Hier finden Sie Texte über Ostern

Texte von Peter Josef Dickers
Texte von Wilhelm Weber








Texte von Peter Josef Dickers





Texte von Wilhelm Weber






Ostern. Auferstanden von den Toten

Herrlich bemalte Ostereier sah ich im Fenster hängen. Die Verkäuferin war stolz, mir die farbenfrohen Exemplare zeigen zu dürfen. Ich staunte über die kleinen Kunstwerke auf Eierschalen. "In der Karwoche haben wir zu Hause immer Eier gefärbt oder auch bemalt" , sagte ich ihr. "Dabei haben wir Geschichten über Ostern erzählt oder uns darüber unterhalten, was denn die Auferstehung Jesu von den Toten bedeuten würde." "Was bitte bedeuten würde?" hörte ich die freundliche junge Frau fragen, die mir sorgsam ein paar wunderschön bemalte Eier einpackte.
"Auferstehung von den Toten" kam in ihrem Wortschatz nicht vor. Erst recht nicht in ihrem Warenangebot oder gar in ihrer Lebensvorstellung. Wunderschöne Ostereier. Ein großes Osterhasen-Sortiment. Das war lebensnäher und konkreter als die Frage nach dem leeren Grab am Ostermorgen oder die Frage nach dem Himmel.
Ich kann das verstehen. Die junge Verkäuferin würde sympathisch finden, was Heinrich Heine (in: "Ein Wintermärchen" ) geschrieben hat:

"Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Freunde, will ich euch dichten,
wir wollen hier auf Erden schon
das Himmelreich errichten.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
sobald die Schoten platzen.
Den Himmel überlassen wir
den Engeln und den Spatzen."

Das weiß ich natürlich auch: Ich lebe nicht deswegen, um einmal in den Himmel zu kommen. In meinem Leben geht es ziemlich irdisch und menschlich zu. Wer mich leibhaftig erlebt hat, der wird bestätigen, dass ich nicht zehn Zentimeter über der Grasnarbe schwebe und gen Himmel starre. "Willst du den Himmel gewiss haben, so tauge etwas für die Erde", hat jemand gesagt. Das versuche ich zu realisieren. Ich will keinen Himmel auf Erden.
Wolf Biermann hat Recht: "Ne frohe Botschaft hab ich für dich, mein Liebchen, wir brauchen die Botschaft nich vom Paradies uff Erden." (in: DIE WELT Nr. 15/2001). Die Erde, die Menschen nehme ich so, wie sie sind - mit ihren Ecken und Kanten, mit meinen Ecken und Kanten.
Dennoch hoffe ich auf ein Leben nach dem Tod. Ich möchte "auferstehen" in ein Leben, in dem es ein Mehr an Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe, Frieden und Glück gibt. Gerade weil ich das Leben hier bejahe und weil ich mich hier und da für andere engagiere, lasse ich mir die Hoffnung auf ein ewiges, anderes Leben nach meinem Tod nicht nehmen.
Ich liebe die bunten Ostereier. Ich habe ein Herz für den Osterhasen. Sie läuten den Frühling ein. Mit Kindern suche ich um die Wette nach dem schönsten Osterhasen und den buntesten Eiern.
Aber Ostern sagt mir noch mehr: Es lohnt sich zu leben. Es lohnt sich, für etwas und für jemanden zu leben. Ich führe nicht Buch über meine mehr oder weniger guten Taten und nehme kein Geld dafür.
Ich lebe in der Hoffnung, auferstehen zu dürfen von den Toten. Ich lebe in der Hoffnung, zu erfahren: dein Leben war nicht umsonst, dein Leben hat dir und anderen etwas gebracht.

Die Verkäuferin war nett und zuvorkommend, sie verkaufte mir herrliche Ostereier. Vielleicht sehe ich sie einmal wieder - bei der Auferstehung von den Toten.

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Durch Tod zum Leben (Osterpredigt 2014)

Liebe Christen!

Die Osterbotschaft - wenn sie mehr sein soll als eine einfache Nacherzählung der biblischen Auferstehungsgeschichte(n) - muss im Kontext unserer Zeit gesehen werden. Erst dann wird die Geschichte, werden die Geschichten zu einer aktuellen Botschaft für uns heute. Die Bewegung geht in der Ostergeschichte vom Tod zum Leben, also genau umgekehrt wie wir es gewöhnt sind. Wir erfahren im Leben, wie der Tod alles vernichtet, wie er das Leben beendet. Ostern aber geht es umgekehrt: das Leben überwindet den Tod. Das klingt wie ein Paradox. Die Botschaft von Ostern besteht also darin, unsere Welt, unsere Welterfahrungen mit österlichem Vorzeichen zu sehen. Das ist eine Weltdeutung, die ein ungeheures Potenzial an Hoffnung freisetzt. Ich will an einigen Beispielen erklären, wie das gemeint ist.

