Forum Einloggportal
Loginname: Einen Zugang registrieren
Passwort:     Passwort vergessen?

Suchergebnis(se) - Kürzliche Beiträge wie von vor weniger als einer Minute
8 Seiten 1 2 3 4 5 6 7 8 »
Anzeigen 1 - 30 (238 Ergebnisse gefunden)

Was ist Jesus wichtig? (Mt 25, 31-46) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 12 November 2017, 23:14
Worttreffer
1 (100.00%)
Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer!

Am Ende des Kirchenjahres, heute also, lädt das Evangelium dazu ein, darüber nachzudenken, was nach Jesu Vorstellung eigentlich wichtig und richtig ist im Leben. In einem Bild vom letzten Gericht werden die alles entscheidenden Situationen durchgespielt. Interessant ist übrigens, dass diejenigen, die Gutes getan haben, den weiblichen Tieren, den Schafen, zugeordnet werden, während die Dummen, die ihr Ziel verfehlt haben, den männlichen, den Böcken zugeordnet werden. Das ist selten in der Bibel, dass die Geschlechterdifferenz zugunsten des Weiblichen ausgelegt wird. Am Anfang der Bibel ist Eva die Schwache, die der Versuchung erliegt und damit das Böse tut und entsprechend bestraft wird. Adam dagegen gilt als Opfer weiblicher Verführung. Jesus kehrt den Spieß um – endlich mal.
Was auffällt ist, dass alles das, was wir im innerkirchlichen Raum für so wichtig halten, keine Erwähnung findet. Vom Glauben an Gott ist keine Rede, von der regelmäßigen Mitfeier der Liturgie, von den Sakramenten und der Heiligenverehrung keine Spur. Streitfragen zu den unterschiedlichen Kirchenstrukturen, die die Christenheit in Konfessionen oder Sekten aufteilen, sind nicht erwähnt. Wahrscheinlich sind sie auch ganz unwichtig. – Stattdessen werden ganz elementare Situationen aufgezählt, wo einfach Hilfe geboten ist, Menschlichkeit und Nächstenliebe. Da geht es um Hunger, um Durst, Obdachlosigkeit, um Kleidung, die die Blöße bedeckt und vor Erfrieren schützt. Es geht um Krankheit und Einsamkeit. Wer sich davon anrühren lässt und hilft, der hat begriffen, was wichtig ist. Der lebt richtig. – Sind es nicht Situationen, die wir in den letzten drei Jahren, wo Hunderttausende in unser Land geflüchtet sind, zuhauf erlebt haben? Viele haben sich da engagiert, nicht nur Fromme, nicht nur Gläubige, sondern Gutwillige mit und ohne Religion.

Völlig neu aber ist, dass Jesus in diesem Gleichnis sich selbst in der Rolle des Armen, des Bedürftigen, des Notleidenden präsentiert. Er selbst ist es, der uns in diesen Menschen begegnet. Seine Zuhörer begreifen das zuerst nicht – weder die Barmherzigen noch die Unbarmherzigen. „Wann und wo haben wir dich so gesehen oder sind dir begegnet?“ Und dann kommt die Erklärung: „Was ihr dem oder der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Der Ort der Gottesbegegnung sind die Armen, - nicht zuerst die Liturgie, die Sakramente, die Wallfahrt nach Santiago de Compostella, nicht das Gebet im stillen Kämmerlein oder das feierliche Glaubensbekenntnis, nein, es sind zuerst die Armen, die die Schnittstelle zum Himmel sind. – Papst Franziskus hat diese Wahrheit wieder in unser Bewusstsein zurückgeholt. Er hat einmal gesagt: Es gibt eine Realpräsenz des Herrn in der Eucharistie und in den Armen.
Die biblische Erzählung ist eine Rahmenerzählung, wie man früher Wahrheiten transportiert hat. Der Rahmen ist nicht das Wichtigste, er ist eigentlich unwichtig. Also das letzte Gericht als Rahmen ist nicht die Offenbarung. Die Offenbarung dieser Geschichte ist, dass wir Gott in den Armen begegnen, also an den Rändern der feinen Gesellschaft.  Dort schickt uns Jesus hin – damit wie ihm begegnen.

Amen.

Das Reformationsjubiläum und die Glaubwürdigkeit Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 09 November 2017, 20:02
Worttreffer
1 (100.00%)
Das Reformationsjubiläum und die Glaubwürdigkeit (Mt 23, 1-12)

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!

Gerade ist das Reformationsjubiläum ins Land gegangen, da lädt uns das Evangelium dazu ein, über die Glaubwürdigkeit unserer religiösen Institutionen nachzudenken. Das soeben gehörte Wort läuft mir nach und lässt mich nicht in Ruhe. „Tut und befolgt alles, was sie  euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“ – Ein kleiner kritischer Rückblick auf ein Fest ohne klare Konturen:
1.     Kurz vor dem großen Jubiläum meldete sich Margot Käsmann, die bekannte evangelisch-lutherische Theologin, die man auch zur Botschafterin des Reformationsjubiläums erkoren hatte , zu Wort und sagte sinngemäß: die Einheit der Kirche sei gar nicht erstrebenswert, das sei dann wie eine Einheitspartei, die keine Opposition kenne und zuließe. Ein mutiges Wort, das zugleich erkennen lässt, dass die in diesen Tagen so viel beschworene Einheit ohne jede Kontur ist, d. h. ohne konkreten Inhalt, also eine leere Worthülse. So etwas ist wertloses Geschwätz, wenn man nicht gleichzeitig sagt, was man damit meint. Das, worauf die Gläubigen in den Kirchen warten, ist eine eucharistische Gastfreundschaft; das will sagen, dass Katholiken in der evangelischen Kirche als Gäste am Abendmahl teilnehmen dürfen, ohne sich den Zorn der katholischen Obrigkeiten zuzuziehen, und dass evangelische Christen die Eucharistie empfangen dürfen mit dem wohlwollenden Einverständnis katholischer Bischöfe. Aber das meint offensichtlich keiner der großen Vorbilder der Konfessionen in Deutschland: weder der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Kardinal Reinhard Marx noch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

2.     Gerade diese beiden Vertreter traten in den letzten Monaten häufig zusammen in der Öffentlichkeit auf, um Ökumene zu demonstrieren. So zum Beispiel Mitte Oktober 2016 mit einem großen Tross Gleichgesinnter bei einer Wallfahrt nach Jerusalem. Beim Besuch auf dem Tempelberg, der unter muslimischer Verwaltung steht, und an der Klagemauer, die eine jüdische Gebetsstätte ist, nahmen die Bischöfe ihr Brustkreuz ab. – „um niemanden zu provozieren“ – wie es später hieß. Das Brustkreuz ist ein sichtbares Glaubensbekenntnis zum Gekreuzigten und Auferstandenen. Für dieses Bekenntnis sind in der Geschichte der Kirche Millionen von Gläubigen getötet worden. Man nennt sie auch Martyrer. So wurde aus der geplanten Demonstration ökumenischer Einheit eine Aktion ökumenischer Glaubensverleugnung.
Wie hieß es im Evangelium? „Tut und befolgt alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“
Später als die öffentliche Kritik diese Kirchenfürsten einholte, hieß es, sie wären gebeten worden, so zu handeln, eben „um nicht zu provozieren“. Doch ein israelischer Militärsprecher stellte klar, dass niemand von israelischer Seite ein solches Ansinnen an die Bischöfe gestellt habe. Ich weiß nicht, wie die Suche nach einem Schuldigen für diese Blamage ausgegangen ist.
3.     Auf katholischer Seite möchte ich an Folgendes erinnern: Ausgerechnet der, der nach dem ersten ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin den katholischen Professor Gotthold Hasenhüttl suspendiert hat, war der heutige Kardinal Marx. Damals war er noch einfacher Bischof von Trier. Suspension ist das Verbot der weiteren Ausübung des Priesteramtes. Hasenhüttl hatte nämlich damals bei einer Messfeier am Rande des ökumenischen Kirchentages ausdrücklich auch evangelische Christen zur Kommunion eingeladen. In der Folge sollte Prof. Hasenhüttl dann ein Reueprotokoll unterschreiben und damit versprechen, nie wieder so etwas zu tun. Hasenhüttl entgegnete auf dieses Ansinnen, er, der sein Leben lang in Sachen Ökumene unterwegs war, würde damit seine evangelischen Schwestern und Brüder als Christen zweiter Klasse degradieren. Also kam das für ihn nicht infrage. Daraufhin wurde ihm, dem bereits emeritierten Professor, die Lehrerlaubnis entzogen – von seinem Bischof Reinhard Marx. – Heute führt Marx das große Wort als Ökumeniker. - Viele Gläubige hier im Bistum Trier haben da echte Glaubwürdigkeitsprobleme mit der Kirche.

Ich schließe mit dem Wort des Evangeliums, auf dass es nie in Vergessenheit gerate: „Tut und befolgt alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“

Amen.

Et bliev nix wie et wor, z.B. „Ehe für alle“ Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 19 Oktober 2017, 17:08
Worttreffer
1 (100.00%)
Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer!

Wir leben in einer interessanten Zeit. Der fünfte Paragraph des Kölschen Grundgesetzes sagt: „Et bliev nix wie et wor.“ (Es bleibt nichts, wie es war.) Wie richtig diese Feststellung ist, haben wir vor einigen Wochen in der Politik erleben können. Die Linke, die Grünen und die SPD hatten im Bundesrat einen Gesetzentwurf eingebracht unter dem Stichwort „Ehe für alle“. Nach diesem Gesetzentwurf sollten künftig auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Noch vor dem Ende der Legislaturperiode sollte dieser Gesetzentwurf auch noch im Bundestag verabschiedet werden. Es gab eine zum Teil emotionale Debatte im Deutschen Bundestag. Alle Fraktionsführungen gaben die Abstimmung frei, so dass die Abgeordneten nicht der Fraktionslinie, sondern nur ihrem Gewissen folgen sollten. Und dann kam die Abstimmung: Die SPD, die Linke, und die Grünen stimmten geschlossen für das Gesetz, die CDU / CSU zu einem Viertel. Damit heißt es künftig im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB): „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Damit ist die Ehe neu definiert. Was hat sich geändert mit dem Gesetz vom 20. Juli 2017? Am 1. Oktober dieses Jahres endet das Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001, und es gibt nur noch die Heirat für alle. –
Geht jetzt die Welt unter? Nein, sie geht nicht unter. Es ist interessant, dass seit diesem neuen Gesetz konservative Gruppen, zu denen auch die katholische Kirche zählt, nicht mehr über gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften lamentieren, sondern über die Neudefinition der Ehe und die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Paare auch Kinder adoptieren dürfen. Die Konservativen haben ein neues Fressen gefunden. So sagt der Berliner Erzbischof Heiner Koch, zuständig in der Deutschen Bischofskonferenz für Familienfragen, in einem Interview mit Spiegel online: „Dass der Staat auch andere Beziehungen stärken, schützen und klären muss, ist mir klar. Warum man das aber Ehe nennen muss, verstehe ich nicht.“ Die Diskussion hat sich verlagert.
Warum behandele ich das so ausführlich? Dass dieses Thema zum jetzigen Zeitpunkt so öffentlich verhandelt wird, ist sicher auch Wahlkampfgetöse (gewesen). Aber vom Wahlkampf mal abgesehen, stecken doch Anliegen dahinter, die die Menschen heute bewegen:
1.     In den letzten Jahrzehnten hat sich mehr und mehr die Einsicht durchgesetzt, dass es nicht gerecht ist, dass der Mann im öffentlichen Leben immer die Hauptrolle spielt. Man spricht hier von Genderungerechtigkeit. Das wird zum Beispiel in der Sprache deutlich, indem oft die männliche Sprachform gebraucht und die weibliche Variante unterschlagen wird. Z. B.: „die Schüler“, „die Lehrer“, „die Touristen“, „die Arbeiter“. Nachdem man nun entdeckt hat, dass die Menschheit nicht nur aus Männern, sondern auch aus Frauen besteht, bemüht man sich, auch sprachlich zu differenzieren. Z. B. sagt man: „liebe Zuhörerinnen und Zuhörer“. Es sind nicht nur Frauenrechtlerinnen, die auf die Gleichberechtigung der Geschlechter dringen, sondern alle jene, die mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern einfordern. Z. B. die Gewerkschaften und Politiker und Politikerinnen, die gleichen Lohn für Männer und Frauen fordern.

2.     Nun gibt es Dinge, die Männer und Frauen gemeinsam tun: z. B. heiraten, Kinder kriegen, Kinder erziehen. Als größte Gruppe in der Gesellschaft haben Ehepaare eine Machtposition. Sie meinen nämlich, alle Menschen müssten so leben wie sie. Wer nicht nach diesem Muster lebt, wird verachtet, diskriminiert. Die Kirche hat´s vorgemacht. und wer´s nachmacht, gilt als gut katholisch. Minderheiten haben´s immer schwer, anerkannt zu werden.

3.     Nun gibt es aber Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben: also Schwule und Lesben. Noch im Jahre 1957 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass gleichgeschlechtliche Betätigung eindeutig gegen das Sittengesetz verstößt. Erst 1973 wurde Homosexualität entkriminalisiert, und 1994 wurde der berühmte § 175 des Strafgesetzbuches endgültig gestrichen. Seit 2001 dürfen gleichgeschlechtliche Paare eine Lebenspartnerschaft eingehen, und nun ab 1. Oktober dieses Jahres heiraten. „Ehe für alle“ heißt nun, dass gleichgeschlechtliche Paare auch Kinder adoptieren können. – Die Kirche argumentiert immer, dass Kinder Vater und Mutter brauchen. Gut so. Aber was geschieht, wenn der liebe Gott einen Ehepartner aus dem Spiel nimmt, also sterben lässt oder wenn ein Elternteil die Familie freiwillig verlässt? Dann gibt es nur noch den Vater oder nur noch die Mutter, und die müssen dann allein erziehen. Das geht, auch wenn die Bischöfe dagegen sind. Mütter sind dazu öfter gezwungen als Väter. – Warum sollten das Kümmern um Kinder nicht auch lesbische oder schwule Paare können? Oder steckt dahinter immer noch die Angst, diese sexuelle Orientierung sei ansteckend? Das wäre ein archaischer Mythos.

4.     Schwule und Lesben gelten als Abweichler gegenüber den heterosexuellen Paaren; immerhin sind sie die größten Gruppen der Abweichler. Es gibt auch Menschen, die sich anders definieren als Mann und Frau. Und auch die möchten nicht diskriminiert werden, sondern geachtet und sich nach ihrer Orientierung entfalten dürfen. Darauf haben sie sogar ein Recht.
Und was sagt die Kirche dazu? Die Kirche ist damit zurzeit wohl noch etwas überfordert. Aber wenn wir in die Bibel schauen, dann hat der liebe Gott jeden einzelnen Menschen erschaffen, er hat ihn gewollt - so und nicht anders. Und der Schöpfergott hat sein Werk mit allen Einzelheiten als „sehr gut“ bewertet. Haben wir das Recht, sein Werk anders zu beurteilen?
Wenn ich ein Kind taufe, dann orientiere ich mich gern an der Taufe Jesu. Da sagt die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“. Und dann sage ich den Eltern: „Genau dieselbe Botschaft gibt Gott ihrem Kind heute mit auf den Lebensweg. „Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich meine Freude habe.“ Diese Botschaft gilt ohne Einschränkung – für jeden Menschen(!) – egal welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, welcher Religion oder Weltanschauung. Wir in unserer christlichen Religion lesen diese Botschaft aus der Bibel, andere Religionen haben andere Quellen, aber die Liebe Gottes leugnet keine Religion.
Amen.

