Hier finden Sie Texte über die Heilige


Texte von Wilhelm Weber



Texte von Wilhelm Weber






Anrufung der Heiligen (Pilgeransprache in Driesch)

Wer pilgert begibt sich in die Heiligenverehrung. Da werden die Heiligen um ihre Fürbitte angerufen. Hier einige Beispiele:
Allerheiligenlitanei
Heilige Maria, Mutter Gottes - bitte für uns!
Heiliger Josef - bitte für uns!
Heiliger Petrus und heiliger Paulus - bittet für uns!
Heiliger Andreas - bitte für uns!

Oder die Schlussbitte des Ave Maria
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
(wird bei jedem Rosenkranz 53 mal gebetet)

Das klingt ein bisschen nach "Klüngel zum Himmel". Man kennt sich, man hilft sich.

Oder in der Sprache der Wirtschaft oder des Handels ausgedrückt: die Heiligen sind wie Zwischenhändler. Sie verteilen die Gnade Gottes von oben je nach Anfrage von unten. Jedenfalls sind sie bei einer Gebetserhörung maßgeblich beteiligt.

Ich will Ihnen sagen, wo diese Vorstellung herkommt. Die Heiligen als Vermittlungsinstanz zu sehen, finden wir kirchengeschichtlich gesehen erst in der Spätantike, also nach 300, wo die Kirche ab Kaiser Konstantin (Konstantinische Wende) sich frei entfalten konnte. Man übernahm in der Theologie Vorstellungen aus dem staatlichen Gemeinwesen, um sich die Beziehung zu den Heiligen, vor allem zu den Martyrern, zu veranschaulichen. Da war das Patronatswesen eine geeignete Beziehungsstruktur, um sich in der Kirche die Beziehung zu den Heiligen vorzustellen. Wie der Patron für seine Klienten sorgen musste, so sorgten die Heiligen für ihre Verehrer. Die Übernahme solcher Vorstellungen aus dem weltlichen Bereich war erst möglich, als die römischen Kaiser die Christen nicht mehr verfolgten, sondern begünstigten. Kein Wunder also, wenn man im Neuen Testament diese Vorstellung nicht findet.

Ein älteres Beziehungsmuster, das wir schon in der Heiligen Schrift finden, stellt die Heiligen (mit Maria an der Spitze) nicht zwischen Gott und die Menschen, sondern neben die Menschen - und zwar neben solche Menschen, die in einer bestimmten Not stecken. Beispiel: Auf der Hochzeit zu Kana nimmt Maria als erste wahr, dass der Wein augegangen war, und sie macht sich zur Sprecherin der auf dem Trockenen sitzenden Hochzeitsgesellschaft ("Sie haben keinen Wein mehr."). Maria sorgt für die Unterversorgten.

In vorkonstantinischer Zeit, als die Christen verfolgt und getötet wurden, gab es viele Martyrer. Sie genossen große Verehrung; denn sie waren die Weggenossen derer gewesen, die gegenwärtig unter der Verfolgung litten. Der Mut der Martyrer, ihre Niederlagen, ihre Entbehrungen, ihre Standhaftigkeit ermutigten die Menschen zum aktiven Engagement für die Bedrängten und alle, denen durch wen auch immer Schmerzen und Leid zugefügt werden. Durch das Gedenken der Martyrer wurden diese zu Partnerinnen und Partnern der Hoffnung. "Das Gebet beschwört das Gedächtnis dieser Gemarterten als eine starke, bleibende Gegenwart herauf, die die Gemeinschaft dazu verpflichtet, ihrem Leben nachzueifern. Das Feuer eines jeden gemarterten Lebens entfacht in der nächsten Generation ein neues Feuer" (Elizabeth A. Johnson, NY).