1.Beispiel:
Wir haben in den letzten Jahren die Spuren des Todes in der Kirche schmerzlich erfahren müssen. Ich erinnere an die ungezählten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester und pädagogisches Personal in der Kirche. Dieses schändliche Verhalten wurde vertuscht, geleugnet und nicht geahndet - quer durch alle Diözesen und das weltweit. Es gab de facto einen Täterschutz, aber keinen Opferschutz. 2010 hat in Berlin der Jesuitenpater Klaus Mertes als Leiter des dortigen Canisiuskollegs die Aufklärung der Missbrauchsfälle ins Rollen gebracht, zuerst in seiner Einrichtung und in der Folge in allen Diözesen. Tausende Kirchenaustritte hat es damals gegeben. Die Kirche stand in der Öffentlichkeit mit dem Rücken zur Wand. - Dann folgte der Finanzskandal. Ich erinnere an Bischof Tebartz-van Elst und seinen Größenwahn, als er über 30 Millionen Euro an allen Kontrollgremien vorbei in den Bau seiner Residenz steckte. Wiederum traten Tausende Katholiken aus der Kirche aus. Und wiederum waren es mutige Priester, die den Skandal öffentlich machten, was dann zum Rücktritt des Bischofs führte. - Die Bischofskollegen, die anfangs mit dem Finger auf ihren Mitbruder zeigten, haben inzwischen Muffensausen. Sie fürchten, kirchenkritische Medien könnten auch ihr Finanzgebaren unter die Lupe nehmen. Und da gibt es sicher manches zu entdecken. Denn die anhaltend gute Konjunktur spült seit Jahren so viele Kirchensteuern in die bischöflichen Kassen wie nie zuvor. Trotzdem müssen die Gemeinden weiterhin auf Sparflamme kochen, während die Diözesen die Überschüsse in Großprojekten anlegen. Der Finanzskandal ist noch keineswegs ausgestanden. - In der öffentlichen Meinung steht die katholische Kirche gegenwärtig ziemlich angeschlagen da. Und trotzdem kann diese Erfahrung heilsam sein. Denn Skandale, die vertuscht werden, richten die Kirche zugrunde. Nur eine radikale Aufarbeitung und ein grundlegender Gesinnungswandel geben Hoffnung auf eine neue Zukunft. Dabei ist es eigentlich egal, ob der Wandel von außen erzwungen oder von innen vorangetrieben wird. Nur der Wandel heilt; nur er kann zu einer neuen Ostererfahrung für die Kirche werden. Ich bin zuversichtlich, dass das mit unserem neuen Papst gelingt.

2. Beispiel
Frauen haben in der Kirche keine Chance, die Geschicke ihrer Kirche in Leitungsfunktionen mit zu verantworten. Diese Frauenphobie gibt es in keinem anderen Berufszweig mehr, nur in unserer Kirche. Wie eine späte Einsicht, aber immerhin wohltuend, hat daher die Ankündigung von Papst Franziskus geklungen, als er das weibliche Element in der Kirche zu stärken versprach. Was er im Einzelnen damit meinte, hat er noch nicht gesagt. Aber wenn er seinen Worten Taten folgen lässt, könnte auch dieser Wandel in der Kirche zu einer neuen Ostererfahrung führen. Man darf gespannt sein auf die für Oktober in Rom angekündigte Bischofssynode. Da soll es um die Familie und um die Sexualmoral gehen. Zur Vorbereitung dieser Synode hatte Papst Franziskus im letzten Jahr kurzerhand eine Umfrageaktion gestartet. Die Katholiken waren eingeladen, anhand eines Fragebogens offen und ohne Namen zu sagen, was sie von der in der Kirche gepredigten Sexualmoral halten. Unser Papst fürchtet sich nicht vor der Realität. Allein die Tatsache, dass ein Papst weltweit eine Befragung durchführt, ist für mich schon eine Ostererfahrung. Franziskus will sicher nicht Moral demokratisieren, aber es interessiert ihn, wie weit gepredigte Normen dem Menschen zum Leben nützen und zum Gelingen des Lebens beitragen. Vielleicht trägt diese Bischofssynode auch dazu bei, über den Pflichtzölibat der Priester neu nachzudenken und ihn neu zu bewerten. Papst Franziskus ist kein Realitätsverweigerer.

3. Beispiel
Ich lenke Ihren Blick auf Ihr eigenes Leben. Ostererfahrungen sind da (und nur da) möglich, wo etwas am Boden liegt, wo etwas zu Bruch gegangen ist oder etwas abgestorben ist. Das kommt in jedem Leben vor. Habt keine Angst! Jeder Tod trägt die Chance eines neuen Anfangs, eines neuen Ostern in sich. Etwa: nach dem Verlust eines lieben Menschen, nach dem Scheitern einer Ehe, nach dem physischen Zusammenbruch durch Krankheit, Leid oder Gewalt. Freut Euch und lasst Ostern zu in Eurem eigenen Leben! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Amen.

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Ostern bedeutet Zukunft

Liebe Christen!

Jedes Jahr stellt sich die Frage aufs Neue: Was ist die eigentliche Botschaft von Ostern? Die Berichte der Bibel sind nicht wörtlich zu nehmen, das haben wir längst gelernt. Ostern ist kein Fest der Reanimation. Und doch bewahrt die Bibel in ihren Bildern eine Wahrheit auf, die unser Leben betrifft. Ich möchte das heute auf den Nenner bringen: Ostern hat mit Zukunft zu tun, mit unserer Zukunft, auch mit der Zukunft der Kirche. - Was ist gemeint?

1. Jesu Zukunft
Als Jesus am Kreuz starb, hatte er in den Augen seiner Jünger, vielleicht sogar in seinem eigenen Selbstverständnis, keine Zukunft. Der Tod ist das Ende schlechthin, im Falle Jesu ein unrühmliches zumal. Man kann Tote ehren, wie die drei Frauen am Ostermorgen es wollten, man kann am Grabe Zeichen setzen, die ausdrücken, was der Tote den Angehörigen zu Lebzeiten bedeutet hat, aber alles das ändert nichts an der Unwiderruflichkeit des Todes. Der Tod schneidet Zukunft einfach weg.