Fragen, die sich im Hinblick auf die Zukunft der.. Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 23 Juli 2017, 17:28
Worttreffer
1 (100.00%)
Fragen, die sich im Hinblick auf die Zukunft der Kirche stellen

1. Muss die Kirche auch in Zukunft eine klerikale Struktur haben?
Angesichts des rasanten Schrumpfungsprozesses von Gemeindemitgliedern, Priestern und Gottesdienstbesuchern stellt sich die Frage, ob die Kirche der Zukunft noch eine klerikale Gestalt haben wird. Unter klerikaler Struktur versteht man die aus der Masse der Gläubigen, den sog. Laien, herausgehobene Klerikerschicht aus unverheirateten, geweihten Männern, die die Kirche von verschiedenen Führungsebenen aus leiten.

Man darf nicht vergessen, dass die gegenwärtige Gestalt der Kirche und ihre Strukturen das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung sind. Mit der Behauptung, dass die kirchlichen Strukturen göttlichen Rechtes und damit unveränderbar wären, sollte man sehr vorsichtig sein. Häufig wurde und wird das Argument des göttlichen Rechts dazu missbraucht, eine Diskussion zu blockieren, wenn zugkräftige Argumente fehlten.

Die beiden Bibelstellen 1 Ptr  2,9 (Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heilger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat) und Offg 1,6 (er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater), mit denen man heute das allgemeine Priestertum aller Getauften in Verbindung bringt, hat in der Theologie und in der (liturgischen) Praxis der Kirche noch keine angemessene Würdigung erfahren. Das Auge, das nach Veränderungen Ausschau hält, wird blind gehalten.

2. Warum ist die Frau in der Führung der Kirche (Frauenordination) den Männern gegenüber immer noch nicht gleichberechtigt?
Ich halte es geradezu für eine Blasphemie (Gotteslästerung), wenn man wie verrückt um Priesternachwuchs betet, aber die vorhandenen Ressourcen nicht ausschöpft, nur weil sie weiblich sind. Das ist schlichtweg Diskriminierung des weiblichen Geschlechts und darum Menschenrechtsverletzung. So etwas kann sich keine andere Berufsgruppe in unseren Breiten mehr leisten.

3. Wie müssen der Gemeindeleiter / die Gemeindeleiterin und auch der Bischof heute auf ihre Aufgaben hin qualifiziert werden?

Beim einfachen Klerus wird die Bereitschaft zum zölibatären Leben höher bewertet als die Bereitschaft, das Leben in den Dienst der Seelsorge zu stellen. Um Priester zu werden braucht man vor allem den Zölibat, nicht mehr unbedingt das Abitur. Der Verzicht auf traditionelle Bildung tut dem Amt nicht gut. Besser wäre es, die Entscheidung zu heiraten oder nicht, den Betreffenden selber zu überlassen. Wenn der Zölibat ein Ideal ist, - wie immer behauptet wird - dann bleibt er ein Ideal, auch wenn er nicht von allen übernommen wird. Die evangelische Kirche hat uns längst vorgemacht, dass eine Pfarrerin (verheiratet oder nicht) gute und sehr gute Dienste in der Seelsorge leisten kann. Warum sollten wir nicht von unseren evangelischen Mitgeschwistern lernen? Es würde keinem eine Zacke aus der Krone brechen.

Auch die Bischöfe bräuchten meines Erachtens eine bessere Qualifikation für ihr Amt. Die römische Kurie ernennt gerne Priester zu Bischöfen, die in Rom studiert haben. Nicht, dass sie deshalb bessere Theologen wären, sondern weil man von ihnen weiß, wie romtreu, wie loyal und wie zahm sie in ihren Ansichten sind. Was wir jedoch brauchen, sind Bischöfe, die begeistern, die das Feuer des Glaubens entfachen können, die zuhören können und die sich zu Sprechern und Anwälten der Armen machen, die ein Ohr und ein Herz für die Menschen haben. M. a. W. wir brauchen Seelsorger, wie Papst Franziskus einer ist. Ich will es mal in einem Bild aus dem Fußball ausdrücken. Die Spielvorlagen, die Franziskus den Bischöfen bisher vorgelegt hat, hat noch keiner aufgegriffen und in ein Tor verwandelt. Zu groß sind die Unsicherheit und die Feigheit, mit der man bisher so gut gefahren war.

4. Wann beginnt man endlich damit, sich um die zu kümmern, die aus der Kirche ausgetreten sind?
Es sind doch nicht alle Atheisten, die sich weigern, diese Kirche finanziell zu unterstützen! Dass man sich um die, die scharenweise aus der Kirche austreten, nicht kümmert, ist nicht nur schade, es ist unverantwortlich. In den meisten Fällen sind es Ärger, Wut seelische Verletzungen, die zum Austritt aus der Kirche führten. Das muss aufgearbeitet werden: an der Basis, in den Ordinariaten, in den römischen Kongregationen. Die Kirche ist oft zu selbstherrlich, um sich zu entschuldigen; sie ist zu empfindlich, um entschlossen zu handeln; sie ist zu stolz einzusehen, dass ihre einige Existenzberechtigung darin besteht, für die Menschen da zu sein und nicht umgekehrt.

5. Hat die Kirchensteuer noch Zukunft?
Ich glaube nicht. Ehrlich gesagt: ich halte es für eine Ungeheuerlichkeit, dass die Zahlung der Kirchensteuer darüber entscheidet, ob einer zur Kirche gehört oder nicht. Was hat das mit dem Reich Gottes zu tun? Auch geizige Menschen können zum Reich Gottes gehören. Wenn wir alle zusammen wie eine große Familie sind, die von der Liebe Gottes zusammengehalten wird, dann kann doch das einzelne Kind nicht aus dieser Familie ausgeschlossen werden, nur weil es einen Fehler hat: z. B. weil es geizig oder zänkisch oder neidisch oder oder ist.

Natürlich braucht die Kirche Geld, um ihre Angestellten zu bezahlen, um Kirchengebäude zu erhalten und vieles mehr. Aber es wird ja auch viel Geld vergeudet, gehortet und in Anlagen versteckt. Das zu Viel an Geld ist für die Kirche ein größeres Problem als wenn sie zu wenig hätte. Es gibt sicher andere Systeme de Finanzierung als die z. Zt. gültige Kirchensteuer.

Ich habe nur einige Fragen gestellt – sicher pauschal und plakativ. Aber manchmal muss man zeigen, wo einen selber der Schuh drückt, wenn man an Kirche denkt. Und das muss sie eben auch ertragen: Kritik aus eigenen Reihen.

Amen.


Von Gewaltlosigkeit und Feindesliebe (Mt 5, 38-48) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 17 Februar 2017, 20:35
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!

Was wir soeben gehört haben, ist ein Text aus der Bergpredigt über Gewaltlosigkeit und Feindesliebe. Der Zuhörer, der mit beiden Beinen im Leben steht, wird vielleicht sagen: „So kann man gar nicht leben.“ Er wird wohl eher sagen: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.“ Wir alle halten es wohl eher mit dem Leitsatz: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Diese Einsicht hat Kulturgeschichte geschrieben, die Gewaltlosigkeit eher nicht.
Dennoch gibt es überzeugende Beispiele gewaltfreien Lebens, wozu nicht zuletzt Jesus selber gehört. Er setzt sich seiner Verhaftung nicht zur Wehr; dem Petrus, der mit dem Schwert dreinschlagen möchte, befiehlt er, das Schwert wegzustecken. Stumm wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, lässt Jesus den Prozess über sich ergehen. Und als Jesus am Kreuz hängt, betet er noch für seine Peiniger: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus selbst lebt vor, was er in der Bergpredigt fordert: Feindesliebe und Vergeltungsverzicht.
Gerade in der Neuzeit hat es ebenfalls gelegentlich sehr beeindruckende Persönlichkeiten gegeben, die diese Ideale der Gewaltlosigkeit und Feindesliebe in ihrem Leben umgesetzt haben. Ich erinnere an Mahatma Gandhi, an Martin Luther King und andere. Sie haben den Mut gehabt, Zeichen zu setzen gegen jene Gewalt, die eigentlich immer an der Tagesordnung ist. Allerdings sind sie auch Opfer dieser Gewalt geworden. Die Kraft der Liebe in ihnen war stärker als Angst und Furcht vor dem Tod. In solchen Menschen scheint etwas von jener göttlichen Vollkommenheit auf, von der Jesus spricht: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Gewaltlosigkeit und Feindesliebe sind (nur) eine Strategie gegen das Böse.
Es gibt auch andere Strategien gegen das Böse, und zwar auch in der Bibel. Gelegentlich hat selbst Jesus andere Töne angeschlagen. Seine Predigt gegen die Scheinheiligkeit der Pharisäer ist alles andere als versöhnlich und verständnisvoll. Und Paulus ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, Ordnung in die Gemeinden zu bringen. Und im Alten Testament heißt das Prinzip nicht selten „Aug um Auge, Zahn um Zahn“. Die Bergpredigt ist allerdings in weiten Teilen eine Korrektur alter Friedensstrategien. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist… Ich aber sage euch…“ Es gibt also nicht die eine richtige und die anderen falschen Strategien, um Frieden in der Welt zu schaffen, sondern jede Situation verlangt ihre Strategie. Situationsethik nennt man so etwas. Und Jesus verspricht sich viel davon, dass Gewaltverzicht und Feindesliebe tatsächlich gute Impulse sein können, um die Welt zum Guten zu verändern. Es ist wie in der Erziehung: Kluge Eltern wissen sehr genau, welche Strategie sie bei der Erziehung ihrer Kinder in welcher Situation erfolgversprechend anwenden müssen. Mal ist es die Strenge, mal die Milde, die zu einem guten Ergebnis führt. Ein Restrisiko bleibt immer. Aber damit müssen wir leben.

Amen.


Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet... Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 02 Februar 2017, 22:39
Worttreffer
1 (100.00%)
Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (Mt 5,4)

Liebe Christen!

Welch unglaubliche Umkehrung der Werte! Mir geht der Werbeslogan von Media Markt: nicht aus dem Sinn: „Hauptsache, ihr habt Spaß!“ (Der frühere Slogan hieß: „Media-Markt. - Ich bin doch nicht blöd.“) Spaß-haben als hauptsächlicher Lebenssinn. Das hat Media-Markt sehr geschickt den Zeitgenossen dieser Shoppinggeneration aus dem Gesicht gelesen. Und dann behauptet Jesus: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.“ Wie passt das zusammen?
Es passt überhaupt nicht zusammen. Media Markt geht es um das Geld der Kunden. Die shoppen ein Bisschen Glück und haben ganz schnell wieder das Shopping-Glück vergessen. Jesus dagegen spricht von Erlösung. Den Trauernden wird Trostversprochen. Brauchen Media Markt Kunden keine Erlösung? Eigentlich schon, im tiefsten Herzen sehnen sie sich sogar danach, sie sind nur in den falschen Laden geraten; denn Erlösung ist etwas Anderes als Spaß-haben. Erlösung ist kein Produkt, sondern ein Wert, der das Leben verändert.
Spaß-haben ist nicht die Hauptsache im Leben. – Das Leben hat nicht selten sehr ernste Seiten, die selbst den ausgelassensten Spaßvogel traurig machen. Um diese Trauer geht es, in die ein herber Verlust selbst den professionellen Spaßvogel hineinziehen kann. Ich denke da an den Tod eines ganz nahe stehenden Menschen: an den Ehepartner oder Lebenspartner, an ein Kind oder einen Freund. Selbst Jesus hat geweint, als er vom Tod seines Freundes Lazarus erfuhr. Und wenn dieser plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen dann noch durch besondere Umstände wie Unfall, Verbrechen oder Selbsttötung herbeigeführt wurde, bekommen Schmerz und Trauer noch mal eine ganz besondere Qualität. Diese Trauer kann man nicht einfach wegshoppen.
Jesus verspricht den Trauernden Trost. Was ist denn im Angesicht des Todes Trost, der wirklich tröstet? Vielleicht die Aussicht auf ein Wiedersehen nach dem Tod? Der christliche Glaube hat diesen Gedanken nie ausgeschlossen, vielleicht wurde er jedoch manchmal zu stark betont. Uns aufgeklärten Menschen fällt es jedenfalls schwer, daran zu glauben und in dieser Vorstellung Trost zu finden. - Eine andere Art des Trostes erfährt der alttestamentliche Ijob, der alles verloren hatte: seine Familie, seine Söhne, das Vieh und alles andere Hab und Gut. Nachdem er seinem Gott gegenüber die große Klage angestimmt hatte, aber dennoch nicht an Gottes Güte verzweifelt war, wurde ihm am Ende alles doppelt und dreifach neu geschenkt: das Hab und Gut, weitere Söhne und alles, was ihm vorher genommen worden war. Wird so Gottes Tröstung aussehen? Wir können es nicht glauben.
Tatsache ist, dass Gott uns in unserer Trostlosigkeit nicht alleine lässt; denn er will uns ja trösten. Das ist eine Zusage, auf die man sich verlassen darf. Aber wie soll das denn gehen? Wir brauchen uns nicht zu schämen, wenn wir eine schlüssige Antwort auf diese Frage schuldig bleiben. Dennoch: manchmal ist es so, dass Gott über Mitmenschen handelt und und durch ihre positive Ausstrahlung ungeahnte Kräfte zuwachsen lässt, die wir nie für möglich gehalten hätten. Oder manchmal mobilisiert der Trauernde auch selbst jene Kräfte, mit denen er seiner Trauer Herr wird und getröstet weiter lebt. – Die Wege Gottes sind unergründlich.
Aber auch das gibt es: dass der Trost ausbleibt und die Trauer ins Unermessliche wächst und die Traurigkeit übermächtig wird. Es kann dann dazu führen, dass die Verzweiflung Oberhand gewinnt und zur freiwilligen Beendigung des Lebens führt. Das geschieht wohl öfter als wir vermuten. Für den Beobachter ist das in der Regel mit einer großen Betroffenheit verbunden. Diese Betroffenheit macht kleinlaut und nicht selten stumm. Und das ist gut so. Denn wie könnten wir so etwas gerecht beurteilen?

Amen.


Der Sabbat es für der Minsch do, nit ... Prädig op Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 08 Januar 2017, 22:23
Worttreffer
1 (100.00%)
Der Sabbat es für der Minsch do, nit ömgedriht (Prädig op Kölsch 2017) (Mk 2, 27)

Leev Mädcher un Junge vun Maye!

Wie schön, dat mer widder all zosamme sin.
Dat Evangelium, wat ich grad vürgelesse han,
erinnert mich an der Wahlsproch vun mingem Bischof,
wie ich noch klein wor.
Der Wahlsproch dät heiße: „Vita et Pax“.
Op god Kölsch heiß dat:
„Levve un levve looße.“
Wie et ussüht, hät der Jesus och esu gedaach.
De Pharisäer, die sich domols pflichgemäß
övver klein Sabbatschänder opräge däte,
kommenteet der Jesus mit dem Wood:
„Der Sabbat es för der Minsch do!“
Dat es doch en gode Levvensenstellung.
Han ich nit Rääch?

Unsere gode Paps Franziskus denk wohl genau esu.
Hä sök nämlich noh enem Wäg,
geschiedene Paare neu Perspektive för en neu Ih zo gevve.
Ävver dat im Momang gültige Kirchenrääch lööt dat nit zo.
Un so es dat denne kleine wie denne große Phärisäer,
die et jo hügg en der Kirch zo Basch git, Wasser op de Müll,
öm der Paps zo kretiseere.
Zo denne gehööt och der Kölner Ex-Erzbischof Kardinal Meisner
un e paar andere Kardinäle em Ruhestand:
alles Besserwisser, die gään en et Fettdöppe tredde.
Woröm säht der Paps nit einfach:
„Die Ihr es för der Minsch do. Basta!“
un lööt en zweite Ih zo?
Han ich nit Rääsch?

Dann bröht der Paps de gescheiterte Ih nit für nichtig zo erkläre,
nä, hä deit se einfach oplöse.
Künne kann hä dat. Und dat hä dat kenn!
Immerhin es hä doch der Paps.
Han ich nit Rääch?

Un üvverhaup:
Wat es dat för en Aat,
e Kirchenmitglied, dat sing Kirchenstüür bezahlt,
von der Kommunion uszuschleeße,
nor weil et met de Kirch nit einer Meinung es?
Wä berapp, hätt och Aansprüch!
Han ich nit Rääsch?