Dieses Beziehungsmodell zu den Heiligen finden wir heute in Zentralamerika. In El Salvador antworten die Christen auf die Anrufungen der Heiligen nicht "bitte für uns!" , sondern "presente" , d. h.: "sei hier bei uns!" Oscar Romero - presente, und dann fügen sie die Namen jener ein, die gefoltert, ermordet, verschleppt oder ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie sich für Recht und Gerechtigkeit der Armen engagiert hatten. Und immer wieder die Aufforderung: presente: sei bei uns! Das macht Mut, gibt Zuversicht.

So gibt es zwei verschiedene Modelle der Heiligenanrufung. Auf einen kurzen Nenner gebracht: unsere westlich geprägte Heiligenverehrung setzt darauf, die Heiligen zu unserem Wohle zu aktivieren ("bitte für uns!" ); die Heiligenverehrung in Zentral- und Südamerika setzt darauf, dass der Beter selber aktiviert wird, indem er sich durch die geistige Präsenz der Heiligen mit ihrer Lebensleistung inspirieren und motivieren lässt (presente).

Vielleicht sind diese Gedanken zur Anrufung der Heiligen dem Einen oder der Anderen zu einem erweiterten Verständnis der Heiligenverehrung nütze.



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Johannes der Täufer

Liebe Christen

Johannes der Täufer, dem die Kirche ein eigenes Hochfest widmet, ist für die Kirche ein besonders wichtiger Heiliger. Ihn möchte ich heute vorstellen und seine Bedeutung, die er damals hatte und die er auch für uns heute noch hat, herausarbeiten. Zunächst einige Lebensdaten des Johannes, soweit sie uns aus der Bibel bekannt sind.

Biographie des Johannes
Lukas schreibt eine ausführliche Geburtsgeschichte, eng verwoben mit der Kindheitsgeschichte Jesu. Danach ist Johannes der Sohn des Priesters Abija und der Elisabeth und der Elisabeth aus dem Geschlechte Aarons; sie ist eine Verwandte von Maria, der Mutter Jesu. Johannes ist genau ein halbes Jahr älter als Jesus, weshalb das Geburtsfest des Johannes exakt sechs Monate vor Weihnachten, dem Geburtstag Jesu, gefeiert wird. Das öffentliche Auftreten des Täufers beginnt um das Jahr 28 nach Christi Geburt. Mit dem Namen des Johannes ist untrennbar seine Tätigkeit verbunden: man spricht in einem Atemzug von Johannes als dem Täufer. Er wird geschildert als ein Wüstenmensch: er trägt ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel, ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Johannes predigt: Tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe! M.a.W.: er verlangt von den Menschen, nach den Geboten Gottes zu leben, wobei er besonders auf die sozialen Verpflichtungen verweist. Mit seiner Predigt will er auf die bevorstehende Ankunft des Messias vorbereiten. Dass Jesus der Messias wäre, konnte er nicht wissen. Wer zu ernsthafter Umkehr bereit war, durfte sich von ihm taufen lassen "zur Vergebung der Sünden". Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen, wobei der Sinn dieses Verlangens schwer zu deuten ist.

Johannes war in seinen Forderungen nach Umkehr radikal, weshalb er in Konflikt geriet mit den Pharisäern und den Sadduzäern, den religiösen Entscheidungsträgern jener Zeit. Er scheute sich auch nicht, das ehebrecherische Verhältnis, in dem Herodes Antipas mit der Frau seines Bruders (Herodias) lebte, öffentlich anzuprangern. Deshalb wurde er gefangen gesetzt. Durch die Laune einer Tänzerin - es war Salome, die Tochter der Herodias - ließ Herodes den Johannes enthaupten.

Johannes muss eine große Persönlichkeit seiner Zeit gewesen sein; denn nicht nur die Bibel berichtet über ihn, sondern auch der zeitgenössische Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Sogar im Koran wird Johannes einige Jahrhunderte später erwähnt.