Doch die Frauen machen am Grab eine Erfahrung, die anders ist, als was sie erwartet hatten. Sie können diese ihre Erfahrung nur in dem Bild ausdrücken, das in allen vier Evangelien ähnlich überliefert ist: Jesus ist nicht im Grab. Der dort Beerdigte hat offenbar doch Zukunft, und die liegt in Galiläa (so die ersten drei Evangelien). Dort kann man ihn finden, dort kann man ihn sehen, kann man ihm begegnen. Das Bild des leeren Grabes ist nicht Geschichtsprotokoll, sondern Glaube, der Jesu Zukunft ins Bild setzt.

2. Die Zukunft der Frauen
Aber nicht nur um Jesu Zukunft geht es. Die Erfahrung am Grabe des Gekreuzigten verändert auch die Frauen und alle, denen sie von dieser Erfahrung erzählen. Hieß es am vergangenen Sonntag in der Leidensgeschichte noch "da verließen ihn alle und flohen", so sammeln sich Ostern die Jünger wieder. Sie sagen, Jesus sei von den Toten auferstanden, weil sie ihn so lebendig erfahren wie nie zuvor, weil sein Geist in ihnen ist, weil sie manchmal glauben, ihn leibhaftig vor sich zu sehen. Die Enttäuschten fassen wieder Mut, die Ängstlichen kommen aus sich heraus, die Trauernden sehen wieder Licht. Für alle hat eine neue Zukunft begonnen.

Wenn wir nun fünfzig Tage lang - bis Pfingsten nämlich - in der Liturgie die ermutigenden Erfahrungen der frühen Gemeinde mit dem Auferstandenen verlesen, dann tun wir das in der Hoffnung, dass der Funke des Zukunftsglaubens , der Freude und der Begeisterung auch auf uns wieder überspringt. Denn Osterglaube ist Zukunftsglaube, ist Sieg über die Resination.

3. Unsere Zukunft
Betrachtet man die Situation der Kirche heute, dann hat sie viel Ähnlichkeit mit der am Anfang der Leidensgeschichte Jesu, wo es heißt: "da verließen ihn alle und flohen". In dieser Kirche herrscht Karfreitagsstimmung. Die einen fliehen, weil sie enttäuscht sind, die anderen bleiben, weil es der Anstand gebietet. Sie wollen dem, was abgestorben ist, einen letzten Liebesdienst erweisen.

Persönlich bin ich jedoch fest davon überzeugt, dass ein neues Ostern vor der Tür steht. Es wird eine neue Kirche geben, in der die Menschen für sich wieder Zukunft sehen. Aber das ist dann eine andere Kirche als die, die wir zur Zeit erleben. Österliche Kirche - das ist durch und durch Gemeinschaft. Da definiert sich Caritas von Liebe und nicht von Geld, da ist die Institution für den Menschen da und nicht umgekehrt, da bedeutet religiöser Glaube mehr Leben und Lebensqualität und nicht weniger Lebensfreude. Der Wandel, sagen wir ruhig die Auferstehung, kommt nicht von oben oder von außen, sondern geschieht in den Herzen der Menschen - heute wie damals. Wie damals der Osterglaube und die Osterbegeisterung in den Herzen Einzelner entstanden und die Welt veränderten, so wird es auch heute und morgen sein: Einzelne sind die Keimzelle der Auferstehungshoffnung, die der Kirche ein neues Gesicht geben. Wie viel Osterlicht sichtbar wird, wie viel Zukunftshoffnung auf die Menschen dieses Dorfes überspringt, hängt nicht zuletzt von uns ab, von jedem Einzelnen. Osterglaube ist nicht Glaube an die Wiederbelebung eines Toten, sondern ist die feste Überzeugung, dass Liebe auf Dauer Frucht bringt, dass nur Liebe die Welt zum Guten verändert.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesem Osterfest und in diesen Tagen schon ein bisschen von der Hoffnung erfahren, die aus dem Glauben kommt, und Zukunft sehen für sich und die Ihnen nahe stehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Amen.

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Auferstehung als Gotteserfahrung

Liebe Christen!

Es ist üblich geworden, dass im Umkreis der großen christlichen Feste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten Meinungsumfragen gemacht werden. Da fragt man junge Leute, warum denn wohl Christen dieses oder jenes Fest feiern. Die Antworten machen erschreckend klar, dass grade bei der nachwachsenden Generation die Inhalte christlicher Feste kaum noch bekannt sind - selbst nach zehn oder mehr Jahren Religionsunterricht. Manchmal antworten die Gefragten auch mit der Gegenfrage: was hab ich davon, wenn ich das weiß? Die Älteren wissen da schon eher, was die Feste beinhalten. Aber sind die Alten deshalb gläubiger als die Jungen, die sich nicht auskennen? Das bloße Wissen macht noch nicht den Glauben aus, nicht einmal das ausdrückliche Bekenntnis, dass man die Auferstehung Jesu für wahr halte. - Einen Computer kann man mit Glaubenswahrheiten füttern, so dass alles abrufbar ist, trotzdem spricht man nicht von einem gläubigen Computer. Glaube ist etwas Anderes.

Glaube als bloßes Bekenntnis

Eigentlich haben wir aber den Glauben so gelernt: als Bekenntnis von Wahrheiten, die die Kirche zu glauben lehrt. Und so haben wir Glaubensbekenntnisse auswendig gelernt, nach Aufforderung aufgesagt (in der Sonntagsmesse etwa), aber die Frage unterdrückt, was wir eigentlich davon haben. Die Kirche hat in ihrer Geschichte den Glauben in Formeln gebracht, sie hat ihn buchstäblich formalisiert und damit die Rechtgläubigkeit kontrollierbar gemacht. Das Bekenntnis im richtigen Wortlaut genügt, auch wenn dem Bekennenden das Verständnis oder Einverständnis nicht möglich ist. Das ist ein sehr unbefriedigender Glaube, der die Frage "was hab ich davon?" geradezu herausfordert.