God, plausibel wör jo villeich die Regelung:
Wä kein Kommunion krigge kann,
bruch och kein Kirchenstüür zo berappe.
Brudnüdig hät de Kirch de Nüssele jo nit!
Han ich nit Rääch?

Wat mich en letzter Zigg bewäg hät:
Noh dem Terroranschlag om Berliner Weihnachtsmaat
gov et en der Gedächniskirch ene ökumenische Goddesdeens.
De Ökumene bestund do nit nor us de Chresteminsche,
näh, alle andere Religione, die en Berlin vertrodde sin,
woren ebenfalls dobei.
En der Nut woren se all noh zosammegeröck.
Do es mir klor gewoode:
Der eine Herrgodd es för se all do.
Han ich nit Rääch?

Leev Lück, dot god op üch oppasse!
Blievt gesund un maht üch Freud,
denn et Levve duurt kein Ewigkeit.
Mayoh!


Dot üch zo jeder Zigg freue! (1Thess 5, 16-22) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 08 Januar 2017, 22:22
Worttreffer
1 (100.00%)
Der hillige Paulus säht:
Dot üch zo jeder Zigg freue!
Dot bedde ohne opzehüre!
Dankt för alles,
denn dat well der Herrgodd vun üch,
die ehr dem Christus Jesus gehürt.
Löscht der Geist nit us!
Dot der Kall von der Prophete nit verachte!
Pröft alles un behald dat Gode!
Goht dem Schlächte, egal wie et op üch aankütt, us dem Wäg!

Su wigg de hillige Wööd.
(Dank sei Gott)


Der Sabbat es für der Minsch do, nit ömgedriht Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 08 Januar 2017, 22:22
Worttreffer
1 (100.00%)
Der Sabbat es für der Minsch do, nit ömgedriht (Mk 2, 23-28)

Us dem Evangelium nohm Markus.
An enem Sabbat ging der Jesus üvver de Koonfelder,
un ungerwägs däte sing Jüngere Ihre avrieße.
Do sahten de Pharisäer för in:
Luur die aan, wat die dun!
Dat es doch am Sabbat verbodde.
Hä dät antwoode:
Hat ehr nit gelese, wat der David gedon hät,
wie hä un sing Begleiter Hunger ligge däte
un nix zum Müffele do wor?
…un wie hä zo Zigge vum Huhepriester Abjatar
en et Goddeshuus ging un de hillige Brude oß,
die keiner esse durf usser de Priestere
un hä och singer Begleiter jet dovun gov?
Un der Jesus saht wigger:
Der Sabbat es för der Minsch do,
nit der Minsch för der Sabbat.
Doröm es der Minschesonn och Häär üver der Sabbat.

Evangelium vun unserem Häär Jesus Chrestus.
(Lob sei dir, Christus)


Das Rettungsboot und die Krippe Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 11 Dezember 2016, 20:28
Worttreffer
1 (100.00%)
Das Rettungsboot und die Krippe (Weihnachtspredigt 2016)

Liebe Christen!

In den vergangenen zwei Jahren sind bekanntlich viele Flüchtlinge in unser Land gekommen. Hunderttausende kamen in überfüllten und kaum seetauglichen Booten über das Mittelmeer Richtung Europa. In den Medien konnte man fast täglich lesen von gekenterten Booten und ertrunkenen Menschen. Man nennt die Zahl 3800 allein für dieses Jahr. Das Boot, das eigentlich ein Symbol für Rettung und Hoffnung ist, wurde zugleich auch zum Mahnmal für den Untergang. Ein solches Boot diente am Fronleichnamsfest dieses Jahres dem Kölner Kardinal Rainer Maria Wölki auf der Domplatte als Altar bei einem Gottesdienst unter freiem Himmel. Später wurde das symbolträchtige Boot im Kölner Dom ausgestellt. Zu Weihnachten – so berichtete der Kölner Stadtanzeiger – wird dieses Boot in St. Maria in Lyskirchen im Kölner Hafengebiet die Krippe aufnehmen. Das Besondere an dieser Krippe ist, dass sie eine Milieukrippe ist mit Figuren aus dem kölschen Milieu vornehmlich des 19. Jahrhunderts. In diesem Jahr soll mit dem Boot an der Krippe auch an die menschliche Tragödie, die sich derzeit im Mittelmeer abspielt, erinnert werden. Es wird sich lohnen bei einem Köln-Besuch in der Weihnachtszeit sich diese Krippe anzuschauen. Sie ist wie eine Übersetzung der Weihnachtsbotschaft in unsere heutige Zeit. Die Botschaft lautet auf einen kurzen Nenner gebracht: Gott wird Mensch für alle, weil er alle Menschen liebt.
Wenn man das Boot sieht, stellt sich einem die Frage: Wer steigt in so ein Boot? Es sind Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollen. Die Einen sind politisch Verfolgte, andere haben Angst, im Bürgerkrieg getötet zu werden, wieder andere haben einfach Hunger und entbehren das Lebensnotwendigste. Vor allem junge Leute wissen, dass es in anderen Ländern dieser Erde mehr Lebenschancen gibt. Und so machen sie sich einfach auf den Weg. Sie überlegen nicht lange, ob sie asylberechtigt sind oder nicht, sie brechen einfach auf und haben die Hoffnung oder auch Illusion, dass alles gut geht. Sie wollen leben, mehr nicht. - In der Menschheitsgeschichte hat es immer wieder solche Fluchtbewegungen gegeben. Die Geschichtsbücher nennen das Völkerwanderungen und erwähnen dabei selten die hintergründige Not und Motivation. Auch das Volk Israel hat nach der Schilderung des Alten Testaments des öfteren solche Vertreibungen und Wanderungen erlebt – immer in der Hoffnung, irgendwann das gelobte Land zu erreichen. Und Gott selbst hat sie auf diesen Wegen begleitet, beschützt und gestärkt. In dieser Perspektive muss man wohl auch die Menschwerdung Gottes in der Person Jesu sehen. Sie ist ein Akt des Entgegenkommens gegenüber den Menschen, die aufbrechen, um ihr Heil zu suchen. Denn das Verlangen nach einer besseren Welt bricht sich immer wieder neue Bahnen. Ein Jeder ist davon überzeugt, dass die Güter dieser Erde allen Menschen gehören. Und das ist ja wohl auch richtig so. Natürlich hat es damals wie heute Probleme gegeben sowohl auf Seiten der Flüchtenden und Zuflucht Suchenden als auch auf Seiten derer, die um Gastfreundschaft oder Hilfe gebeten werden. Reibungslos geht so etwas nicht vor sich.
Ich darf noch einmal an das Boot erinnern, von dem ich anfangs sprach und das an der Krippe in Köln in St. Marien in Lyskirchen seinen Platz gefunden hat. Das erinnert mich an das alte Weihnachtslied „Es kommt ein Schiff geladen….“. Der Text spricht von dem großen Geschenk Gottes, dem menschgewordenen Sohn, der mit diesem Schiff unter uns ankommt. „Das Segel ist die Liebe, der Heilge Geist der Mast“. In dieses Schiff sind auch wir – bildlich gesprochen – mit der Taufe eingestiegen. Und nun klammern sich noch so viele andere Menschen (Fremde) an dieses Boot und wollen mit uns in eine bessere Welt segeln. Und plötzlich werden wir über alle Religionsgrenzen hinweg zu Reise- und Lebensgefährten. Das ist eigentlich eine großartige Sache. – Wenn wir doch nur nicht so kleinkariert an unseren eigenen Kram denken würden. Mit uns im Boot sitzt Jesus, und der große Gott gibt diesem Boot Geleit. Was kann uns da eigentlich noch passieren?
Feiern Sie mit viel Zuversicht Weihnachten und gehen Sie mit viel Hoffnung ins neue Jahr!

Ich wünsche Ihnen von Herzen frohe Festtage.

Advent und das Warten Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 11 Dezember 2016, 20:28
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Der Advent ist in diesem Jahr so lang wie selten: volle vier Wochen, und heute ist Halbzeit. Advent ist die Zeit des Wartens. Als ich Kind war, habe ich mich immer auf das Ende dieser Wartezeit gefreut. Denn dann kommt Weihnachten, das Fest mit den vielen Geschenken für uns Kinder. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich als Kind im Kindergartenalter eines Tages die Zeit des Abwartens auf meine Weise verkürzt habe. Ich legte mich auf den Bauch vor die verschlossene Wohnzimmertür. Die Unterkante der Tür schloss nicht blickdicht mit den welligen Holzdielen des Wohnzimmerbodens, sondern gab durch einen winzigen Spalt den Blick auf den Wohnzimmerboden frei. Und da stand er: der kleine rot angestrichene Zug aus Holz, mein großer Wunsch vom weihnachtlichen Wunschzettel. Mit überschwänglicher Freude stürmte ich zu meinen Eltern und erzählte, was ich entdeckt hatte. Aber leider teilten die meine Freude nicht. Sie schauten sich gegenseitig an und mussten sich eingestehen, dass da etwas falsch gelaufen war. – Solche Erlebnisse vergisst man nie.
Ob wir nun Kind sind oder erwachsen oder schon alt, wir alle kennen das Warten. Kinder können es manchmal nicht abwarten, bis Erwachsene ihre leichtfertig gegebenen Versprechen endlich einlösen; junge Frauen warten oft monate- oder jahrelang auf den ersehnten Heiratsantrag ihres Freundes; der Examenskandidat wartet mit Ungeduld auf den Bescheid, dass er sein Examen bestanden hat; und Oma wartet und wartet, dass endlich einer kommt und sich um sie kümmert. So warten wir eigentlich das ganze Leben lang immer auf irgendetwas: dass es eintreten möge oder eben nicht, dass irgendetwas gelinge oder dass irgendein glücklicher Zufall das Leben endlich in neue Bahnen bringe. Das Warten kommt an kein Ende.
In der Kirche gibt es im Ablauf des Jahres eigentlich zwei bewusste Wartezeiten: den Advent als Warten auf Weihnachten und die Fastenzeit als Warten auf Ostern. Es sieht so aus, als würden diese Wartezeiten Punkt um nach Ablauf einer bestimmten Anzahl von Tagen vorbei sein. Man braucht das Warten nur auszuhalten und dann ist das Erwartete plötzlich da mit allen Überraschungen, die so ein Fest bietet: von der Kulinarik angefangen über die Mode, die zur neuen Jahreszeit gehört bis hin zur Jubelliturgie in der Kirche, die alle Traurigkeit übertönt und wegschwemmt.
Doch so leicht und oberflächlich ist das mit dem Warten nicht. Wie viele Hoffnungen und Erwartungen gibt es bei den Menschen, die sich nie erfüllen? – ein ganzes Leben lang nicht. Die Festtagsfreude ist manchmal eine nur gespielte und keineswegs immer eine reale; man freut sich eben, weil das so erwartet wird und macht einfach eine gute Miene zum bösen Spiel – auch wenn es einem innerlich gar nicht zum Lachen oder Freuen zumute ist. Die Unerfüllbarkeit unserer zutiefst eingepflanzten Sehnsucht nach Glück, Geborgenheit und Lebensfülle wird uns in solchen Augenblicken bewusst. Es gibt nicht den Himmel auf Erden. Der Himmel bleibt eine Verheißung für die Ewigkeit. Und genau das haben die frühen Christen erfahren nach dem Tod Jesu, der ihnen als Freund und Bruder zur Seite gestanden hatte. Als Jesus weg war, fühlten sich die Jünger verwaist. Sie glaubten an die Wiederkunft Christi, und zwar in unmittelbarer Zukunft, aber diese Wiederkunft blieb aus – bis heute. Und so warten wir weiter – über die Jahre weg, über jede neue Advents- und Fastenzeit hinweg, bis der Tod uns jener Vollendung zuführt, die Gott selber ist. Erst damit kommt unser Warten ans Ziel.
Es gibt Menschen, die kennen das Warten sehr wohl, aber sie haben den Glauben an etwas, das nach dem Tod kommen könnte, längst aufgegeben. Sie begnügen sich mit den gesellschaftlich akzeptierten Wartezeiten, an deren Ende meist ein Fest, eine Prämie, ein Bonus oder sonst ein Kick steht (und wenn es nur ein Feuerwerk ist). Religion spielt da dann keine Rolle mehr. Religion hat nämlich grundsätzlich etwas über jene Zukunft zu sagen, die den Tod überschreitet („transzendiert“). Religion ist wie das Gedächtnis der Menschheit. Und diesem Gedächtnis mit Nicht-Achtung zu begegnen oder es einfach zu leugnen, ist, als würde man einen blinden Fleck als Segen bezeichnen. - Ich könnte das nicht.
Und was sagt unsere Religion über das Ende des Lebens, über unser Lebensziel und über das, was uns am Ende erwartet? Am Ende steht Gott, der uns erwartet. In ihm kommt all unser Sehnen, Hoffen, Lieben, Warten und Erwarten an ein Ende – wie Augustinus sagt: “Unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir.“ Möge uns diese Unruhe nach Gott erhalten bleiben.

Amen.

Das Sakrament der Ehe Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 18 September 2016, 20:23
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Heute möchte ich über das siebte und damit letzte Sakrament sprechen: das Sakrament der Ehe. Wenn der Bräutigam seine Braut beim Namen nennt und sagt: „Ich nehme dich an als meine Frau und verspreche dir die Treue in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und in Krankheit. Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe.“ Und wenn dann anschließend die Braut zu ihrem Mann den entsprechenden Text sagt, dann haben sich die beiden das Sakrament der Ehe gespendet, und der Priester bzw. Diakon kann die Bestätigung der Eheschließung aussprechen und dokumentieren. Also nicht der Priester oder Diakon ist Spender des Sakramentes, sondern die Eheleute sind es selbst. Und mit der Spendung ist nicht alles vorbei, sondern beginnt alles erst und dauert bis zum Lebensende. Die gesamte Ehe ist das Sakrament, nicht nur die Eheschließung.
Für mich als Priester ist unter allen Sakramenten, für die ich zuständig bin, die Ehe das schönste Ritual. Warum? Hier habe ich es in der Regel zu tun mit jungen Menschen, die im Saft des Lebens stehen, den Zauber der Liebe erleben, in ihrer Sexualität eine nicht geahnte Lebensfülle erfahren und einfach glücklich sind. Die Brautzeit ist wohl die unbeschwerteste Lebenszeit. In der Tat ist die Liebe ja wie eine Goldader, die sich durchs Leben zieht und das Leben erst richtig wertvoll macht. Das möchten Brautleute feiern, - und sie möchten, dass dieses Glücksgefühl von Dauer sei. Darum bemühen sie den Dienst der Kirche, damit sie den Herrgott auf ihre Seite hole. – Manchmal muss ich da die Erwartungen schon etwas dämpfen. Aber richtig ist schon, dass in der Liebe Gott erfahren wird.
Da die Liebe als solche schon eine Wesenseigenschaft Gottes ist, ist die Lebensgemeinschaft in der Liebe der geeignete Ort, Leben zu wecken und Nachkommen ins Leben zu bringen: das ist nach katholischer Lehre angemessen für die sakramentale Lebensgemeinschaft Ehe. Das besagt jedoch nicht, dass eine Ehe, die unfruchtbar also kinderlos bleibt, deshalb ungültig oder auflösbar wäre. Auch eine von älteren Menschen geschlossene Ehe, die aus Altersgründen keine Kinder mehr hervorbringen kann, ist eine wertvolle, von gegenseitiger Liebe getragene Lebensgemeinschaft, ein heiliger Bund. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1963-1965) noch war die Erzeugung und Erziehung von Kindern Hauptzweck der Ehe, während die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau allenfalls als nachgeordneter Ehezweck angesehen wurde. Sie sehen, dass nichts bleibt, wie es war – auch nicht in der Dogmatik und kirchlichen Morallehre. Heute steht natürlich die Frage an, ob gleichgeschlechtliche Paare nicht ebenfalls kirchlich heiraten könnten oder dürfen sollten. Die evangelische Kirche hat sich in dieser Frage eindeutig zugunsten der kirchlichen Eheschließung festgelegt, während sich die katholische Kirche da noch schwer tut. Schließlich möchte sie nicht durch ein Sakrament adeln, was sie in ihrem tiefsten Innern immer noch als pervers und schwer sündhaft ansieht. Hier ist auf breiter Front noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten und viel zu diskutieren. Die Hardliner christlicher Moral übersehen oft, dass kein Homosexueller sich seine sexuelle Orientierung ausgesucht oder gewählt hat.
Ein weiterer Diskussionspunkt im großen Thema Ehesakrament ist die erneute kirchliche Trauung Geschiedener und damit auch verbunden die Wiederzulassung zu den Sakramenten der Buße und der Eucharistie. Natürlich steht dem das einmal gegebene Eheversprechen „bis der Tod euch scheidet“ entgegen. Doch was soll eigentlich die Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes, wenn sie im entscheidenden Augenblick kirchlich verweigert wird?
Papst Franziskus hat in diese Fragestellungen Bewegung gebracht. Aber leider haben die Bischöfe den Ball, den ihnen ihr Chef zugespielt hat, nicht angenommen. Sie mögen oder können nicht selbständig spielen. Deshalb gehörten sie eigentlich auf die Zuschauertribüne und nicht aufs Spielfeld.