Bedeutung Johannes des Täufers
Worin liegt die Bedeutung dieser Persönlichkeit? Ich möchte en erster Stelle nennen die Radikalität seiner Predigt. Er sagt, was er denkt, und er sagt es mit einer Deutlichkeit, die eindeutig ist. Es stört ihn nicht, dass er aneckt bei den Pharisäern und Sadduzäern. Diese Furchtlosigkeit beeindruckt die Menschen, weshalb sie ihm nachfolgen. Die Zahl seiner Anhänger muss zeitweise größer gewesen sein als die Anzahl der Jünger Jesu. Das liegt wohl - zweitens - daran, dass sein bescheidener, ja bewusst ärmlicher und asketischer Lebenswandel die Ernsthaftigkeit seiner Worte unterstreicht. Persönliche Lebensweise und verkündete Botschaft bilden eine Einheit. Nur diese Einheit verleiht einem Menschen Glaubwürdigkeit - damals wie heute. Und - drittens - liegt die Bedeutung Johannes des Täufers darin, dass er Jesus getauft hat, eine Begebenheit, die bis heute theologisch nicht aufgearbeitet ist.

Johannes der Täufer: unser schlechtes Gewissen
Johannes der Täufer ist gewissermaßen unser schlechtes Gewissen. An ihm wird überdeutlich, worauf es heute in der Kirche wie in der Gesellschaft ankommt: auf die Glaubwürdigkeit. Es gibt heute zwar viele tolle Redner, Schönschwätzer - daran mangelt es nicht, aber an Glaubwürdigkeit, weil das gesprochene Wort keine Deckung hat im persönlichen Lebenswandel. Wer z.B. von sozialer Gerechtigkeit redet und mit diesem Argument die Armen ärmer macht, während er sich selber aus öffentlichen Kassen bedient, dessen Glaubwürdigkeit ist gleich Null. Kein Wunder, dass es Staatsverdrossenheit gibt. Oder wer eine Firma saniert und mit diesem Argument tausende Arbeitskräfte frei setzt, sich selber aber aus der Firmenkasse eine kräftige Gehaltserhöhung gönnt, dem glaubt man kein Wort mehr. Kein Wunder, wenn dadurch die politisch Linke erstarkt. Oder wer in hohen Tönen von Liebe und Menschenrechten und christlichen Werten redet, selber aber immer wieder massiv dagegen verstößt, der inszeniert seine eigene Unglaubwürdigkeit. Kein Wunder, wenn sich heute so viele Menschen von der Kirche abwenden; denn auch sie leidet unter Glaubwürdigkeitsverlust.

Persönlichkeiten, wie Johannes der Täufer eine war, gibt es heute zu wenige. Darum ist es gut, ihn nicht dem Vergessen preiszugeben, sondern ihn an seinem Geburtstag mit einem Fest zu ehren. Wir tun es in der Hoffnung, dass sein Lebensbeispiel wieder Schule macht - heute im Jahre 2007.

Amen.


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Wer sind die Heiligen

Liebe Christen

Wer sind eigentlich die Heiligen, von denen in der Kirche so oft die Rede ist? Wir denken immer gleich an Menschen mit einer großen christlichen Vergangenheit, an Martyrer, die wegen ihres Bekenntnisses zu Gott gefoltert und hingerichtet wurden, an Heiliggesprochene oder an Wallfahrtsorte, wo Zeichen und Wunder geschehen. Das ist sicher richtig, das kann aber auch zu Missverständnissen führen. Daher möchte ich an eine ganz wichtige Beobachtung in der Heiligen Schrift erinnern.