Jesu Glaube als Gotteserfahrung

Schauen wir auf Jesus. Er ist ja unser Vorbild, was das Glauben anbetrifft. Bei Jesus finden wir kein Glaubensbekenntnis, wohl aber die felsenfeste Überzeugung, dass das Reich Gottes nahe ist. Das nahe Reich Gottes meint die höchstpersönliche Anwesenheit Gottes im Alltag. Gott ist einfach da, mitten im Leben: nicht als Aufpasser, sondern als Begleiter, nicht als Richter, sondern als Retter, nicht als Strafender, sondern als unendlich Liebender. Persönlich erlebt und erfahren hat Jesus das z. B. bei der Taufe ("du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden" Mk 1,11) oder ähnlich auch bei der Verklärung (Mk 9, 2-8). Gotteserfahrungen sind das, die Jesus so prägen, dass er am Ende Vater sagt zu seinem Gott. Kein Wunder, dass Jesus auch im Leiden und Sterben auf diesen Vater-Gott vertraut, dass er ihn rettet. Glaube ist für Jesus keine Lehre, die er für wahr hält, sondern gelebte und erlebte Beziehung zum himmlischen Vater. Es ist eine Beziehung in der Tiefe des Herzens. Und die hört nicht auf, als Jesus stirbt. Die Jünger nennen das - in Ermangelung einer treffenderes Bezeichnung - Auferweckung oder Auferstehung. Für Jesus selbst ist es eine Gotteserfahrung. Das ist ungeheuerlich: Sterben und Tod kann Gotteserfahrung sein!

Und unsere Gotteserfahrung?

Wir tun uns schwer mit Gotteserfahrungen, halten sie womöglich für Spinnereien. Die Kirche hat uns nicht gelehrt, Gott zu erfahren. Stattdessen produziert sie jede Menge Glaubenswahrheiten, und die Menschen fragen zu Recht: was bringt uns das?

Glaube kommt da richtig zum Tragen (ich meine das wortwörtlich: wird tragfähig), wo wir in eine lebendige Beziehung zu Gott treten. Das ist nicht einfach gleich zu setzen mit einer lebendigen Beziehung zur Kirche. Mit der Kirche macht man Kirchenerfahrungen, und die können sehr unterschiedlich sein. Neulich saß ich mit betagten Damen im Altenheim zusammen, und man erzählte von früher. Eine sagte, sie sei früher eine fromme Frau gewesen. In der Beichte, zu der sie regelmäßig ging, habe sie dem Beichtvater gesagt, dass sie aufgrund ihres Berufes nicht regelmäßig zur Kirche gehen könne. Der Pastor darauf: "Sie machen es sich aber leicht." Die Frau empört: "Ich habe keinen Streit mit unserem Herrgott", stand auf und ging. Das war für sie eine Erfahrung mit der Kirche. Dabei hätte der Pastor diese Situation so leicht zu einer Gotteserfahrung werden lassen können, wenn er Verständnis gezeigt hätte. Denn Gott hat in seiner unendlichen Liebe unendliches Verständnis mit uns Menschen.

Das ist Gotteserfahrung: im Alltag sich angenommen wissen in seiner individuellen Lebenssituation, sich wertgeschätzt zu wissen von Gott, Freude und Sicherheit zu verspüren bei selbständigen Entscheidungen, optimistisch zu bleiben, auch wenn es viele Gründe gibt, es nicht zu sein. Und so kann auch das Schlimmste im Leben: das Sterben und der Tod zur Gotteserfahrung werden. Wie sollten wir es anders oder besser benennen als mit dem Wort Auferstehung. Tausendfach findet Auferstehung in unserem Leben statt, nicht erst am Ende unseres Lebens. In jedem Quäntchen Glück, bei jedem schönen Fest, bei jeder Art von Lebensfreude erfahren wir Auferstehung (und das ist nicht schwer), aber auch das Leid, die Enttäuschung, ja sogar das Sterben kann für den Gläubigen zur Gotteserfahrung werden. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingen möge, die vielfältigen Lebenserfahrungen als Geschenk des unendlich liebenden Gottes wahrzunehmen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Amen.


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Ostern, das Fest wider die Resignation

Liebe Christen!

Ostern ist ein Fest wider die Resignation. Das jedenfalls ist der biblische Befund. Maria von Magdala steht weinend vor dem Grab, weil mit Jesus all ihre Hoffnungen begraben sind. Trauer und Resignation sind die natürlichen Reaktionen auf das Geschehen des Karfreitags.

Doch am Ostermorgen setzt sich eine ganz neue Erfahrung durch. Das Unglaubliche ist wahr: der Tote lebt, obwohl er gestorben ist. Er ist auferstanden zu einem Leben, das unvergleichlich ist mit dem, das er im Tod hinter sich gelassen hat. Diese Erfahrung bringt neue Hoffnung für die Trauernden, ändert die ganze Situation, kehrt die Resignation in Begeisterung und lässt alles in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Könnten wir doch diese Osterhoffnung in unsere Zeit hinüber retten! Es gibt so viel Resignation, zu viele verschüttete Hoffnungen in der Gegenwart.

Drei Beispiele:

I.