Amen.

Das Sakrament der Krankensalbung Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 06 September 2016, 19:54
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Ich hatte mir vorgenommen, mal sukzessive über die sieben Sakramente zu predigen. Ich bin inzwischen bei Nr. 5 angekommen. Ich werde also über das Sakrament der Krankensalbung sprechen.

Der biblische Text, von dem dieses Sakrament abgeleitet wird: Jak5,14-16

Ist einer von euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich. Sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.


Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Wer krank ist, muss zum Arzt gehen. Die Krankensalbung ist kein Ersatz für ärztliche Hilfe und will es nicht sein. Trotzdem liegt in der Salbung mit Öl – Öl war früher eine Art Medizin und heute noch Grundsubstanz aller Salben – eine große Symbolik. Die Krankensalbung erinnert den Kranken in seiner Gesundheitskrise daran, dass er Jesus, dem Gesalbten Gottes, besonders nahe ist. Denn Jesus Christus heißt: Jesus ist der Gesalbte. Diesem Christus ist der Kranke nun besonders nahe. Wie denn? Vielleicht im Leiden oder sogar im Sterben. Leiden und Sterben Jesu wurde in der frühen Kirche immer zugleich mit der Auferstehung zusammen gedacht und im Bekenntnis zusammen gebracht. „Gekreuzigt, gestorben und begraben,…auferstanden am dritten Tage.“ Mit dem dritten Tag nach dem endgültigen Aus des Erdenlebens beginnt die Heilszeit, die Auferstehung. Sie lässt plötzlich das ganze Leid und den Tod in einem neuen Licht erscheinen. – Zugegeben: der Glaube an die Auferstehung ist für uns heute nicht mehr so selbstverständlich wie den Gläubigen damals. Dennoch hängt an ihm der Zugang zu diesem Sakrament.
Interessant ist, dass die evangelische Kirche, die in der Reformation die Krankensalbung als Sakrament vehement abgelehnt hatte, heute ganz andere Töne verlauten lässt. In ihrem Buch „Liebe in der Moderne“ kommt die evangelische Theologin Isolde Karle in einem ausführlichen Kapitel über Körperlichkeit auf Salbungsgottesdienste für Kranke zu sprechen. Das ist ein Trend in der modernen evangelischen Pastoral. Die Autorin, die sich auf besagte Stelle im Jakobusbrief beruft, sagt: „Genau das soll im Salbungsgottesdienst geschehen: Für die Kranken und Belasteten wird gebetet und sie werden individuell ….gesegnet und gesalbt. ….In der Regel wird der Name des oder der Betroffenen erfragt, dann wird er oder sie mit einem Segensspruch mit Öl gesalbt. Teilweise werden die Hände aufgelegt. Die Betroffenen erleben diesen Moment als sehr persönlich. Sie werden aus der Masse herausgehoben, mit ihrem Namen angesprochen und fühlen sich durch die Einbeziehung ihres Körpers direkt und unmittelbar gemeint. Sie werden sowohl körperlich als auch seelisch berührt. Sie werden tief und nicht flach adressiert und dies einerseits dadurch, dass sich die Salbungsgottesdienste nicht nur auf die Seele, sondern auch auf den (kranken) Körper beziehen und andererseits dadurch, dass sie den Körper als Medium der Kommunikation (in der Salbung) nutzen und miteinbeziehen“ (S. 63f.). – Ich denke, dass diese neue Praxis der Salbung kranker Menschen in der evangelischen Kirche dem katholischen Sakrament der Krankensalbung sehr ähnlich ist und dass im ökumenischen Gespräch eine Annäherung wenn nicht Verständigung möglich sein müsste.
Natürlich gibt es auch in der katholischen Kirche den Trend, Gottesdienste für ältere Menschen zu halten, wo dann alle, unabhängig von der gesundheitlichen Verfassung, die Krankensalbung empfangen können. Ich persönlich mag das nicht. Da kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass der Priester ein Sakrament, dessen Spendung meist den geplanten Tagesablauf stört, in die ordentliche Seelsorge integrieren möchte. Für die Krankensalbung bedarf es des wirklich kranken Menschen. Das ist nicht automatisch jeder alte Mensch. Nicht umsonst hat man früher die Krankensalbung als „letzte Ölung“ bezeichnet
Vielleicht sollte ich am Ende sagen, wie das Sakrament der Krankensalbung denn gespendet wird. Der Priester legt schweigend die Hände auf den Kopf des Kranken. Anschließend salbt er die Stirn und die Hände mit geweihtem Öl und spricht: bei der Salbung der Stirn: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes.“ – bei der Salbung der Hände: „Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf. Amen.“
Das Ritual ist einfach und trotzdem eindrücklich. Es tut nicht weh, aber in aller Regel gut.

Amen.

Das Sakrament der Weihe Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 06 September 2016, 19:52
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

In meiner Predigtreihe über die sieben Sakramente komme ich nun zum Sakrament der Weihe. Geweiht werden diejenigen, die sich in besonderer Weise für die Weitergabe des Glaubens und den Vollzug der Liturgie in der Kirche engagieren wollen. Die Weihe wurde früher (noch als ich auf dem Weg war, Priester zu werden) in acht Stufen erteilt, seit der Liturgiereform 1973 sind es nur noch drei: die Diakonenweihe, die Priesterweihe und die Bischofsweihe. Weggefallen sind die sogenannten niederen Weihen: der Ostiarier (Türhüter), der Lektor (Vorleser), der Exorzist (Teufelsaustreiber), der Akolyth (Lichtträger), der Subdiakon (Helfer des Diakons) Wer geweiht werden will, muss in jedem Fall männlichen Geschlechts sein, und ab der Priesterweihe muss er sich zur Einhaltung des Zölibats verpflichten. So war es immer in der Kirche, wird behauptet. Ob es tatsächlich immer so war, haben die Kirchenhistoriker zu klären, und ob es immer so bleiben muss, ist eine Frage des Reformwillens der Kirchenleitung. In jedem Fall ist sicher, dass die Kirche seit ihren Anfängen stets darauf geachtet hat, dass die Nachfolge im Amt nach strengem Reglement vor sich ging.

Die Weihen werden immer vom Bischof vorgenommen. Der Diakon, der mal zum Priester geweiht werden will, muss schon vor der Weihe zum Diakon sich zum Zölibat verpflichten. Ein Diakon, der zeitlebens Diakon bleiben will, darf vor der Weihe heiraten, nach der Weihe nicht mehr. Eine plausible Begründung für diese Einschränkung nach der Weihe gibt es nicht. Der Diakon darf Wortgottesdienste halten und darin auch predigen, er darf taufen, trauen und beerdigen und Hilfsdienste bei der Feier der Eucharistie leisten. Zur Zeit dürfen noch keine Frauen zu Diakoninnen geweiht werden, obwohl Papst Franziskus selbst den Anstoß zu einer Öffnung dieser Weihestufe für Frauen gegeben hat. Offensichtlich findet der Papst unter den Bischöfen und Kardinälen dafür keine Zustimmung. Es ist in meinen Augen auch verständlich, dass, wenn man –zig Jahre im Gehorsam zum Papst untertänigst die theologische Unmöglichkeit der Frauenordination behauptet und (wie auch immer) begründet hat, ein Umdenken jetzt Kopfweh bereitet. Das Gleiche gilt übrigens auch von der Priesterweihe der Frau. Aber da ist Papst Franziskus auch noch nicht weiter als seine Vorgänger.

Ich sagte vorhin, dass die Kirche seit ihren Anfängen die Weitergabe des Amtes immer einem strengen Reglement unterworfen hat, doch ist die Behauptung, dass die bis heute geübte Form der Amtsweitergabe göttlichen Rechts wäre, eine Behauptung, die sich nur schwer plausibel begründen lässt. Richtig ist, dass man das früher so gemacht hat: also nur Männer geweiht hat und Frauen von allen Ämtern fern gehalten hat, aber das könnte genauso gut geändert werden. Und Zölibat, also Ehelosigkeit, kann auf freiwilliger Basis sicher eine mögliche und sinnvolle Lebensgestaltung sein, ist aber heute wohl keine sinnvolle Bedingung mehr für die Übertragung eines kirchlichen Amtes. Ich denke, dass Uneinsichtigkeit mit der Zeit das Problem des Priestermangels von alleine löst: es gibt dann keine mehr.
Bereits das Zweite Vatikanische Konzil hatte eine Spur gelegt, wie man aus der Krise des Amtes herausfinden könnte. Steht doch im 1. Petrusbrief (2,9) der wunderschöne Satz: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ Es ist die großartige Idee vom allgemeinen Priestertum aller Getauften. Diese Idee findet sich im Kapitel „Lumen gentium“ des II. Vatikanums. Neben dem besonderen Priestertum gibt es das allgemeine Priestertum, nicht als Gegensätze verstanden, sondern als komplementäre Struktur. Im Klartext heißt das, dass viele Funktionen, die bislang dem geweihten Priester vorbehalten waren, zukünftig wohl auch von Nichtgeweihten, aber Getauften ausgeführt werden. Wir stehen vor großen Umbrüchen. Und nur wer bereit ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und entsprechend auch umzudenken, wird der Kirche einen wirklichen Dienst erweisen und natürlich auch den Menschen.

Amen.

Wie radikal ist eigentlich Nachfolge?(Lk 14,25-33) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 01 September 2016, 20:18
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Wir haben einen Text gehört, der es in sich hat.

Die Sprache

Die Sprache ist ein Aufruf zur Radikalisierung. Es ist von Gering-Achten die Rede, so hat die Einheitsübersetzung bereits das griechische Wort für Hass entgiftet. Wörtlich übersetzt würde man lesen: „Wenn einer zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben hasst, kann nicht mein Jünger sein“. Ist das Hass-Predigt? Und weiter: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“ Die Sprache signalisiert, dass die Nachfolge Lebensgefahr bedeutet; mehr noch: den sicheren Tod. Und dann folgt zuletzt das Bild vom Krieg. Jünger-sein ist Krieg. Wer dazu nicht bereit ist, kann nicht mein Jünger sein.

Ich bin ehrlich: ich habe diesen Text in der Vergangenheit schon oft gelesen, ohne mir klar zu machen, wieviel Sprengstoff (!) er enthalten kann. Erst nach den vielen Selbstmordattentaten der vergangenen Monate hat die Sprache mich aufgeweckt.

Der Inhalt.

Jesus-Nachfolge ist buchstäblich lebensgefährlich. Warum? Weil sie aggressiv alle Bindungen kappt und kalkuliert Krieg führt. – Sie werden sagen: Das ist doch alles nicht so gemeint. Ich sage dagegen: Was ich nicht so meine, sage ich auch nicht so. Vor fünfzig Jahren, als ich junger Kaplan war, hat jeder den Islam als eine zu vernachlässigende Größe betrachtet. Keiner hätte damit gerechnet, dass der Islam so schnell wachsen würde, dass er uns so nahe kommen würde und dass es zu solchen Radikalisierungen kommen könnte. Und während ich darüber nachdenke, mache ich die Entdeckung, dass es in der Bibel ebenfalls Tendenzen gibt, die man auch anders verstehen kann. Früher habe ich gedacht, wenn doch die Christen ein bisschen radikaler und konsequenter ihren Glauben leben würden, dann sähe es besser aus in der Welt. Das mit der Radikalität würde ich heute nicht mehr so sagen.

Die Gefahr

Ich sehe in der Sprache, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, kein geeignetes Mittel, das Evangelium sympathisch rüber zu bringen. Ich habe mal im Internet nachgeschaut, wie andere Pastöre über dieses Evangelium gepredigt haben. In einer Predigt waren die Hauptinhalte wie folgt überschrieben: „1. Wer in der Nähe Jesu sein und bleiben will, muss sich befreien lassen von hindernden Bindungen. 2. Wer in der Nähe Jesu sein und bleiben will, muss Bereitschaft zum Leiden mitbringen. 3. Wer in der Nähe Jesu sein und bleiben will, muss die Fähigkeit haben, seine eigenen Grenzen zu akzeptieren.“ Das ist natürlich weichgespültes Evangelium. Zur Zeit sehe ich bei uns zwar keine Tendenz zur Radikalisierung junger Christen, die sich und andere in Selbstmordattentaten in die Luft sprengen. Aber das war ja auch im Islam früher nicht so und ist ja auch keineswegs kennzeichnend für den Islam insgesamt. Es sind wenige, die sich zu solchen Attentaten hinreißen lassen, aber sie machen von sich Reden. Religion hat – leider – immer auch ein Potential an Gewalt. Da macht das Christentum keine Ausnahme. Und da muss man wohl immer ein kritisches Auge drauf werfen.

Amen.


Das Bußsakrament – ein „brachliegendes“ Sakrament“ Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 23 August 2016, 22:16
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Nach den drei Predigten über die Initiationssakramente Taufe, Firmung und Eucharistie möchte ich heute und beim nächsten Mal über die beiden Sakramente der Heilung etwas sagen: nämlich über das Bußsakrament und dann über die Krankensalbung. Das Bußsakrament, im Volksmund auch Beichte genannt, ist z. Zt. gewissermaßen ein „brachliegendes“ Sakrament; d. h. es wird so gut wie gar nicht mehr praktiziert. Dabei soll es eigentlich einen grundlegenden Aspekt der Taufe, nämlich die göttliche Barmherzigkeit in der Vergebung der Schuld, immer wieder neu aktualisieren.

Zur Entstehung des Bußsakramentes

Da jedes Sakrament auch seinen geschichtlichen Werdegang hat, will ich zunächst etwas sagen zu den Anfängen und zur Entstehung dieses Sakramentes. Wenn sich ein erwachsener Mensch taufen lässt – das war in den Anfängen der Kirche wohl der Normalfall – dann wird ihm bei der Taufe die Vergebung aller Sünden pauschal zugesagt. Denken Sie an den Reinigungsritus durch das Übergießen des Taufwassers. Damit ist natürlich zuerst mal die sog. Erbschuld gemeint (wo sowieso keiner weiß, was das ist oder was damit gemeint ist); aber der Täufling braucht auch nicht aufzuzählen, was er bisher schon alles an persönlicher Schuld begangen hat. Gott fragt in seiner Barmherzigkeit nicht nach, sondern er vergibt einfach.