Die Heiligen bei Paulus

Wenn Paulus in seinen Briefen die Gemeinden anspricht, dann nennt er sie "berufene Heilige" (1 Kor 1,2) oder "Heilige in Jesus Christus" (Phil 1,1). Das hindert ihn aber nicht, mit diesen Heiligen anschließend scharf ins Gericht zu gehen, sie zur Umkehr aufzufordern und ihr Verhalten anzuprangern. Heilig sind sie trotzdem, weil sie seit ihrer Taufe davon überzeugt sind, dass sie (wie übrigens alle Menschen) an der Heiligkeit Gottes teilhaben, oder m.a.W.: dass sie Gottes Geschöpfe sind und zu Gott gehören. Ihre Herkunft von Gott lässt sie an der Heiligkeit Gottes partizipieren, macht sie zur Gemeinschaft der Heiligen - wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen. Es gibt also die Überzeugung im Neuen Testament, dass alle Getauften - die Kirche also - Heilige sind. Allerheiligen wäre somit das Fest aller Getauften, wo sie ihre Gotteskindschaft und Berufung feiern.

Späterer Bedeutungswandel

Doch schon bald verengte sich die Bedeutung des Heiligenbegriffs. Nicht mehr die Lebenden wurden als Heilige bezeichnet, sondern die Martyrer, die ihr Leben um des Glaubens willen gewaltsam verloren hatten, dann auch jene Verstorbenen, die vor der Welt mutig für ihren Glauben eingetreten waren oder für die Kirche eine große Bedeutung erlangt hatten. Bald wurde der Heiligenbegriff ausschließlich auf solche Idealgestalten übertragen. Man vergaß einfach, dass Heiligkeit alle auszeichnet, die an Gott glauben und zu ihm gehören wollen. Und so wurde der Begriff der Heiligkeit zur Kennzeichnung persönlicher moralischer Höchstleistung. Aber genau das wird von der Bibel nicht gedeckt.

Heiligenverehrung heute

Wenn wir heute Heilige verehren, dann ist das berechtigt, wenn wir in ihnen Gottes Wirken bewundern. Denn Heilige sind Menschen wie wir, die Gott in sich Raum gegeben haben und so in ihrem Leben und Tun Gottes Licht haben durchscheinen lassen. Das verdient Respekt, Bewunderung und spornt zur Nachahmung an. Nicht die Heiligkeit unterscheidet sie von uns, sondern die Glaubwürdigkeit ihres christlichen Lebenswandels. Und damit sind sie Vorbilder für uns, die wir noch mit der christlichen Gestaltung unseres eigenen Daseins beschäftigt sind.

Dass wir einen Tag nach Allerheiligen den Gedenktag Allerseelen feiern, steht in innerem Zusammenhang mit den Fest Allerheiligen. Wir denken dann an jene Toten, die uns mal nahe gestanden haben, um die wir vielleicht noch trauern. Es sind Menschen, deren Lebenswerk vollendet ist, und oft findet sich darin viel christlicher Mut, demütig getragenes Leid, eben Nachfolge Christi. Es mag nicht so spektakulär sein, wie es im Leben der großen Heiligen zugegangen ist; und dennoch war es christliches Zeugnis im Kleinen, das uns, die Nachfahren, geformt und beeindruckt hat. Wir sind dankbar, dass es diese Menschen in unserem Leben gegeben hat. Und darum denken wir gerne an sie zurück: die einen noch in Trauer, die anderen schon in Dankbarkeit, vielleicht sogar mit etwas Stolz, dass diese Menschen zu uns gehört haben. Es ist gut, dass wir nicht vergessen, wo unsere Wurzeln sind und was wir anderen verdanken. Dieses Gedenken und Bedanken geschieht im Gebet, im Zwiegespräch mit Gott, an dessen Heiligkeit wir alle teilhaben.

Amen.

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Überlegungen zu Peter und Paul