Die Gewalt und der Terror wollen nicht enden im Irak. Gewalt und Terror sind Früchte des Krieges. Noch nie hat ein Krieg wirklich Frieden geschaffen - weder im Irak noch in Afghanistan. Krieg zerstört nicht nur das Land und die Menschen, sondern auch die Moral und den Anstand. Ein wahnwitziger Präsident hatte geglaubt, der Friede stände in seiner Macht. Heute muss er einsehen, dass seine Rechnung nicht aufgeht. Das Land liegt in Trümmern. Nun ist die Staatengemeinschaft gefragt, gemeinsam am Frieden zu arbeiten - ohne Gewalt und ohne Waffen. Es wird ein langer Weg sein.

Ähnlich ist die Situation im Nahen Osten. Israel und die Palästinenser bekriegen sich gegenseitig - trotz unzähliger Friedenspläne, Verträge und Appelle. Trotzdem geben wir und sie die Hoffnung nicht auf, dass alles irgendwann mal zu einem guten Ende kommt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Bei den Jüngern Jesu und den Frauen war sogar die Hoffnung gestorben, als Jesus gekreuzigt und begraben war. Und dann kam Ostern, der Wendepunkt, mit dem keiner mehr gerechnet hatte. Seitdem ist Ostern für Christen das Fest wider die Resignation.

II.

Ein zweites Beispiel. Es betrifft unsere Kirche, die sich in einem Reformstau ohnegleichen befindet. Die Seelsorgestrukturen brechen zusammen. Pfarreien werden zusammengelegt, aufgelöst, und manch ein Kirchengebäude wird verkauft. Begründet wird das alles mit Geldknappheit. Vordergründig stimmt das sogar. Nur: die eigentlichen Ursachen dieser Krise liegen viel tiefer. Die Kirche hat für die Menschen, vor allem für junge Menschen, ihre Attraktivität verloren. Wenn bei vier Millionen Arbeitslosen keiner Priester werden will, obwohl das ein toller Beruf ist, zukunftssicher und gut bezahlt, dann muss man darüber nachdenken, woran das liegt. Ich will an dieser Stelle keine Analyse wagen. Fragen Sie selber junge Menschen, und zwar die, die jetzt nicht in der Kirche sind, weshalb sie null Bock auf Kirche haben, und Sie werden genügend Ansatzpunkte finden, wo Reformen ansetzen müssen.

Obwohl gegenwärtig alles ziemlich festgefahren scheint und das Heilmittel eher in der Wiedereinführung der lateinischen Sprache in der Liturgie gesehen wird als in einer zeitgemäßen Verkündigung der frohen Botschaft, resignieren wir nicht. Gott wird Wege finden, der Kirche einen neuen Frühling zu schenken. Ja, vielleicht ist das Absterben des Alten ein notwendiger Schritt zu diesem neuen Frühlingserwachen. Darum feiern wir Ostern, das Fest wider die Resignation.

III.

Ein letztes Beispiel. Das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, hat eigentlich nicht die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche im Blick, sondern den neuen Menschen. Von ihm sagt Paulus im 6. Kapitel des Römerbriefes: "Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben." Diesen neuen Menschen gibt es, aber leider in der Kirche viel zu wenig. Der neue Mensche, den Jesus im Blick hat, ist von der Liebe geprägt, nicht vom Streben nach dem eigenen Vorteil. Wir erleben es heute allenthalben (auch in der Kirche), dass sehr weltverhaftetes, materielles Denken eine größere Rolle spielt als das, was dem Geiste Jesu entspricht. Trotzdem feiern wir Ostern, weil wir an eine Wandlung des Menschen glauben, weil wir auf einen Neuanfang hoffen, weil wir die Liebe für stärker halten als den Egoismus. Wider die Resignation feiern wir Ostern.

Amen.

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Ostern: Erschreckt nicht!

Liebe Christen!

Markus weiß zu berichten, dass am Ostermorgen ein Engel den Frauen am Grab sagt: "Erschreckt nicht!" Dieses "erschreckt nicht!" ist Teil der Osterbotschaft. Und so möchte ich dieses Wort gewissermaßen als Überschrift über meine Osterpredigt setzen. Drei Gedanken:

1. Erschreckt nicht vor dem Tod!

Die Frauen, die am Ostermorgen den Leichnam salben wollten, waren sicher auf einen schrecklichen Anblick gefasst. Jesus war doch eines gewaltsamen Todes gestorben, seine Gebeine zerschlagen, die Seite geöffnet. Trotzdem wollten sie dem so Zugerichteten den letzten Liebesdienst der Salbung erweisen. Was mochte sie erwarten? Am Grabe angekommen spricht sie plötzlich ein Engel an. Seine Botschaft: "erschreckt nicht!" Und in der Tat: bei näherem Zusehen gab es auch keinen Grund für ein Erschrecken. Denn das Grab war leer. Das Bild des Schreckens, das sie erwartet hatten, gab es in Wirklichkeit gar nicht. Offensichtlich war eine Wende eingetreten.
Ich denke, ähnliche Erfahrungen machen wir gelegentlich alle. Da werden wir konfrontiert mit den schlimmsten Situationen, in die Menschen geraten können. Und dann fragen wir uns: warum muss das sein? Warum muss ausgerechnet dieser junge Mensch sterben? Warum muss diese Ehe zerbrechen? Warum diese Krankheit, warum dieser Unfall? Und während wir uns mit diesen unlösbaren Fragen beschäftigen, spüren wir, dass das Leben - unerklärlich - auf neue Weise weitergeht. Wir machen die Erfahrung, dass im Tod oft die Auferstehung verborgen schon anwesend ist. Würde ein Engel uns darauf aufmerksam machen, würden uns die Augen viel schneller geöffnet. Das ist Ostererfahrung: das Leben hat immer eine Chance - von Gott her.