Leider bleibt dieser Zustand der Gnade und Rechtfertigung nicht lange erhalten. Denn der Getaufte bleibt auch nach seiner Taufe Sünder. Und so macht die frühe Kirche die Erfahrung, dass manche ihrer Mitglieder sich so daneben benehmen, dass man Ihnen die Gemeinschaft aufkündigen muss. Sie werden also ex-kommuniziert, d. h. sie werden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil sie entweder zum alten heidnischen Glauben wieder zurückgekehrt waren (vielleicht aus Angst vor der damals üblichen Christenverfolgung) oder weil sie einen Mord begangen hatten oder weil sie die Ehe gebrochen hatten. Diese drei Tatbestände waren einzeln Grund genug, den Tätern die Gemeinschaft aufzukündigen. Nun hatte die Kirche ein Problem. Was tun mit den Sündern, wenn sie voll Reue um Wiederaufnahme baten? Die Konservativen in der Gemeinde sagten: Es gibt kein Zurück. Andere erinnerten sich an die Barmherzigkeit Gottes und hielten dagegen: Eine Chance kann man ihnen ja geben. Die Letzteren setzten sich durch, und so erfand man die öffentliche Kirchenbuße. Die Sünder mussten in der Fastenzeit (also 40 Tage lang) beim Gottesdienst auf dem „Arme-Sünder-Bänkchen“ Platz nehmen und vor der Wandlung die Kirche wieder verlassen. So hatten sie sich über diese Bußzeit zu bewähren. Dann wurden sie um Ostern in der Hoffnung auf keine weiteren schweren Verfehlungen wieder voll in die Gemeinde aufgenommen. Aber es kam bei diesen Problemfällen natürlich gelegentlich auch wieder zu Verfehlungen. Kein Erbarmen dann? Jedes Kind weiß aus dem Umgang mit seinen Eltern: was einmal geht, geht auch öfter. Und so war es auch in der frühen Kirche: die Barmherzigkeit griff um sich.

Die weitere Entwicklung nahm nun folgenden Verlauf: Wenn der Ehebruch z. B. nicht zur öffentlichen Angelegenheit wurde, dann wurde auch keine öffentliche Kirchenbuße mehr verlangt. Die Bußübungen wurden dann geheim absolviert, ebenso die Wiederversöhnung mit der Gemeinde. Natürlich wollten bald auch die braveren Christen diese schöne Wiederversöhnung mit Gott und der Kirche erleben – wie die schweren Sünder. Da hörte man von einem Brauch, den iro-schottische Missionare praktizierten, nämlich dass dort eine privatisierte Form des Bußritus in Gebrauch war. Man beichtete dem Priester geheim seine Sünden (es konnten ja durchaus kleinere Verfehlungen sein) und erhielt genau so geheim seine Lossprechung, und der Priester musste seinerseits auch alles schön geheim halten. So entstand das Beichtgeheimnis. In Spanien ist man gegen diese Entwicklung Sturm gelaufen. Aber Erfolg hat dieser Protest nicht gehabt. Im Gegenteil: diese Form der Buße setzte sich in der Kirche durch und war um das Jahr 1000 allgemein üblich. Es entstanden sogar sog. Bußbücher, wo genau aufgelistet war, welche Buße für welche Sünden zu leisten war. Man nannte das die Tarifbuße. Und erst im 12. Jahrhundert wurde die Buße ganz offiziell als Sakrament gezählt. Das war die Zeit der Scholastik. Zu der Zeit war man noch der Auffassung, dass Gott die Vergebung auf Grund der Reue des Sünders schenke und dass die Absolution (Lossprechung) die Vergebung nur anzeige. Erst das Konzil von Trient stellte klar, dass die Absolution durch den Priester die Vergebung bewirke

Warum das Bußsakrament „brach liegt“.

Noch Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde gebeichtet auf Teufel komm heraus. Das lag am Bestreben der Bischöfe, zum häufigen Kommunionempfang zu ermutigen. Die Gläubigen sollten nicht nur einmal im Jahr zur Kommunion gehen, sondern monatlich. Und dazu gehörte nach altem Brauch vorher zu beichten. Doch dann setzte der Niedergang ein. Dafür gibt es viele Gründe. Die Sakramentsspendung wurde durch den Priester oft sehr oberflächlich und mit wenig Einfühlung gehandhabt. Außerdem war den Leuten die Einsicht von  Sünde und Schuld abhandengekommen. Das hing gewiss mit der zunehmenden Emanzipation des Menschen von kirchlicher Bevormundung zusammen wie auch mit einer zunehmenden Verdunstung des Glaubens. Heute beichtet kaum noch einer. Wenn man die Situation realistisch beurteilt, wird man nicht erwarten können, dass die Beichte in der früheren Form wiederbelebt werden kann. Damit ist aber Buße und Beichte nicht für immer einfach ad acta gelegt.

Was ist die Botschaft des Bußsakramentes?

Die Botschaft des Bußsakramentes ist: es gibt Vergebung. Mit Schuld wird man nicht fertig, indem man sie verdrängt. Schuld, die man einsieht und zu der man sich bekennt, berechtigt zu einem wirklichen Neuanfang. Ohne Vergebung können wir gar nicht leben. Und die Vergebung Gottes drängt uns sogar, einen Neuanfang zu wagen. Die Barmherzigkeit Gottes will uns aber auch motivieren, anderen zu vergeben. So heißt es im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“.Die Praxen der Psychologen und Psychotherapeuten sind überfüllt, weil die Menschen mit ihren Lebensproblemen nicht mehr alleine fertig werden. Es wird höchste Zeit, dass wir das Bußsakrament, das Sakrament der seelischen Heilung, so ausstatten, das es den Menschen spürbar Heilung bringt.

Amen.

Eucharistie (= Abendmahl) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 14 August 2016, 20:51
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Die Eucharistie (auch: Abendmahl oder Kommunion genannt) gehört neben Taufe und Firmung zu den sog. Initiationssakramenten; d. h. wenn ein Erwachsener in die Kirche aufgenommen wird, dann werden diese drei Sakramente in einer Feier gespendet. Bei Kindern zieht man die Spendung dieser Sakramente zeitlich auseinander, um eine intensivere Vorbereitung zu gewährleisten, und zwar dem Alter und Verständnis der Kinder bzw. Jugendlichen entsprechend.

Was feiern wir in der Eucharistie?

Wir feiern in der Eucharistie das Gedächtnis des Abendmahls, wie Jesus es uns aufgetragen hat.

Das ist der Text der Liturgie (der in der Messfeier verwendete):

„Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. – Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Dieser Text ist zusammengesetzt aus den Überlieferungen der drei ersten Evangelien, die die Einsetzung des Abendmahles jeweils zu Beginn der Leidensgeschichte erzählen (Mt 26, 26-29; Mk 14, 22-25; Lk 22, 15-20). Außerdem berichtet der hl. Paulus im 1. Korintherbrief (11, 22-25), wie ihm selber die Feier des Abendmahles überliefert worden ist (schließlich war er ja selber bei der ersten Feier nicht dabei). Der in der Liturgie verwendete Text kommt der Fassung im 1. Korintherbrief am nächsten. Der Evangelist Johannes hingegen beschreibt die Einsetzung des Abendmahles nicht, dafür bemüht er sich umso mehr zu erklären, wieso Jesus für uns Brot des Lebens bzw. lebendiges Brot ist. Hier nun ein zentraler Text aus dem Johannesevangelium.

Johannes 6, 48-58:

Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.


Wenn Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, dann ist damit nicht Brot gemeint, das wir beim Bäcker kaufen, sondern dieses Brot ist eine Person; es ist Jesus selbst. Er kommt von Gott und sagt, wie man das wahre Leben sichert. Das wahre Leben ist nicht das augenblickliche, das wir hüten und behüten, behätscheln und betätscheln, als würde es bis in alle Ewigkeit dauern. Nein, das gegenwärtige Leben ist brüchig und anfällig gegen alles, was zum Tode führt – und mit Sicherheit zum Tode führt. Das wahre Leben ist das Leben bei Gott, das ewige Leben. Und Jesus versteht sich als das Brot dieses ewigen Lebens. Wer tut, was er sagt, hat das Leben schlechthin.

Und was sagt Jesus? Er sagt: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“ „Hingabe für das Leben der Welt“ ist das entscheidende Stichwort. Hingabe oder Hergabe des Lebensnotwendigen für die Menschen in Not, ist seine Losung. Sein Kreuzweg, sein Leiden, sein Tod sollen unter diesem Aspekt gesehen und gewertet werden. Oder mit anderen Worten: Er steht mit seinem Leben ein für das, was er sagt.

Was geht das die Jünger an? „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Essen und Trinken meinen in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: einverleiben, sich zu eigen machen, in sich aufnehmen. Jesus ähnlich werden, was die Bibel als Nachfolge Christi bezeichnet, besagt, dass der Gläubige in seinem Glauben die Person Jesu und sein ganzes Lebenswerk verinnerlicht. Wer wird wie Jesus, hat teil am Leben, und zwar am ewigen Leben, am Leben der Auferstehung. Aber nicht nur um dieses ewige Lebe geht es, sondern um eine Lebensführung, die zu Recht christlich genannt wird. Wer christlich lebt, gibt sein Leben hin. (Ich vermeide absichtlich den Begriff des Opfers, weil er missverständlich ist. Gott will keine Opfer.) Christliches Leben ist ein Leben der Hingabe, ein Leben für andere, für die Armen, die Kranken, für die, die ewig zu kurz kommen.

Eine Schwierigkeit im Verständnis dieses Textes ist gewiss die Aussage, dass der Gläubige Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken soll. Die Kirche hat im Zusammenhang mit der Eucharistie immer an dieser Ausdrucksweise festgehalten. Die Gläubigen wissen natürlich, wenn sie zur Kommunion gehen, dass diese Rede in einem tiefen geistlichen Sinn zu verstehen ist. Und das ist auch richtig so. Aber die innere Verbindung mit Christus wird nicht erst durch den Empfang der Kommunion hergestellt, sondern hergestellt wird diese Nähe zu Christus bereits durch das Handeln wie Christus, so dass dann im Mahl die Gemeinschaft mit Christus dargestellt wird. Denn ein Frommtuer, der weder gläubig ist noch als Christ lebt, wird durch den Empfang der Kommunion nicht zu einem Christenmenschen; wer aber glaubt und seinen Glauben lebt, der befindet sich längst in der Gemeinschaft mit Christus. – Ich sage das denen zum Trost, denen in der Kirche die Teilnahme an der Eucharistie verweigert wird, und ich sage es denen zur Bestätigung, deren Abendmahlsfeier nach Meinung Papst Benedikts keine Eucharistiefeier sein soll, also allen nicht-katholischen Christen, dass sie in Wahrheit Christen sind. – Denn Glaube und Liebe begründen die Gemeinschaft mit Christus, nicht erst der Empfang der Eucharistie.

Amen.

Firmung: Vielleicht spricht der Geist Gottes aus.. Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 14 August 2016, 20:50
Worttreffer
1 (100.00%)
Firmung: Vielleicht spricht der Geist Gottes aus dir

Liebe Christen!

Das zweite Sakrament bei der Aufzählung der sieben ist die Firmung. Es wird immer nach der Taufe und noch vor der Eucharistie genannt. Und wenn ein Erwachsener getauft wird, wird er zugleich in der Tauffeier auch gefirmt, und zwar von dem taufenden Priester. Es bedarf also nicht unbedingt eines Bischofs, um dieses Sakrament zu spenden.

Die Entstehung des Firmsakramentes

In der ganz frühen Kirche ist ein besonderes Ritual der Geistvermittlung  außerhalb der Taufe nicht überliefert. Erst der Kirchenvater Hippolyt von Rom nannte Anfang des 3. Jahrhunderts im Rahmen einer Aufgabenbeschreibung der kirchlichen Amtsträger den Ritus der Handauflegung als besondere Aufgabe des Bischofs. Die Taufe wurde ja in der Regel von einem Priester oder Diakon gespendet.

Hieronymus (347 – 420), zu seiner Zeit ein Kirchenvater mit großer kirchlicher Autorität, hat folgendes gesagt: „Nicht leugne ich den Brauch der Kirche, dass zu denen, die weit entfernt in größeren Städten durch Priester und Diakone getauft worden sind, der Bischof hinauseilt, um ihnen zur Anrufung des Heiligen Geistes die Hand aufzulegen.“ Doch diese Praxis diene mehr „zur Ehre des Priestertums als nach einem Gesetz der Notwendigkeit.“
In der späteren Zeit der Scholastik verselbständigte sich das Sakrament der Firmung immer mehr. Eigentlich vergaß man sogar, dass genau dieses Ritual der Firmung schon Bestandteil bei der Taufe gewesen war. Die Firmung, d. i. die Vermittlung des Heiligen Geistes, ist nämlich ein Teilaspekt der Taufe und fügt der Taufe nichts grundsätzlich Neues hinzu. Kein Wunder, dass der Reformator Martin Luther, der der Firmung den Charakter eines gesonderten Sakramentes absprach, etwas spöttisch bemerkte: es handle sich bei den Katholiken um einen Ritus, der dazu diene, „die Ämter der Bischöfe auszubauen, damit sie nicht ganz ohne Arbeit in der Kirche sind.“

Immerhin hat das Sakrament der Firmung eine jahrhundertelange Tradition, und man wird es auch so beibehalten. Solange man nämlich unmündige Kinder tauft, ist die Vorbereitung auf die Firmung eine willkommene pastorale Gelegenheit, Fehlendes im Glaubens- und Kirchenwissen bei den jungen Menschen aufzuarbeiten.

Die Botschaft der Firmung

Jedes Sakrament ist für den Gläubigen eine Heilsbotschaft. Bei der Taufe stellten wir fest, dass ausgehend von der Taufe Jesu die Botschaft über jeden Menschen lautet: „Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich meine Freude habe.“ Das ist Lebensberechtigung und Lebensermutigung zugleich. Und das rituelle Bad bringt zum Ausdruck: „Gottes Antwort auf den Schmutz der Sünde ist die Reinigung, sprich: Vergebung, nie die Vergeltung“. Und die Handauflegung und Salbung mit Chrisam will sagen: „Du bist Träger des göttlichen Geistes.“ Dieser letzte Aspekt ist denn auch die entscheidende Botschaft des Firmsakramentes.

Noch etwas ist wichtig. Diese Botschaften, von denen ich gesprochen habe, gelten nicht erst ab der Spendung des Sakramentes. Vielmehr deutet das Sakramentsritual das Leben des Menschen, jedes Menschen (!) seit seiner Geburt. Das Ritual lässt den Menschen wissen, welchen Wert er in den Augen Gottes hat und wie er sich selber von Gott her verstehen darf. So ist das Sakrament eher Deutung dessen, was ist, und nicht, was durch die Spendung des Sakramentes erst geworden ist. Und da jeder Mensch Geschöpf Gottes ist (das ist das grundlegende Dogma im ersten Buch der Bibel), gilt diese Wertschätzung Gottes jedem Menschen, nicht nur den gläubigen Christen. Bisweilen kann man nämlich unter den Christen, besonders unter den frommen, einen gewissen Heilsegoismus beobachten, als wären sie die Einzigen, die in der Gunst Gottes stünden. Das Gegenteil ist der Fall: Der Himmel ist für alle da, nicht nur für die Christen!

Und warum gibt es so viele Religionen?

Es gibt so viele Religionen, weil eine einzige gar nicht ausreichen würde, die Größe und Vielfältigkeit und Unendlichkeit Gottes zu beschreiben. So sind in den unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Religionen und Gottesvorstellungen entstanden, die alle den einen Gott beschreiben, verehren, anbeten, und zwar auf unterschiedliche Weise. – Das ist, wenn man so will, das Werk des Heiligen Geistes. Und darum spreche ich darüber auch im Zusammenhang mit der Firmung, dem Sakrament der Geistvermittlung.

Wir sollten sehr vorsichtig sein, abschätzig von Heiden zu sprechen oder verächtlich von anderen Religionen. Gott ist überall und sein Geist wirkt, wo er will. Religion ist immer etwas Heiliges, auch wenn ihre Anhänger gelegentlich unter Missbrauch ihrer Religion Gewaltverbrechen begehen. Was wir heute oft pauschal dem Islam zur Last legen, das haben wir Christen in der Geschichte unserer Religion selber auch getan. Daran ist nicht die Religion Schuld, sondern daran sind Menschen Schuld, die ihre Religion missbrauchten oder missbrauchen. Nicht alles, was im Namen einer Religion geschieht, ist deshalb auch gut. Kritische Wachsamkeit ist immer geboten – auch in den christlichen Kirchen.

