrt ist ein österliches Bild.
Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings zwischen Christi Himmelfahrt und der Himmelfahrt Jesu. Christi Himmelfahrt ist verbunden mit einem Auftrag an die Jünger. Sie sollen es dem Herrn in ihrem eigenen Leben gleich tun. Also: sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, Barmherzigkeit üben, heilen, trösten und um andere kümmern Doch wie Jesus leiden musste und wie er von der vermeintlichen Gottverlassenheit gequält wurde, so wird es auch den Jüngern ergehen. Und wie er von Gott aus dem Tod errettet wurde, so wird es auch ihnen geschehen. Darauf dürfen sie sich freuen. So lautet denn auch der letzte Vers: "Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück." Und diese Freude soll auch uns beflügeln.

Amen.


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Seite geändert am: 02.05.2016