2. Erschreckt nicht , wenn ihr nicht alles begreift!

Als denkende Wesen möchten wir so gerne auf alle Fragen des Lebens eine lückenlose Antwort haben, auch auf die Sinnfragen nach dem letzten Woher und Wohin und Warum und Wozu. Unser Glaube soll möglichst ein logisches Fundament haben, soll uns und anderen deutlich machen, warum es richtig ist, an Gott zu glauben. Wir möchten selber Rechenschaft ablegen können, dass alles gut und sinnvoll ist, was in diesem Leben geschieht. Aber diese Logik gibt es nicht. Und darüber brauchen wir nicht zu erschrecken.
Was sagte doch der Engel? "Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht da die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte." Kein Wort über das Wie der Auferstehung, über das Wann oder das Warum. Alles das bleibt uns verborgen. Stattdessen sagt der Engel: "Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat." Man muss sich also auf den Weg machen in den Alltag, um dem Lebendigen zu begegnen. Und diese Begegnung wird kein Meeting sein, sondern eine Erfahrung - die Erfahrung, dass sein Geist lebendig ist in uns und in anderen.

3. Erschreckt nicht vor Gott!

Auferstehung hat etwas mit Gott zu tun. Gott hat Jesus auferweckt. So lauten jedenfalls die ältesten Bekenntnisformeln des Neuen Testaments. Gott aber ist und bleibt für uns ein Geheimnis.
Im Alten Testament wird Gott oft als schrecklicher, grausamer, kriegerischer, eifersüchtiger Gott beschrieben. Gott ist der strenge Richter, der die Bösen bestraft und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Übrigens hat die Kirche im Laufe ihrer Geschichte auch dieses Gottesbild verkündet und damit die Menschen gefügig gemacht. Aber das ist nicht das Bild, das uns Jesus von Gott geoffenbart hat. Jesus nennt Gott einen barmherzigen Vater, einen guten Hirten, einen Bräutigam. Paulus bezeichnet Jesus als das getreue Abbild Gottes. Und nach Johannes ist es Jesu Sendung, Gottes Namen und Wesen kundzutun. Wer Jesus sieht, sieht Gott.
An Gott glauben, heißt an seine Liebe glauben. In dieser Liebe dürfen wir uns geborgen fühlen. Wer auf die Liebe Gottes vertraut, der braucht vor ihm nicht zu erschrecken. Im Gegenteil: er darf wissen, dass all seine ungelösten Probleme und unbeantworteten Fragen in der Liebe Gottes gut aufgehoben sind. Er darf sicher sein, dass das göttliche Leben stärker ist als der Tod; dass Auferstehung unser Leben bestimmt, auch im Angesicht des Todes.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Amen.

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Ostern heißt Aufstehen

Liebe Christen!

Jedes Jahr denken wir erneut darüber nach, was Ostern für uns bedeuten kann. Denn die biblische Botschaft von der Auferstehung muss irgendwie in unserem Alltag geerdet werden, sonst bleibt sie eine fromme Geschichte ohne Auswirkung auf unser Leben. Wenn der hl. Paulus im Brief an die Kolosser sagt: "Ihr seid mit Christus auferweckt." (3, 1a), dann spricht er von der Auferstehung als einem gegenwärtigen Geschehen, das heute passiert oder passiert ist und nicht erst am Ende der Zeit eintreten wird. Auferstehung ist die Kraft in uns, die uns immer wieder aufstehen lässt, sooft wir zu Boden stürzen, abstürzen oder einfach am Ende unserer Kraft sind. An drei Beispielen will ich das Gemeinte veranschaulichen.

1. Beispiel: Aufstehen nach Niederlagen.
Am Karfreitag haben wir noch den Kreuzweg Jesu betrachtet. Der fromme Glaube hat ohne eine biblische Grundlage drei Stationen eingefügt, wo Jesus unter der Last seines Kreuzes zu Boden stürzt. Die Erfahrung der Niederlage, des Zusammenbruchs, das Ich-kann-nicht-mehr ist keinem von uns fremd. Es ist eine allgemeine Lebenserfahrung, die man sogar Jesus nachsagt. Das Aufregende an diesen drei Kreuzwegstationen ist übrigens nicht der Sturz zu Boden, sondern das Aufstehen nach der Niederlage.

Es gibt viele Niederlagen, aus denen man selber aufstehen muss, und zwar in der von Gott geschenkten Kraft. Ich denke an die Kranken, die letztlich nur selber der Krankheit Paroli bieten können. Ich denke an die Trauernden, die nach dem Verlust eines lieben Menschen nur selber ihrem Leben einen neuen Sinn geben können, z. B. in einer neuen Liebe oder Partnerschaft oder aber in einem besonderen Engagement im sozialen Bereich. Ich denke an die ewigen Verlierer, denen selten etwas gelingt, die dafür aber oft vom Schicksal gebeutelt oder von den Menschen ausgenutzt und betrogen werden. Auch ihnen nützt auf Dauer kein Selbstmitleid, kein Selbstbedauern. Die Kraft zum Neuanfang muss im eigenen Herzen entdeckt, angenommen und freigegeben werden. Das hat etwas mit Ostern zu tun. Ostern heißt aufstehen. Wohl dem, der jemanden hat, der ihm beim Aufstehen behilflich ist.