Amen.

Taufe Jesu und ihre Botschaft an uns Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 14 August 2016, 20:49
Worttreffer
1 (100.00%)
Taufe Jesu und ihre Botschaft an uns (Markus 1, 9-11)

Der biblische Text:
In jenen Tagen kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herab kam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, a dem ich Wohlgefallen habe.


Liebe Christen!

Die drei ersten Evangelien berichten übereinstimmend, dass Jesus von Johannes getauft wurde. Offensichtlich gab es ein Taufritual der Täuferbewegung, der sich Jesus unterwarf. Es war auf keinen Fall eine Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes. Das Ritual erfährt dann aber im Text eine einzigartige Deutung durch das nachträgliche Sich-Öffnen des Himmels, durch das Herabschweben der Taube (sie ist ein Symbol des Geistes Gottes) und durch die Stimme, die Jesus als Gottes geliebten Sohn bezeichnet, an dem Gott Gefallen gefunden hat. Das ganze Geschehen hat eine große symbolische Aussagekraft, die ich – grade auch im Hinblick auf unser eigenes Taufverständnis – ein wenig aufschließen möchte.

Du darfst sein.

Gottes Stimme aus dem Himmel – man konnte sie sicher nicht mit den Öhren hören, sondern „nur“ mit dem Herzen wahrnehmen – bezeichnet Jesus als den geliebten Sohn, auf dem Gottes Wohlgefallen ruht. Die Theologie sieht darin die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu. Diese wird auf späteren Konzilien weiter präzisiert. Ich stelle mr nun vor, dass diese Stimme Gottes bei der Taufe eines jeden Täuflings sagt: „Du bist mein geliebtes Kind (Sohn der Tochter), an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das entspricht nämlich dem grundlegenden Dogma, das auf den ersten Seiten der Bibel verkündet wird, dass der Mensch Geschöpf Gottes ist und dass Gott daran Wohlgefallen findet. Also: Kind Gottes zu sein und mit dem Wohlgefallen Gottes ausgezeichnet zu sein spricht eine Daseinsberechtigung aus, wie sie fundamentaler und pauschaler gar nicht ausgedrückt werden kann. Das will sagen: „Du darfst sein“, mehr noch: „es ist gut, dass es dich gibt“ und „ich, dein Gott und Schöpfer, habe meine Freude und mein Wohlgefallen an dir“. Das ist die höchste Auszeichnung, die man sich überhaupt vorstellen kann. Das beruhigt jede Daseinsangst und berechtigt zu leben. Und das schließt selbstverständlich ein, dass man so leben darf, wie man geschaffen ist: mit allen Begabungen, mit allen Schwächen und auch Fehlern, die zum Leben eben dazugehören.
Man beachte: Das Wohlgefallen Gottes ruht nicht nur auf den Christen, weil sie getauft sind, sondern auf allen Menschen, weil sie Geschöpfe Gottes sind. Die Getauften haben den Nicht-Getauften nicht die Liebe Gottes voraus, sondern „nur“, dass sie um diese Liebe wissen dürfen. Die Taufe soll ja aus den Getauften keine Heilsegoisten machen, sondern Hoffnungsträger für alle.

Du darfst sein – auch als Sünder.

Die zweite Botschaft der Taufe leitet sich aus dem Ritual selbst ab. Tauchen und Taufen sind sprachverwandte Begriffe. Die Taufe wird oft durch Untertauchen gespendet oder ähnlich und ist in jedem Fall ein Reinigungsritus. In dieser Symbolhandlung wird die Reinigung von Schuld und Sünde anschaulich gemacht. Schon Johannes (der Täufer) sprach von der „Taufe zur Vergebung der Sünden“. Gottes Antwort auf unsere Schuld ist eben immer die Vergebung, nie die Vergeltung. Nicht erst durch die Spendung der Taufe wird die Schuld vergeben, vielmehr macht die Taufe sichtbar, wie wir uns als sündige Menschen vor Gott verstehen dürfen: als Begnadete, als Gerechtfertigte, als Erlöste. Schuld mindert unsere Daseinsberechtigung nicht; denn Gott, der uns liebt, kennt keine Vergeltung.
Du hast die Gabe, Prophet zu sein.

Die dritte Botschaft der Taufe ergibt sich aus der Herabkunft des Heiligen Geistes. Die Taube ist das Symbol des Geistes und weist Jesus als den in besonderer Weise Geistbegabten aus. Aber auch das gilt grundsätzlich für jeden Menschen, dass der Geist Gottes über ihn ausgegossen ist. Was übrigens Katholiken mit dem Sakrament der Firmung ausdrücken, nämlich den Empfang des Heiligen Geistes, ist längst seit der Taufe Wirklichkeit – oder besser – wirkmächtig zugesagt. Wenn aber über jeden Menschen der Geist Gottes ausgegossen ist, dann kann grundsätzlich auch durch jeden Menschen der Geist Gottes zur Sprache kommen.

Geistgewirkte Rede nennt man auch prophetische Rede. Sie ist nicht dazu da, die Gewissen der Menschen zu beruhigen, sondern wie ein Stachel im Fleisch zu beunruhigen, zur Umkehr zu motivieren oder die Navigation der Lebensführung neu zu programmieren. Prophetische Rede wird in der Regel als störend empfunden: das war im alten Israel so, das ist im heutigen Kirchenbetrieb nicht anders. Der Geist Gottes wirkt bekanntlich, wo er will. Und wenn er in seiner Kirche kein geeignetes (oder williges) Sprachrohr findet, dann bedient er sich eben anderer Menschen. Das haben wir in der Geschichte der Kirche des öfteren erlebt, dass das kritische Denken in der Kirche eingeschlafen war und erst durch Weckrufe von außen wiedererwachte.

Das christliche Menschenbild, das der Taufe zugrunde liegt, ist unglaublich modern und emanzipiert. Allerdings ist es erst zu einem ganz geringen Teil im Kirchenbetrieb umgesetzt. Es ist noch viel zu tun. Packen wir´s an!

Amen.

Bittet, dann wird euch gegeben!? (Lk 11, 1-13) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 25 Juli 2016, 21:15
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen,

das heutige Evangelium spricht in drei Schritten über das Gebet: Im ersten Angang antwortet Jesus auf die Bitte seiner Jünger, er möge sie beten lehren, mit dem Vaterunser, allerdings mit einer kürzeren Fassung als wir das Vaterunser gewöhnlich beten.
Im zweiten Teil spricht Jesus über eine alltägliche Erfahrung unter befreundeten Nachbarn, wo einer den anderen zu einer Unzeit um eine Gefälligkeit bittet. Der so Gebetene wird helfen, wenn nicht aus Freundschaft, so doch wegen der Zudringlichkeit des Bittenden.
Schließlich kommt der pragmatische Teil mit den Behauptungen, die keinen Widerspruch dulden: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ – Diese Unterweisung über das Gebet will als ganze gelesen und verstanden werden.
Was ist davon zu halten?
Ich gehe mal davon aus, dass nur ein sehr kleiner Teil der hier anwesenden Kirchenbesucher eine wirklich positive Erfahrung mit dem Bittgebet gemacht hat. Mit positiver Erfahrung meine ich die Tatsache, dass einer der Überzeugung ist, dass sein Bittgebet erhört wurde, d.h. dass auf Grund seines Gebetes sich eine Situation grundlegend geändert hat. Der größere Teil mag die gegenteilige Erfahrung gemacht haben, dass nämlich sein Bittgebet nicht erhört worden ist. Und der Rest betet erst gar nicht, weil er Beten für zwecklos oder gar unsinnig hält. Wenn Sie jetzt wissen möchten, zu welchem Teil ich gehöre, dann kann ich nur sagen, dass mir alle Erfahrungen vertraut sind – Als Kind habe ich ganz fest daran geglaubt, dass das Gebet hilft vor allem wenn später eingetroffen war, worum ich gebetet hatte. Doch irgendwann habe ich mich gefragt, ob die Ereignisse ohne das Bittgebet vielleicht nicht auch so eingetreten wären. Ich bekam so meine Zweifel. Heute kann und will ich nicht mehr glauben, dass Gott den Lauf der Welt oder beispielsweise den Verlauf einer Krankheit umsteuert auf Grund eines Bittgebetes oder auch vieler Bittgebete. Der Glaube wäre mir zu naiv. Er ist nicht zu vereinbaren mit meinem naturwissenschaftlich geprägten Weltbild und mit meinem Gottesbild, das ich heute habe.
Also ist das Bittgebet überflüssig?
Nein, keineswegs. Beten ist wie ein innerer Dialog, eine persönliche Auseinandersetzung mit allem Unerfüllten, mit allem Unzulänglichen und den Unzufriedenheiten, mit denen wir in dieser Welt herumlaufen. Oft möchten wir laut schreien, weil wir nicht wahrhaben wollen, was nun mal ist. Das ist eine Form von Realitätsverweigerung. Und plötzlich fangen wir an zu beten, damit die Dinge möglichst wie durch ein Wunder wieder den Verlauf nehmen, den wir für den besten halten. Da soll Gott zum Erfüllungsgehilfen unserer Weltsicht und unserer Lebensplanung werden. Vielleicht könnte er das, aber er tut es nicht. Solche Situationen oder besser: Erfahrungen sind für die Einen ein Grund noch mehr zu beten (nach dem Motto „Not lehrt beten“), für Andere ist das der Grund, warum sie fortan nicht mehr beten. Die Erfolglosigkeit lässt sie an allem zweifeln.
Was ist die Funktion des Bittgebetes?
Wenn wir dem Bittgebet die Funktion zuschreiben, dem Herrgott damit zu sagen, was jetzt richtig und wichtig ist und was er jetzt zu tun hat, dann spielen wir uns als seinen Arbeitgeber auf und stellen ihm anschließend vielleicht noch schlechte Noten aus. Das kann ja wohl nicht gemeint sein. Der Beter, der Gott um etwas bittet, muss immer auch selber bereit sein, an der Erfüllung der Bitte mitzuarbeiten. Diese Bereitschaft beflügelt nicht nur die Phantasie, wie ein Problem gelöst werden könnte, sondern setzt auch Kräfte frei, die einer Lösung im weitesten Sinn zuarbeiten. Vor allem wird dadurch die Überzeugung gestärkt, dass es eine Lösung geben muss und Lösung geben wird. Die Verwirklichung des Willens Gottes ist nicht nur Gottes Sache, sondern bedarf des Zusammenspiels mit Menschen, die eben als Christen, d.h. wie Christus handeln. Wer die Nicht-Erfüllung einer Gebetsbitte als Problem betrachtet, muss sich klar machen, dass er selber ein Teil dieses Problems ist. Um das mal an einem Beispiel zu erläutern: Wer für einen Kranken betet, Gott möge ihn wieder gesund machen, der müsste selber erst mal dafür sorgen, dass dem Kranken die bestmögliche medizinische Versorgung zuteil wird. Wer um den Frieden in der Welt betet, muss zuerst selber mal im Kleinen am Frieden in seiner eigenen Umgebung arbeiten.  Wer als Vater oder Mutter darum betet, dass sich die Kinder besser benehmen, der sollte erst selber mal damit anfangen, sich den Kindern gegenüber fair und anständig und höflich zu benehmen. Der Beter ist nicht nur Empfänger göttlicher Gaben, sondern Partner Gottes. In dieser Rolle wird der Beter vielleicht zurückhaltender in seinen Wünschen und realistischer in dem, was zu erwarten sinnvoll ist.
Ich bin mir bewusst, dass mit diesen Gedanken das unendliche Thema noch lange nicht erledigt ist, aber vielleicht helfen uns diese Aspekte, auf die ich hingewiesen habe, zu einer positiveren Einstellung zum Bittgebet. Schön wär´s.

Amen.


Ihr seid Salz und Licht für die Welt! Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 06 Mai 2016, 23:14
Worttreffer
1 (100.00%)
Ihr seid Salz und Licht für die Welt! (Mt  5, 13-16)

Liebe Christen!

Jesus sagt zu uns: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Das ist kein frommer Wunsch, dass es so sein möge, sondern eine Beschreibung der Wirklichkeit: Es ist so. Jesus fragt nicht, ob wir Salz und Licht für die Welt sein wollen, sondern er sagt: ihr seid es. Als Jünger Jesu nennen wir uns Christen. An unserem Tun erkennt die Welt unser Vorbild Jesus Christus.
Es gibt die vier Evangelien, aus denen wir Kenntnis über Jesus Christus haben. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes haben sie geschrieben. Doch es gibt noch ein fünftes Evangelium, das ist unsere Art zu leben. Aus diesem fünften Evangelium lesen die Menschen, wie tauglich die christliche Religion für die heutige Zeit und für die heutige Welt ist. Die kritischen Leser dieses fünften Evangeliums sind nicht nur die europäischen Mitmenschen, denen Christus bisher verborgen geblieben ist, nein, es sind vor allem Menschen anderer Religionen, häufig fromme Muslime, die das Evangelium lesen, das wir ihnen vorleben. – Übrigens ist das Vertrauen dieser fremden Menschen in unsere Religion sehr groß. Sie fliehen aus Gebieten, wo Krieg, Verfolgung, Korruption und Unfreiheit durch ihre angestammte Religion nicht aufgehalten werden können, und sie suchen Zuflucht bei uns Christen. Sie haben die Hoffnung, dass wir Christen ihnen Schutz bieten können vor Bomben, Verfolgung, Folter und Hungertod. Was in unseren Tagen gefragt ist, ist Gastfreundschaft, politisch nennen wir das Asyl.
Was in unseren Breiten selbstverständlich ist: Gastfreundschaft zwischen Partnerstädten, touristische Freizügigkeit, Frieden seit mehr als sechzig Jahren, das suchen Menschen, die die Flucht auf sich nehmen, bei uns. Wir haben aus dem Munde des Profeten Jesaia gehört: Teile an die Hungrigen dein Brot aus. Nimm die Obdachlosen Armen  ins Haus auf. Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn. Entziehe dich nicht deinen Schwestern und Brüdern.  . . . Dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Wenn wir das tun, leben wir das Evangelium. Es ist die Zeit und es sind die Umstände, die uns diktieren, was zu tun ist.

Amen.