Liebe Christen

Peter und Paul ist ein Fest, das zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten der frühen Kirche zusammen bindet. Petrus steht für Tradition, für alles, was gewachsen ist, für klare und feste Strukturen, für Dauer und Unveränderlichkeit. Petrus hat in der katholischen Kirche eine ganz besondere Bedeutung bekommen, eben auf Grund des eben gehörten Evangeliums. Die Verheißungen darin sind ja schier ohne Grenzen.
Paulus dagegen, der ursprünglich nicht zum Kreis der zwölf Apostel gehört, sich selber aber doch Apostel nennt und Apostelautorität für sich in Anspruch nimmt, steht für Veränderung, für Fortschritt, für Neuerungen, wenn die Zeiten und Situationen so etwas erfordern. Im Kreis der Zwölf ist Paulus ein Seiteneinsteiger. Er fühlt sich zum Apostel berufen, obwohl nirgendwo eine Berufung durch Jesus überliefert ist. In den evangelischen Kirchen genießt er große Verehrung und Zuspruch wegen seiner Freiheitsliebe und seinem unkomplizierten Umgang mit den Traditionen.In den katholischen Kirchen wird am Fest Peter und Paul vor allem über Petrus und das Petrusamt, über Unfehlbarkeit und Papsttreue gepredigt, in den evangelischen Kirchen ist eher Paulus Thema der Verkündigung. Das gemeinsame Fest Peter und Paul will also sagen, dass beide Kirchenbilder und beide Ekklesiologien in der einen Kirche ihr Recht haben, dass es müßig ist, das Eine gegen das Andere auszuspielen, und dass es eine echte Lösung des Problems im Sinne von richtig und falsch nicht gibt. Die Spannung ist eben auszuhalten und in gegenseitiger Achtung und Toleranz zu ertragen.
Ähnliche Gedanken müssen unseren Papst Franziskus dazu veranlasst haben, am Weißen Sonntag dieses Jahres - wir nennen den Weißen Sonntag auch den Sonntag der Barmherzigkeit - gleich zwei Päpste heilig zu sprechen: Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. Beide Päpste haben durch ihre Amtsführung Kirchengeschichte geschrieben, doch auf sehr unterschiedliche Art. Johannes XXIII war der große Seelsorger, der das II. Vatikanische Konzil auf den Weg gebracht hat und der Kirche zukunftsweisende Reformen mit auf den Weg geben wollte, während Johannes Paul II. ein politischer Papst war, der die Welt bereiste, Massen mobilisierte und auf seine Art die Macht des Papsttums neu interpretierte. Reformen waren für ihn nicht nötig. Zwischen beiden Persönlichkeiten liegen Welten. Papst Franziskus hat beide Päpste zusammen heilig gesprochen und damit gezeigt, mit welchen Spannungen die Gläubigen leben müssen. Denn eine verbindliche Vorgabe, wie ein Papst zu sein hat, gibt es nicht. Ein Anliegen von Franziskus war es m.E. nicht, diese Heiligsprechung überhaupt vorzunehmen. Aber das sind eben die negativen Folgen eines Papstrücktritts. Franziskus sieht sich in der Pflicht, Unvollendetes von seinem Vorgänger zu Ende zu führen zu müssen. Die Nähe des Ruheständlers ist fatal.
Eine andere Frage ist natürlich, wie sinnvoll es ist, wenn der Papst andere Päpste heilig spricht. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte damals in einem Interview: "Über Jahrhunderte gibt es nur ganz vereinzelt einen heiligen Papst. Und auch mal hundert Jahre gar keinen. Und jetzt, seit Mitte des 19. Jahrhunderts, ist jeder zweite Papst entweder selig oder schon heilig gesprochen, oder der Prozess wird vorbereitet. Es gibt also, was die Päpste angeht, eine Inflation von heiligen Päpsten. Das halte ich für ein bisschen problematisch." Und in der kritischen Kulturzeitschrift CICERO online schreibt Redakteur Alexander Kissler: "Päpste für ihr je individuelles Papsttum auszuzeichnen, verkennt den unvergleichlichen Zuschnitt dieses Amtes. Bei Päpsten gehört die "heroische Tugendübung" zur Arbeitsplatzbeschreibung. Ehrgeizfördernde Fleißkärtchen und Mitarbeiterurkunden, ausgestellt vom Nachfolger, sind ein gar zu weltlich Ding."
Was so fromm klingt, ist oft genug brisant und hochpolitisch.

Amen.

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Seite geändert am: 06.07.2014