2. Beispiel: Aufstehen gegen Unrecht.
Es hat was mit Ostern zu tun, wenn Menschen sich stark machen, gegen Unrecht aufzustehen. Manchmal ist Unrecht in unserem Denken so selbstverständlich geworden, dass wir es gar nicht als solches wahrnehmen. So ist der Ausschluss der Frauen von allen Ämtern in der Kirche eine Diskriminierung, die wir einfach hinnehmen. In keinem anderen Bereich unserer Berufswelt gibt es so etwas. Die Aufhebung dieser Diskriminierung würde sogar das Problem des Priestermangels teilweise lösen und wieder zu einer geordneten Seelsorge in den Gemeinden beitragen. Stattdessen zerschlagen wir ganze Seelsorgestrukturen und vernachlässigen sträflich Liturgie, Verkündigung und Einzelseelsorge, nur um die Diskriminierung der Frau aufrecht zu erhalten. Das ist übrigens nur ein Beispiel von Diskriminierung in der Kirche. Andere sind: die Exkommunikation der Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, die Verachtung der Homosexuellen, die unnachgiebige Haltung gegenüber Christen anderer Konfessionen, die Verweigerung der Mitentscheidung der Kirchenmitglieder bei wichtigen Weichenstellungen in der Kirchenpolitik. Eine österliche Kirche sind wir nicht.

In diesen Tagen sehen wir in der weiten Welt, wie Menschen gegen Unrechtsstrukturen aufbegehren, wie sie ihre Despoten und Menschenschinder aus dem Amt jagen - gegenwärtig vor allem in der arabischen Welt. Auferstehung ist nicht nur ein Artikel im Glaubensbekenntnis, das man aufsagt und gegen das man nichts einzuwenden hat. Auferstehung findet da statt, wo Menschen gegen Unrecht und Unrechtsstrukturen aufstehen.

3. Beispiel: Aufstehen zum Leben.
Es gibt Situationen, da macht sich die Erkenntnis breit, dass eigentlich das ganze Leben verpfuscht ist. Ehen gehen auseinander, Lebenswerke zerbrechen, der Frust macht sich breit, dass alles für die Katz gewesen ist. Das Leben selber bekommt einen Knacks. Es ist wie bei jeder Niederlage, nur viel grundsätzlicher, totaler, ohne Hoffnungsschimmer.

Trotzdem glauben wir daran, dass auf Dauer doch ein Schimmer Hoffnung am Horizont aufkommen kann. Manchmal muss man nur sein eigenes Leben ändern, Beziehungen kappen, vielleicht die Ehe beenden, möglicherweise den Beruf aufgeben, auf die Barrikaden gehen, um sein eigenes Leben nicht ins Leere laufen zu lassen. Da kann dann keiner raten, da gilt nur die eigene Entscheidung. Wie immer sie ausfällt, sie ist richtig. Und mögen auch andere Leute sich aufregen oder Unverständnis zeigen. Jeder Mensch ist in seiner Entscheidung souverän. Wo es ums Aufstehen zum Leben geht, haben Rücksichten nicht die Priorität. Ostern ist nicht zu haben ohne die Grausamkeiten des Karfreitags. Ostern ist die Option Hoffnung schlechthin.

Amen.

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Ostern und die Neuanfänge im Leben (Osterpredigt 2013)

Liebe Christen!

Was ist Ostern? Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu. Das ist die dogmatisch korrekte Antwort auf die gestellte Frage. Doch was ist Auferstehung? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Drei Gedanken:

1. Auferstehung ist nicht die Wiederherstellung des alten Lebens.
Als Jesus von den Toten auferstand, kehrte er nicht ins alte Leben zurück, wie der Volksglaube es sich manchmal ausmalt. Wenn man am Grab eines Verstorbenen von Auferstehungshoffnung spricht, darf man nicht den Eindruck erwecken, als würde dieser Tote nach Ablauf einer langen Zeit, etwa am letzten Tag der Zeitrechnung - am Jüngsten Tag also - wieder lebendig werden. Die Lebenszeit, die uns auf der Erde geschenkt ist, ist einmalig, und wenn sie einmal abgeschlossen ist, ist sie unwiederbringlich. Was für uns gilt, galt auch für Jesus. Denn er war ja wahrer Mensch. Auferstehung muss also etwas Anderes meinen als einfach Rückkehr ins vorherige Leben.
Den Tod eines Menschen zu akzeptieren gehört zu den schwersten Opfern, die uns Lebenden abverlangt werden. Der Tod ist so sinnlos; er zerstört nicht nur das Leben des einen Sterbenden, sondern zugleich den Lebenssinn derer, die zurück bleiben und die mit dem Toten in Liebe verbunden waren. Da darf - wenn in diesem Zusammenhang von Auferstehungshoffnung gesprochen wird, nicht der Eindruck entstehen, als würde diese Sinnlosigkeit irgendwann mal wieder rückgängig gemacht. Nein, der Tod ist end-gültig, er ist grausam, er ist Symbol der Heil-losigkeit dieser Welt.

2. Auferstehung ist auch nicht die Hoffnung auf ein kommendes Paradies.
Vor allem im Islam ist das Paradies - genannt Dschanna - der jenseitige Ort der Freude, der den Auserwählten verheißen ist. Das entspricht in etwa den biblischen Vorstellungen der Geheimen Offenbarung vom himmlischen Jerusalem oder auch der Vorstellung vom Himmel als Ort Gottes, wo die Gerechten sind. Ähnliche Vorstellungen gibt es in allen Religionen. Aber es ist nicht das, was die Auferstehung Jesu meint.
Jesu Auferstehung ist nicht Vertröstung auf die Ewigkeit, wo es uns allen gut geht. Über das, was uns erwartet nach dem Tod, wissen wir am allerwenigsten. Kein Wunder, dass gerade darüber von frommen oder auch durchgeknallten Religionsvertretern am meisten spekuliert wurde und wird. Unsere Auferstehung ist nicht etwas, was erst nach dem Tod oder am Jüngsten Tag stattfindet. Auferstehung hat mit dieser unserer Lebenzeit zu tun. - Was ist gemeint?