Christi Himmelfahrt 2016 Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 02 Mai 2016, 19:45
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Was bedeutet Christi Himmelfahrt? Es ist ein schwieriges Fest, das immer wieder neu erklärt werden muss. Im Laufe des Kirchenjahres gibt es noch ein zweites Himmelfahrtsfest, nämlich Mariä Himmelfahrt am 15. August. Vielleicht kann uns dieses Fest ein wenig helfen, den Sinn von Himmelfahrt zu verstehen. In der Ostkirche, die bekanntlich ganz besonders von der Marienfrömmigkeit geprägt ist, wurde das Fest Mariä Himmelfahrt früher als Fest der Beweinung Mariens bezeichnet. Die Ikone des Festes stellt entsprechend Maria auf dem Sterbebett dar und drum herum Personen, die den Tod Mariens beweinen.
Himmelfahrt hat also etwas mit Sterben und Tod zu tun. Wenn ein Mensch stirbt, ist er es wert, dass man um ihn trauert. Warum? Weil all das Gute, das dieser Mensch getan hat, die Liebe, die von ihm ausgegangen ist, die Freude, die man mit ihm geteilt hat, nun vorbei sind. Das macht traurig. Gleichzeitig kann man sich aber auch nicht vorstellen, dass alles das vergeblich gewesen sein soll. Es muss doch einen Ort geben oder –wenn wir den Ort nicht wörtlich nehmen – ein Herz, wo all das Positive eines Menschenlebens eingeht, aufgehoben wird, nach Hause kommt. Das ist Himmel, wenn man so will: der Ort, an dem wir alle unsere Sehnsüchte verorten, die es im Leben gibt: Sehnsucht nach Leben, nach Liebe, nach Freude, nach Frieden, nach Gesundheit, nach Glück, nach Erfüllung, nach Heimat, nach Sinn. Natürlich ist das kein Ort, aber wir können es so vielleicht am besten ausdrücken. Vielleicht ist es auch ein Herz, in dem alles zur Ruhe kommt. Der Himmel ist ja ein verhüllendes Bild für Gott selbst. Der Tod hat mit Gott zu tun. Die Trauer, die Beweinung geht davon aus, dass Gott sich kümmert und alles das, was wir nur bruchstückhaft leben und erleben können, bei ihm gut aufgehoben ist.
Christi Himmelfahrt ist nichts Anderes. Da wurde ein Mensch gekreuzigt; ein Mensch, der Kranke geheilt, für Sünder Verständnis gehabt und ihnen vergeben hat, der Benachteiligte aufgerichtet, der Ungerechtigkeiten beim Namen genannt, Pharisäertum entlarvt und nur Gutes getan hat, er wurde gekreuzigt. Kein Wunder, dass seine Freunde um ihn trauern. Aber es setzt sich bei ihnen die Gewissheit durch, dass das nicht sein endgültiges Schicksal sein kann. Vielmehr sind sie davon überzeugt, dass Gott ihn rehabilitiert, seine Güte zu schätzen weiß, sein Leben rettet. – Lukas gebraucht dafür das Bild von der Himmelfahrt, er allein übrigens. Jesus verschwindet nicht einfach im Wolkenkuckucksheim, sondern sein Leben wird in Gott gerettet. Himmelfahrt ist ein österliches Bild.
Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings zwischen Christi Himmelfahrt und der Himmelfahrt Jesu. Christi Himmelfahrt ist verbunden mit einem Auftrag an die Jünger. Sie sollen es dem Herrn in ihrem eigenen Leben gleich tun. Also: sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, Barmherzigkeit üben, heilen, trösten und um andere kümmern Doch wie Jesus leiden musste und wie er von der vermeintlichen Gottverlassenheit gequält wurde, so wird es auch den Jüngern ergehen. Und wie er von Gott aus dem Tod errettet wurde, so wird es auch ihnen geschehen. Darauf dürfen sie sich freuen. So lautet denn auch der letzte Vers: „Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem  zurück.“ Und diese Freude soll auch uns beflügeln.

Amen.


Was ist Ostern? (Osterpredigt 2016) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 23 März 2016, 23:17
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Was ist Ostern? Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu. Das ist die dogmatisch korrekte Antwort auf die gestellte Frage. Doch was ist Auferstehung? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Drei Gedanken:

1.     Auferstehung ist nicht die Wiederherstellung des alten Lebens.
Als Jesus von den Toten auferstand, kehrte er nicht ins alte Leben zurück, wie der Volksglaube es sich manchmal ausmalt. Wenn man am Grab eines Verstorbenen von Auferstehungshoffnung spricht, darf man nicht den Eindruck erwecken, als würde dieser Tote nach Ablauf einer langen Zeit, etwa am letzten Tag der Zeitrechnung – am Jüngsten Tag also – wieder lebendig werden. Die Lebenszeit, die uns auf der Erde geschenkt ist, ist einmalig, und wenn sie einmal abgeschlossen ist, ist sie unwiederbringlich. Was für uns gilt, galt auch für Jesus. Denn er war ja wahrer Mensch. Auferstehung muss also etwas Anderes meinen als einfach Rückkehr ins vorherige Leben.
Den Tod eines Menschen zu akzeptieren gehört zu den schwersten Opfern, die uns Lebenden abverlangt werden. Der Tod ist so sinnlos; er zerstört nicht nur das Leben des einen Sterbenden, sondern zugleich den Lebenssinn derer, die zurück bleiben und die mit dem Toten in Liebe verbunden waren. Da darf – wenn in diesem Zusammenhang von Auferstehungshoffnung gesprochen wird, nicht der Eindruck entstehen, als würde diese Sinnlosigkeit irgendwann mal wieder rückgängig gemacht. Nein, der Tod ist end-gültig, er ist grausam, er ist Symbol der Heil-losigkeit dieser Welt.

2.     Auferstehung ist auch nicht die Hoffnung auf ein kommendes Paradies.
Vor allem im Islam ist das Paradies – genannt Dschanna – der jenseitige Ort der Freude, der den Auserwählten verheißen ist. Das entspricht in etwa den biblischen Vorstellungen der Geheimen Offenbarung vom himmlischen Jerusalem oder auch der Vorstellung vom Himmel als Ort Gottes, wo die Gerechten sind. Ähnliche Vorstellungen gibt es in allen Religionen. Aber es ist nicht das, was die Auferstehung Jesu meint.
Jesu Auferstehung ist nicht Vertröstung auf die Ewigkeit, wo es uns allen gut geht. Über das, was uns erwartet nach dem Tod, wissen wir am allerwenigsten. Kein Wunder, dass gerade darüber von frommen oder auch durchgeknallten Religionsvertretern am meisten spekuliert wurde und wird. Unsere Auferstehung ist nicht etwas, was erst nach dem Tod oder am Jüngsten Tag stattfindet. Auferstehung hat mit dieser unserer Lebenzeit zu tun. – Was ist gemeint?

3.     Auferstehung Jesu offenbart sich in dieser heil-losen Welt in jedem Zeichen von Hoffnung.
Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, wie der Volksmund behauptet, sondern die Hoffnung besiegt den Tod – jeden Tag aufs Neue. Jedes Zeichen von Hoffnung in dieser armseligen, heil-losen Welt verbinden wir Christen mit der Auferstehung Jesu. Wir dürfen dabei sogar mitspielen. Wenn wir uns um Menschen kümmern, die am Ende sind, die keine Hoffnung mehr haben, die verzweifelt sind, die nichts mehr zu erwarten haben, - wenn wir denen Hoffnung geben, dann legen wir Zeugnis ab von Jesu Auferstehung. Und wir selber spüren dabei ein Stückchen Glückseligkeit, d. h. Auferstehung im eigenen Leben.
Tausenden von Flüchtlingshelfern ist es so im vergangenen Jahr ergangen. In unserer Gemeinde ergeht es jedem so, der sich um Nachbarn kümmert, die Probleme haben, um Alte, um Kinder, um junge Familien, die nicht klar kommen, um Trauernde, die mit ihrem Leid nicht fertig werden. – Ostern ereignet sich eigentlich immer, wenn wir uns zur Verfügung stellen.
Heute ist Ostern, das Fest der Hoffnung. Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest – als Hoffnungsgeber oder als Hoffnungsnehmer.

Amen.

Zum Jahr der Barmherzigkeit (Jo 8, 1-11) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 09 März 2016, 22:54
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Das Gleichnis von der Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war, hat viele Aspekte, unter denen man diese Geschichte betrachten kann. Sie ist in jedem Fall ein Paradebeispiel für Gottes Barmherzigkeit. Nun hat Papst Franziskus am 8. Dezember vergangenen Jahres ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Er hat 1000 Missionare der Barmherzigkeit ausgesandt, deren Aufgabe jedoch nicht genau umschrieben wurde. Heilige Pforten wurden in vielen Kirchen weltweit geöffnet, deren Durchschreiten mit einem Ablass verbunden ist. Sicher sollen die Missionare Gottes Barmherzigkeit bekannt machen, so auch das Bußsakrament wiederbeleben und vor allem die Menschen zu Werken der Barmherzigkeit anhalten. Wenn der Heilige Vater sich und der Kirche ein Jahr der Barmherzigkeit verordnet, dann darf man sicher mal eine Vorstellung äußern, wie sich das innerkirchlich zum Segen der Menschen auswirken könnte.
1.     Barmherzig wäre es, wenn Geschiedene wieder kirchlich heiraten dürften.
Als eine große Unbarmherzigkeit wird es in der Kirche empfunden, wenn Geschiedene, die kirchlich verheiratet waren, nicht erneut eine kirchliche Ehe schließen können. Eine Scheidung ist oft der letzte Ausweg aus einer unerträglichen Lebenssituation und schenkt den Ehepartnern wie auch den Kindern eine gewisse Befreiung aus einer unzumutbar gewordenen Gemeinschaft. Dass Ehe misslingen kann, gehört nun mal zu den harten Schicksalen, denen Menschen ausgesetzt sind. Nie kann man einen allein schuldig sprechen für das Scheitern seiner Ehe, nie sollte man das Ende der Ehe als ein Desaster werten, nie darf man Geschiedene als Gescheiterte disqualifizieren. Es wäre von Seiten der Kirche ein gewaltiger Schritt in Richtung Barmherzigkeit, wenn ein erneuter Eheversuch mit einem neuen Partner nicht mehr als schwere Sünde gebrandmarkt würde, sondern mit kirchlichem Segen begleitet würde. Nach dem heutigen Kirchenrecht sind Geschiedene verpflichtet, den Rest ihres Lebens ohne ehelichen Partner zu verbringen. Dagegen spricht die Einsicht, die schon im Schöpfungsbericht mitgeliefert wird, dass es nicht gut ist für den Menschen, dass er allein ist. Wer barmherzig denkt, stellt keineswegs die Moral auf den Kopf oder setzt sie außer Kraft, sondern ermöglicht einen Neuanfang, der neuen Lebensmut und neues Glück verheißt.
2.     Barmherzig wäre es auch, wenn schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften ein kirchlicher Segen nicht länger vorenthalten würde.
Keiner sucht sich seine sexuelle Orientierung aus. Keiner hat Kenntnis davon, woher Homosexualität kommt. Wer schwule und lesbische Lebensgemeinschaften als schwer sündhaft qualifiziert, diskriminiert solche Menschen aufs Schwerste. Das kann sich die Kirche nicht länger leisten. Jeder Mensch ist von Gott mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet. Dazu gehört auch das Recht, dass jeder sein Leben nach der ihm eigenen sexuellen Orientierung gestalten darf. Ich halte es für einen längst fälligen Akt der Barmherzigkeit, schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften einen kirchlichen Segen zuzugestehen.
3.     Barmherzig ist es, wenn man armen und verfolgten Menschen hilft und Zuflucht gewährt, auch wenn sie zu Tausenden als Flüchtlinge zu uns kommen.
Das Jahr der Barmherzigkeit ist gerade für uns Deutsche von höchster Aktualität. Kein europäischer Staat hat so viele Flüchtlinge aufgenommen wie die Bundesrepublik Deutschland. Tausende von freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern haben durch ihren Einsatz dafür gesorgt, dass das große Chaos ausgeblieben ist und Flüchtlingen ganz praktisch geholfen wurde. Dieses persönliche Engagement ist es, was in der ganzen Welt bewundert wird. Zwar gibt es auch ausländerfeindliche Gruppen, sie halten sich aber im Verhältnis zu den Hilfsbereiten in Grenzen. Helfen ist Christenpflicht, und helfen tun nicht nur die Christen. Es ist ein unglaubliches Zusammenwirken von Hilfsorganisationen und Einzelhelfern, von Menschen der unterschiedlichsten Motivationen. Barmherzigkeit macht die Welt menschlicher. Und auch die institutionelle Kirche könnte ihren Beitrag dazu leisten.

Amen.

Vom Haus mit den offenen Türen (Lk 15, 1-3. 11-32) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 25 Februar 2016, 21:56
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Wir kennen die Geschichte, die ich gerade vorgelesen habe, seit Kindestagen. Wir nennen sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Damit stellen wir von vorneherein den Fokus auf den egoistischen Sohn, der aus dem Elternhaus auszieht. Man könnte die Geschichte aber auch als Gleichnis vom heimkehrenden Sohn bezeichnen. Das wäre dann ein anderer Aspekt, ein eher hoffnungsvoller. Schließlich könnte man aber auch den Vater in den Mittelpunkt des Interesses stellen, der die Türen offen hält. Dann würde man die Geschichte als Gleichnis von den offenen Türen bezeichnen. Diesen dritten Aspekt will ich heute aufgreifen.
Das Bild von der geöffneten Tür ist ein Symbol für Gastfreundschaft. Wer auf Wanderschaft oder Pilgerschaft ist, freut sich über jede offene Tür, die zum Ausruhen oder Verweilen einlädt. Wer auf Wanderschaft oder Pilgerschaft geht, tut das ganz freiwillig, nicht aus Angst oder Furcht. Heute gibt es aber viele Menschen, die fliehen, weil ihr Leben bedroht ist. Weltweit gibt es über 60 Millionen Flüchtlinge, die Hälfte davon sind Kinder – so die ZEIT in einem Artikel im vergangenen Jahr. Wer auf der Flucht ist, sucht eine Zuflucht, wo er bleiben kann – für eine Zeit oder für immer. Im vergangenen Jahr sind gut eine Million Menschen in die EU gekommen in der Hoffnung, dass sie hier Zuflucht finden. Deutschland hat die Grenzen offen gehalten und tut das auch weiterhin. In der ganzen Welt ist das beispielhaft. Vorbildlich ist auch die Hilfe, die viele Menschen in unserem Land den Flüchtlingen angedeihen lassen. Wenn alle anpacken, kann Vieles geleistet werden.
Zurück zum Gleichnis vom Vater, der die Tür seines Hauses offen hält und nicht verschließt. Er ist unendlich gutmütig, aber er hat nicht alle auf seiner Seite. Der älteste Sohn, der immer treu und brav seiner Arbeit nachgegangen ist, kann nicht verstehen, dass sein Vater so nachsichtig ist mit dem jüngeren Sohn, der heimkehrt, nachdem er in der Fremde gescheitert ist. Der ältere Bruder ist und bleibt unversöhnlich. Er hält sich fern von dem Fest, das seines jüngeren  Bruders wegen gefeiert wird. – Ich verstehe, dass auch heute nicht alle Menschen damit einverstanden sind, dass Deutschland die Türen offen hält. Die Vorstellung, 60 Millionen Menschen könnten sich auf den Weg nach Deutschland machen, ist so bedrückend wie sie unrealistisch ist. Doch wenn man vor einem Problem steht, dann darf man es nicht ins Unendliche multiplizieren, um sich vor dem zu drücken, was man im Augenblick leisten kann. Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass in den Bundesländern, in denen jetzt Landtagswahl ist, plötzlich die Parteien, die sich als christlich bezeichnen, ihre Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft verstecken und mit den Argumenten des Abschottens auf Wählerfang gehen. Was da an Scheinlösungen propagiert wird, ist kein einziger praktikabler Vorschlag, der zur Lösung des Problems beitragen würde. Wenn ein so großer Flüchtlingsstrom auf uns zukommt, wie wir es im letzten Jahr erlebt haben, dann ist das eine nationale Herausforderung, die nur mit vereinten Kräften bewältigt werden kann. Eigentlich sollten wir stolz sein auf das, was wir bisher geschafft haben. Offene Türen sollten für Menschen, die um ihr Leben rennen, eigentlich selbstverständlich sein. Das Boot ist noch lange nicht voll.

Amen.


Witwenweihe Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 21 Februar 2016, 10:19
Worttreffer
1 (100.00%)
Die am 13. Februar 2016 in Mayen stattgefundene Witwenweihe, die erste in Deutschland, nachdem der Brauch der frühen Kirche im Mittelalter in Vergessenheit geriet, regt mich zur Diskussion an. Es geht hier nicht um die Person, die geweiht wurde, sondern um das Wiederaufleben einer Tradition, die mir bedenklich erscheint. Wenn hier von einem Keuschheitsgelübde die Rede ist (gemeint ist der Verzicht auf sexuelle Betätigung oder erneute Eheschließung), dann besteht die Gefahr, dass im Volk ein Leben mit Sexualität (eben auch in der Ehe) als Un-Keuschheit verstanden wird. Zumindest wird das Leben „in Keuschheit“ als höherwertig angesehen als ein Leben mit ganz normaler Sexualität. Ich habe immer gedacht, dass diese verklemmte Sexualfeindlichkeit in der Kirche längst überwunden wäre, aber – Pustekuchen! – sie feiert fröhliches Urständ. Glaubt wirklich einer daran, dass solche Zölibatsbesessenheit nach der Ehe (es handelt sich ja um Witwen) die Kirche im 21. Jahrhundert weiterbringt? Wer nach einer „glücklichen“ Ehe froh ist, nun endlich zölibatär leben zu dürfen, der soll das in aller Bescheidenheit und meinetwegen auch mit innerer Freude tun, aber das bedarf keiner kirchlich-liturgischen Veredelung. Mich würde wirklich interessieren, wie ein Tiefenpsychologe dieses neue Phänomen in unserer Kirche beurteilt.