3. Auferstehung Jesu offenbart sich in dieser heil-losen Welt in jedem Zeichen von Hoffnung.
Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, wie der Volksmund behauptet, sondern die Hoffnung besiegt den Tod - jeden Tag aufs Neue. Jedes Zeichen von Hoffnung in dieser armseligen, heil-losen Welt verbinden wir Christen mit der Auferstehung Jesu. Wir dürfen dabei sogar mitspielen. Wenn wir uns um Menschen kümmern, die am Ende sind, die keine Hoffnung mehr haben, die verzweifelt sind, die nichts mehr zu erwarten haben, - wenn wir denen Hoffnung geben, dann legen wir Zeugnis ab von Jesu Auferstehung. Und wir selber spüren dabei ein Stückchen Glückseligkeit, d. h. Auferstehung im eigenen Leben.
Tausenden von Flüchtlingshelfern ist es so im vergangenen Jahr ergangen. In unserer Gemeinde ergeht es jedem so, der sich um Nachbarn kümmert, die Probleme haben, um Alte, um Kinder, um junge Familien, die nicht klar kommen, um Trauernde, die mit ihrem Leid nicht fertig werden. - Ostern ereignet sich eigentlich immer, wenn wir uns zur Verfügung stellen.
Heute ist Ostern, das Fest der Hoffnung. Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest - als Hoffnungsgeber oder als Hoffnungsnehmer.


Amen.

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Ostern und die Neuanfänge im Leben (Osterpredigt 2013)

Liebe Christen!

Das Osterfest steht in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Seit dem 13. März hat die katholische Kirche einen neuen Papst. Die Nähe dieses Ereignisses zum Osterfest, dem Fest der Auferstehung Jesu, beflügelt meine Ostergedanken.

Wie war das damals am ersten Ostertag? Frauen waren es, die am frühen Morgen als erste zum Grab kamen. Nach der ältesten Überlieferung, dem Markusevangelium, wollten sie den Toten salben, hatten aber keine Ahnung, wie sie das mit einem großen Stein verschlossene Grab öffnen könnten. Die spätere Überlieferung spricht nur noch von einem Besuch der Maria von Magdala am Grab. Erstaunlicherweise finden die Frauen das Grab offen und leer vor. Zur Trauer um den Tod Jesu kommt nun noch eine gewisse Ratlosigkeit wegen des offenen und leeren Grabes auf. Nach den ersten drei Evangelien sind es die Engel, die das Geschehen deuten: Jesus ist nicht hier, er ist auferstanden. Im Johannesevangelium ist es Jesus selbst, der Maria von Magdala im Grab erscheint und sich so als der Lebendige - also: als der Auferstandene erweist. Was alle Überlieferungen, so verschieden sie auch im Einzelnen sind, gemeinsam haben, ist die Botschaft: Jesu Leben geht weiter. Das Bekenntnis der AuferstehungJesu ist und bleibt daher ein zentraler Glaubensinhalt christlicher Existenz.

Auferstehung ist wie ein Neuanfang. Auch in der Kirche erleben wir z. Zt. einen solchen Neuanfang. Wenn ein Papstname ein Programm ausdrückt, dann begründet der neue Pontifex mit seinem Papstnamen Franziskus eine ganz neue Richtung. Denn die Orientierung an Franz von Asissi bedeutet Leben an der Seite der Armen. Das wird ein völlig neuer Aspekt sein für den kurialen Hof im Vatikan mit seinen hunderten von Exellenzen und Eminenzen,die sich gegenseitig den Hof und manchmal den Garaus. Papst Franziskus macht es sich nicht leicht. Sein Programm kann für uns alle zu einer Ostererfahrung werden, denn die Kirche ist nicht tot,sie ist lebendig, sie hat wenigstens heute die Absicht zu einer ganz entscheidenden Reform. Wenn die Kirche in Richtung Armut und Sorge für die Armen in Zukunft ein Zeichen setzt, dann war das eine gute Papstwahl am 13. März 2013.

Ich möchte nun aber auch über unsere eigene Lebenssutuation sprechen und wo da Ostererfahrungen vorkommen können. Im Grunde ist jeder Neuanfang oder jede Neuorientierung in der Lage, eine Ostererfahrung hervorzubringen. Zum Beispiel geht das Leben nach dem Tod eines lieben Menschen weiter, und es geht nicht nur weiter, sondern es kann sich wieder zu neuem Lebensmut und Lebenssinn entwickeln. Zum Beispiel kann nach einer schweren Krankheit das Weiterleben auf neue Weise wertvoll, lebenswert und sogar mit einer besondere Sendung verbunden sein.Auch wenn eine Ehe zerbrochen ist, kann eine neue Partnerschaft zu einer österlichen Lebenserfahrung werden. Die Kirche hat Letzteres nicht so gesehen, aber das wäre ja nicht der erste und einzige Fehler, den man der vatikanischen Unfehlbarkeit anlasten muss. Alles was nach persönlichen Katastrophen im Leben zu neuem Lebensmut, zu neuem Lebenssinn und zu neuer Lebensfreude führt. dürfen Sie getrost als persönliche Ostererfahrung deuten. Dazu brauchen Sie keine Genehmigung aus Rom. Und von solchen Ostererfahrungen wünsche ich Ihnen heute, Ostern 2013, eine ganze Menge.

Amen.

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Seite geändert am: 23.03.2016