Außerdem verpflichtet sich bei der Witwenweihe die Kandidatin zu guten Werken vor allem im kirchlichen Sinn und zum Nutzen der Kirche. Werden die guten Werke wirklich noch besser, wenn ihnen eine Weihe vorausgeht? Tausende von Flüchtlingshelfern leisten z. Zt. enorme Hilfe – auch ohne Weihe. Also: Was soll der Quatsch? Oder geht es am Ende doch nur um die große Show in der Öffentlichkeit?

Bischof Ackermann, der – wie es heißt – Pfarrer Veit beauftragt hat, diese Weihe vorzunehmen, hat bislang über diese wieder aufgelebte Witwenweihe kein öffentliches Wort verlauten lassen weder auf der diözesanen Homepage noch im Paulinus, der Trierer Kirchenzeitung. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wiedereinführung der Witwenweihe für Bischof Ackermann ein großes Anliegen ist. Das spricht für ihn.


Wat solle mer dun?  (Lk 3, 10-14.18) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 06 Februar 2016, 18:20
Worttreffer
1 (100.00%)
Domols däte de Lück der Johannes der Däufer froge:
Wat dolle mer dun?
Hä gov zo Antwood:
Wä zwei Gewänder hät,
dä soll ein Gewand dem gevve, der kein hät,
un wä ze esse hät,
dä soll genauso handele.
Et kome och Zöllner bei in, öm sich däufe ze looße,
un däte froge: Meister, wat solle mer dun?
Hä saht zo inne:
Dot nit mih verlange wie fassgesatz es.
Och Zaldate frogten in:
Wat solle mer dann dun?
Un hä saht för se:
Dot keine misshandele,
setzt keine unger Druck,
sid zofridde met üürem Sold!
Met denne un ville andere Wööd
dät hä et Volk in singer Prädig ermahne.

Dat es de Fruhbotschaff för hügg.
(Lob sei dir Christus.)


Wat wells do maache? (Prädig op Kölsch, 2016) Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 06 Februar 2016, 18:20
Worttreffer
1 (100.00%)
Wat wells do maache? (Prädig op Kölsch, 2016) (Lk 3, 10-14)

Leev Mädche un Junge vun Maye!
Ein Frog es hügg en aller Lücks Mungk
un die heiß: Wat wells do mache?
Dat es en ganz deefgründige Frog,
die zeig, dat mer keine Rod weiß
un och eigentlich op kein Antwood waadt..
Deshalb steiht die Frog och em Rheinische ov Kölsche Grundgesetz.
Se nimmp de 7. Plaatz unger de bekannte kölsche Levvensweisheite en.
Üür wesst jo:
Et Kölsche Grundgesetz zeig dem Normal-Kölsche de Orienteerung,
wie hä et bess met de Wirklichkeit ömgeiht.
§ 1 – Et es wie et es.
          Dat heiß doch:
          De Wirklichkeit es esu un nit anders.
          Dröm redde mer se uns nit schön un och nit schlääch;
          Dann:
§ 2 – Et kütt (suwiesu) wie et kütt.
          Dat heiß:
          Loss de Fingere dovun,
          dann mähs do och nix verkeeht.
          Un:
§ 3 – Et hät noch immer god gegange.
          Diese Zoverseech verdank der normale Kölsche
          singem övverdurchschnittlich gode Droht zom Herrgodd.
Han ich nit Rääsch?

          Un no:
§7 – Wat wells do maache?
          Der Normal-Kölsche weiß,
          dat et mänchmol Momente gitt,
          die looße sich nit ömmodele.
          Wat wells do maache?
          Dröm stellt hä die Frog och so ergebnisoffe.
Also: Wat wells do maache?
Die Frog stellt sich de Bundeskanzlerin schon zigg Monde Dag för Dag,
wann se us dem Finster luurt.
Se süht de Schwitt vun Flüchtlinge,
die op uns Grenz aankütt,
un se all wolle nur dat Eine: Asyl.
Dobei weiß de Kanzlerin genau:
Do kanns do nix maache – usser helfe.
De Mooder Angela nimmp et wie et es
Un mäht de Lück Mod met dem Spruch:
„Dat schaffe mer schon!“
Später weed se sage:
„Et hät noch immer god gegange.“
Han ich nit Rääch?

Dobei hät de Mooder Angela en Hääd Metarbeider un Rodgevver em Parlament,
mänchmol sin die ävver nor Schwaadlappe.
Met lauter Stemm warne se un posaune,
mer hätte jetz Flüchtlinge ze baschte.
Dat es en doll Enseech!
Als wann de Mooder Angela nit zälle könnt….
Wat wolle die üvverhaup?
Solle mer etwa met Waffe - - de Flüchtlinge - - vun de Grenze fotthalde?
Dat kann doch wohl em Ähns keiner wolle! - Oder?
De Rodschläg us dem Süden helfe do wenig.
Je frommer et Parteiboch,
um so nixnötziger de Hingergedanke.
Han ich nit Rääch?

Hält mer sich an de Bibel, es alles ganz einfach.
Wä zwei Gewänder hät,
soll ein dovun dem gevve, dä kein hät.
Dann kritt de Kledage em Schaaf och ens widder Luff.
Han ich nit Rääch?

Wat wells do maache?
Dat froge sich och die Leibwäächter vum Franziskus,
wann dä op Reis geiht.
Letz en Afrika:
Ohne op de Secherheitsvorkehrunge ze aachte,
geiht hä op de Lück zo un deit quasi en de Meng bade.
Op de Frog, op hä kein Angs hät, meint hä:
Enä. Angs han ich nur vür Möcke.
Wat wells do maache?

Ävver theologisch es der Franziskus genau esu unberechenbar.
Fröher däte de Theologe em Kopp mit dem Geheens nohdenke,
wann se e Problem lüse moote.
Der Franziskus mäht Theologie us dem Buch erus.
För e Beispill:
Vör letz Allerhillige hät sing Hilligkeit in Rom en lutherische Gemeinde besök.
En evangelische Frau dät in froge,
ov sei met ehrem katholischen Mann noh de Kommunion gonn dürf.
Do saht der Franziskus:
Ich ben nit kompetent, üch dat zo erlaube.
Üvverlägt dat selver zosamme vörm Herrgodd und vör ührem Gewesse.
Un dann dot, wat Ühr för richtig hald.
Wann dat nit noch Zoff em Vatikan gitt!?!
Ävver wat wells do maache?

Der Franziskus is minge Fründ.
Dä es wie ene Wirvelwind, dä durch de Ampstuvv vun der Kirch fäg.
Hä bräng alles Verstübbte durchenein
un zwing sing Lück, alles neu zo stivvele.
Wann mer jet erneuere well, muss mer zueesch gründlich oprüüme.
Un dovun versteiht hä ene ganze Rötsch.
Am Eng han mer dann en schön neue Kirch.
Han ich nit Rääch?

Leev Lück, dot god op üch oppasse!
Blievt gesund un maht üch jet Freud;
denn et Levve duurt kein Ewigkeit.

Mayoh!


Weihnachten und die Ströme der Flüchtlinge und M. Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 22 November 2015, 13:36
Worttreffer
1 (100.00%)
Weihnachten und die Ströme der Flüchtlinge und Migranten

Liebe Christen!

In diesem Jahr (2015) feiern wir Weihnachten in einem ganz besonderen gesellschaftlichen Kontext. In den letzten Wochen und Monaten sind Tausende von Flüchtlingen und Migranten in unser Land geströmt und suchen hier Schutz für Leib und Leben und eine Zukunft, die besser sein möchte als im Land, aus dem sie geflohen sind. Ich meine, dass wir als Christen in dieser besonderen Situation kein schlechtes Bild abgegeben haben.
Ich will erläutern, was ich so positiv finde:

•     Die politische Führung hält die Grenzen offen für Schutz Suchende aus Kriegsgebieten und für im Heimatland Verfolgte.
•     Die Bevölkerung ist unheimlich hilfsbereit – die Einen aus christlicher Verantwortung, organsiert in entsprechenden Organisationen; andere aus humanitärer Einstellung, organisiert in Hilfsorganisationen der unterschiedlichsten Art; manche als Einzelkämpfer, andere auch als Teams. Die Menschen helfen einfach, ohne auf die Religion oder Weltanschauung der anderen Helfer zu schauen. Und das geht offenbar.
•     Dadurch beeinflussen die Helfer maßgeblich die öffentliche Meinung und das Klima in der Flüchtlingsfrage positiv. Das ist das wirksamste Mittel, Ausländerfeindlichkeit in Schranken zu weisen.
•     Die Flüchtlinge sind in der Regel muslimischen Glaubens. Das stört keinen, ihnen jegliche Hilfe angedeihen zu lassen.
•     Wir stehen buchstäblich not-gedrungen in Kommunikation mit Menschen islamischen Glaubens und erfahren so, welche Kraft ihnen ihr Glaube gibt. Das ist ein Lernprozess am Menschen.
Im Übrigen ist Flucht, um sein eigenes Leben zu retten, durchaus ein biblisches Thema. Maria und Josef fliehen mit ihrem Kind von Nazareth nach Ägypten, weil der Pharao dem einen Kind Jesus nach dem Leben trachtet und daher vorsichtshalber alle Jungen seines Alters töten lässt. – Und wir Deutsche wissen doch aus geschichtlicher Erfahrung, wie wichtig es ist für Menschen, denen man nach dem Leben trachtet, dass sie nach der Flucht auch irgendwo eine Zuflucht finden. – Ich halte es für wichtig, dieses humanitäre Engagement in Deutschland am Weihnachtsfest, dem zentralen Fest der Menschlichkeit Gottes, lobend zu erwähnen. Das Lob möge dazu beitragen, dass wir in unserer Hilfe nicht nachlassen, sondern dass wir auch weiterhin für die Menschen da sind, die unserer Hilfe bedürfen. Es ist noch viel zu tun.
Wer hilft, hat anschließend ein gutes Gefühl; das kennen wir alle. Das ist ein Glücksgefühl. Glück kann man nicht kaufen. Glück stellt sich ein im Umgang mit Menschen, denen man wichtig geworden ist. Das wissen verliebte Paare, auch schwule und lesbische, das kennen Pflegerinnen und Pfleger und eben auch Flüchtlingshelfer.
Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, Glück und inneren Frieden

Amen.


Stehen wir vor einem ökumenischen Aufbruch? Geschrieben von: Weber
Geschrieben am: 22 November 2015, 13:35
Worttreffer
1 (100.00%)
Liebe Christen!

Zu Beginn der heiligen Messe habe ich Ihnen angekündigt, etwas Erfreuliches, also echte frohe Botschaft zu sagen. Schließlich haben wir den dritten Adventssonntag, dessen Eingangsvers zur Freude im Herrn einlädt.
Vor gut sechs Wochen, genau am Vorabend des 1. November dieses Jahres (2015), besuchte Papst Franziskus in Rom die evangelisch-lutherische Christus-Kirche in Rom. Begleitet wurde er von Kardinal Kurt Koch schweizerischer Herkunft, der dem päpstlichen Einheitsrat vorsteht, und von dessen Vorgänger im Amt Kardinal Walter Kasper deutscher Herkunft, der aber inzwischen emeritiert ist. Der Papst predigte in jener Kirche während eines Abendgottesdienstes. Den vom Einheitssekretariat vorbereiteten Predigt-Text legte er beiseite und sprach frei. Außerdem stellte er sich einigen Fragen aus der Gemeinde und antwortete ebenso frei. Und nun zitiere ich aus der „Frankfurter Allgemeinen“: „In Beantwortung einer Frage sagte der Papst, es sei nicht seine Kompetenz, gemischten Ehen die gemeinsame Kommunion zu erlauben. Die Betreffenden sollten selber im Gebet zu einer gemeinsamen Haltung dazu finden, wie für sie das Abendmahl eine Stärkung auf dem gemeinsamen Glaubensweg sein könne.“ Und dann der Papst wörtlich: „Sprecht mit dem Herrn und geht weiter!“ „Mehr wage er nicht zu sagen, meinte der Papst mit einem lächelnden Blick auf die anwesenden Kardinäle.“ Als Gastgeschenk überreichte Franziskus der Gemeinde einen Abendmahlskelch mit der Patene für die Hostie in einem Holzkasten mit dem Wappen des Papstes. Ein starkes Zeichen! Am Ende des Artikels bewertet Pfarrer Kruse, der Pfarrer jener lutherischen Gemeinde, den Papstbesuch wie folgt: „Der Papst habe deutlich gemacht, dass es mehr Ökumene geben kann als es Bedenkenträgern lieb sein mag.“ – Das erinnert mich an eine Äußerung des Papstes , die er vor Monaten gemacht haben soll, so stand es jedenfalls in einer Zeitung und ich zitiere sinngemäß aus dem Gedächtnis: „Die Einheit der Kirche wird wohl erst am Tag nach dem Ende der Welt hergestellt, wenn wir auf die Theologen der Ökumene warten.“
Wie ist diese Begegnung zu bewerten?
1.     Der Papst fühlt sich nicht kompetent, die gegenseitige Abendmahlsgemeinschaft zu erlauben, stattdessen verweist er auf das Gewissen der Betroffenen. Was das Gewissen jedoch erlaubt, will der Papst nicht verbieten. Das Gewissen hat somit eine höhere Kompetenz als der Papst. Franziskus setzt Fakten, und zwar vor den Augen der Bedenkenträger. Mutig ist das allemal.
2.     Wo der Papst das Gewissen aufwertet, kann sich in Zukunft kein offizieller Bedenkenträger mehr über das Gewissen der Gläubigen stellen. Das kommt einer Entmachtung kurialer Verantwortungsträger gleich. Hier werden die vatikanischen Hoftheologen noch viel aufzuarbeiten haben. Für sie ist Franziskus ein anstrengender Papst.
3.     Was geschieht eigentlich mit den Opfern kurialer Gewaltherrschaft vergangener Jahre? Ich denke da an Prof. Gotthold Hasenhüttl, der von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2002 Professor für Systematische Theologie an der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes war. Ich rufe ins Gedächtnis: 2003, also ein Jahr nach seiner Emeritierung, zelebrierte Hasenhüttl beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin einen Gottesdienst nach römisch-katholischem Ritus, eine Messe also, und lud expliziert alle Anwesenden zur Kommunion ein. Deshalb wurde er im selben Jahr noch  als Priester suspendiert, und weil er sich dem Reueprotokoll verweigerte, wurde ihm 2006 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Williger Vollstrecker dieser Kirchenstrafen war der damalige Bischof von Trier Reinhard Marx. Seitdem gilt dieser in der Bischofskonferenz als starker Mann. Zwar ist Hasenhüttl 2010 aus der Katholischen Kirche, aus der Körperschaft des Öffentlichen Rechts, ausgetreten, betont aber, „selbstverständlich“ werde er weiterhin der Glaubensgemeinschaft der Katholischen Kirche angehören. – Wie es hier Hasenhüttl ergangen ist, so ist es hunderten ähnlich ergangen. Hasenhüttl ist kein Einzelfall.
Ich frage mich: Muss hier nicht etwas aufgearbeitet werden? Es handelt sich um Skandale, ähnlich den Missbrauchsfällen. Früher wagte man nicht, das Kind beim Namen zu nennen. Heute darf man das. Muss man es nicht sogar? Schließlich leben Täter und Geschädigte noch. Und es sind keine geheimen Angelegenheiten, sondern die Fälle gingen durch die Presse und sind seit langem bekannt.
So kann ein Papst ein Machtgefüge ganz schön ins Wanken bringen. Aber gerade das ist an Franziskus so hoffnungsvoll.

Amen.

8 Seiten 1 2 3 4 5 6 7 8 »
Anzeigen 1 - 30 (238 Ergebnisse gefunden)